Reichsführer-SS - Vorschlagsliste für die Verleihung des Ritterkreuzes zum Kriegsverdienstkreuz für SS-Brigadeführer Hans Kehrl, Polizeipräsident von Hamburg

datiert 2.8.1944, mit 4-seitiger Begründung zur Verleihung. Vorschlagende Dienststelle " Der Höhere SS-und Polizeiführer Nordsee in den Gauen Hamburg, Osthannover, Schleswig-Holstein, Weser-Ems und im Wehrkreis X ". Der Vorschlag ist von SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr unterzeichnet im Juli 1944.
Stark gebrauchter Zustand.
Hans Kehrl bekam das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz am 23.9.1944 verliehen.

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Reichsführer-SS - Vorschlagsliste für die Verleihung des Ritterkreuzes zum Kriegsverdienstkreuz für SS-Brigadeführer Hans Kehrl, Polizeipräsident von Hamburg

Das vorliegende Dokument aus dem August 1944 stellt eine Vorschlagsliste für die Verleihung des Ritterkreuzes zum Kriegsverdienstkreuz dar, die einen bemerkenswerten Einblick in das nationalsozialistische Auszeichnungswesen während des Zweiten Weltkriegs bietet. Es handelt sich um einen Verleihungsvorschlag für SS-Brigadeführer Hans Kehrl, der zu diesem Zeitpunkt als Polizeipräsident von Hamburg fungierte.

Das Kriegsverdienstkreuz wurde am 18. Oktober 1939 durch Adolf Hitler gestiftet und war eine der bedeutendsten zivilen und militärischen Auszeichnungen des Dritten Reiches. Es wurde in zwei Klassen verliehen und konnte mit Schwertern (für Verdienste im unmittelbaren Kampfgeschehen) oder ohne Schwerter (für Verdienste im Hinterland) verliehen werden. Das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz stellte die höchste Stufe dieser Auszeichnung dar und wurde nur in außergewöhnlichen Fällen verliehen. Es war das zivile Gegenstück zum militärischen Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und wurde für herausragende Leistungen in der Kriegswirtschaft, Verwaltung oder anderen kriegswichtigen Bereichen verliehen.

Die Vorschlagsliste stammt von der Dienststelle “Der Höhere SS- und Polizeiführer Nordsee”, die für ein ausgedehntes Gebiet zuständig war, das die Gaue Hamburg, Osthannover, Schleswig-Holstein und Weser-Ems sowie den Wehrkreis X umfasste. Unterzeichnet wurde der Vorschlag von SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr, der als Höherer SS- und Polizeiführer eine zentrale Rolle in der SS- und Polizeiorganisation Norddeutschlands spielte.

Die Position der Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) wurde 1937 geschaffen und stellte eine wichtige Verbindung zwischen der zentralen SS-Führung unter Heinrich Himmler und den regionalen Verwaltungsstrukturen dar. Die HSSPF waren direkt dem Reichsführer-SS unterstellt und koordinierten die Aktivitäten aller SS-, Polizei- und Sicherheitsdienste in ihren jeweiligen Bereichen. Sie spielten eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung der nationalsozialistischen Politik auf regionaler Ebene.

Die vierseitige Begründung zur Verleihung, die dem Vorschlag beigefügt war, dokumentiert die formalen Anforderungen, die für eine solch hohe Auszeichnung erforderlich waren. Der Verleihungsprozess für das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz war äußerst rigoros und erforderte eine detaillierte Dokumentation der Verdienste des Kandidaten. Die Vorschläge mussten durch die entsprechenden Dienststellen eingereicht werden und durchliefen mehrere Prüfungsebenen, bevor sie dem Führer zur endgültigen Entscheidung vorgelegt wurden.

Das Dokument ist auf den 2. August 1944 datiert, eine Zeit, in der das Deutsche Reich sich in einer zunehmend verzweifelten militärischen Lage befand. Nach der erfolgreichen alliierten Invasion in der Normandie im Juni 1944 und dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront im Juli 1944 war das Ende des Krieges absehbar. In dieser kritischen Phase erhielt die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und Sicherheit höchste Priorität, was die wichtige Rolle von Polizeipräsidenten wie Hans Kehrl unterstreicht.

Die Verleihung erfolgte schließlich am 23. September 1944, etwa sieben Wochen nach Einreichung des Vorschlags. Diese Zeitspanne war typisch für den bürokratischen Prozess, der mit solchen hochrangigen Auszeichnungen verbunden war. Bis zum Kriegsende wurden nur etwa 140 Ritterkreuze zum Kriegsverdienstkreuz ohne Schwerter und etwa 120 mit Schwertern verliehen, was die Seltenheit und Bedeutung dieser Auszeichnung unterstreicht.

Der stark gebrauchte Zustand des Dokuments ist charakteristisch für Verwaltungsunterlagen aus den letzten Kriegsjahren. Die chaotischen Verhältnisse gegen Ende des Krieges, die häufigen Luftangriffe auf deutsche Städte und die spätere Beschlagnahmung von NS-Dokumenten durch die Alliierten führten dazu, dass viele solcher Akten beschädigt oder nur fragmentarisch erhalten sind.

Aus heutiger Sicht sind solche Dokumente wichtige historische Quellen, die Einblicke in die Verwaltungsstrukturen und das Auszeichnungswesen des NS-Regimes bieten. Sie dokumentieren die Bürokratie eines totalitären Systems und zeigen, wie das Regime versuchte, durch ein ausgeklügeltes System von Ehrungen und Auszeichnungen Loyalität und Leistungsbereitschaft zu fördern, selbst als der militärische Zusammenbruch unmittelbar bevorstand.

Die Existenz solcher Vorschlagslisten ist auch von Bedeutung für die historische Forschung zu individuellen Biographien und zur Struktur der NS-Verwaltung. Sie ermöglichen es Historikern, die Karrierewege von NS-Funktionären nachzuvollziehen und die Beziehungen zwischen verschiedenen Organisationen und Dienststellen zu verstehen. Zugleich mahnen sie zur kritischen Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.