III. Reich - 225 Jahre Staatl. Porzellanmanufaktur Meissen 1710-1935

, Böttger Porzellanmedaille von Meissen, Zustand 2.
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30,00

III. Reich - 225 Jahre Staatl. Porzellanmanufaktur Meissen 1710-1935

Die Böttger-Porzellanmedaille zur Feier des 225-jährigen Jubiläums der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen (1710-1935) repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Kulturgeschichte während der Zeit des Dritten Reiches. Diese Medaille wurde zur Ehrung der ältesten Porzellanmanufaktur Europas geschaffen und trägt den Namen ihres Gründers, Johann Friedrich Böttger, der 1710 das europäische Hartporzellan erfand.

Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen wurde am 23. Januar 1710 durch August den Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, gegründet. Die Entdeckung Böttgers, nach jahrelangen alchemistischen Experimenten erstmals in Europa Porzellan herzustellen, das zuvor nur aus China importiert werden konnte, war eine Sensation von enormer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Die Manufaktur in Meissen entwickelte sich rasch zu einem Zentrum künstlerischer Exzellenz und wurde zum Vorbild für zahlreiche andere europäische Porzellanmanufakturen.

Das Jahr 1935 markierte das 225-jährige Bestehen dieser traditionsreichen Institution, und die nationalsozialistische Regierung nutzte dieses Jubiläum, um die vermeintliche kulturelle Überlegenheit des deutschen Handwerks und der deutschen Kunst zu demonstrieren. Die NS-Kulturpolitik legte großen Wert auf die Betonung traditioneller deutscher Handwerkskunst und die Kontinuität kultureller Leistungen. Solche Jubiläen boten ideale Gelegenheiten zur Selbstdarstellung des Regimes und zur Instrumentalisierung historischer Errungenschaften für propagandistische Zwecke.

Die Böttger-Medaillen aus Meissener Porzellan waren bereits im 18. und 19. Jahrhundert als besondere Auszeichnungen und Erinnerungsstücke bekannt. Die Tradition, bedeutende Ereignisse und Persönlichkeiten durch Porzellanmedaillen zu würdigen, wurde von der Manufaktur über Jahrhunderte gepflegt. Die Jubiläumsmedaille von 1935 fügt sich in diese lange Tradition ein, trägt jedoch unverkennbar die Handschrift ihrer Entstehungszeit.

Während der NS-Zeit wurden die traditionsreichen deutschen Manufakturen und Handwerksbetriebe in das System der Reichskulturkammer eingegliedert. Die Meissener Manufaktur blieb zwar eine staatliche Einrichtung unter sächsischer Verwaltung, musste sich jedoch den ideologischen Vorgaben des Regimes anpassen. Produkte wie die Jubiläumsmedaille von 1935 dienten sowohl der Feier historischer Leistungen als auch der Demonstration deutscher “Kulturhoheit”.

Die technische Qualität Meissener Porzellans war und ist weltberühmt. Die charakteristische Härte, Transluzenz und reine weiße Farbe des Hartporzellans nach der Böttger-Formel machten Meissen zum Inbegriff europäischer Porzellankunst. Medaillen aus diesem Material vereinen künstlerische Gestaltung mit technischer Meisterschaft und sind bis heute begehrte Sammlerstücke.

Der Zustand 2, in dem sich dieses Exemplar befindet, deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin, wobei in der militärischen und historischen Sammlertradition Zustand 1 nahezu perfekt und Zustand 2 geringfügige Gebrauchsspuren bedeuten würde. Für ein Objekt, das fast 90 Jahre alt ist, spricht dies für eine sorgfältige Aufbewahrung.

Solche Jubiläumsmedaillen wurden typischerweise an verdiente Mitarbeiter der Manufaktur, Ehrengäste bei Jubiläumsfeierlichkeiten, staatliche Würdenträger und als offizielle Geschenke verteilt. Sie dokumentieren nicht nur die künstlerische Tradition Meissens, sondern auch die komplexe Beziehung zwischen Kultur, Handwerk und Politik im Dritten Reich.

Heute sind diese Medaillen wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Kulturpolitik der NS-Zeit geben. Sie erinnern daran, wie das Regime versuchte, sich mit den Leistungen vergangener Jahrhunderte zu schmücken und traditionelle Institutionen für seine Zwecke zu vereinnahmen. Gleichzeitig zeugen sie von der außergewöhnlichen handwerklichen Kontinuität der Meissener Manufaktur, die alle politischen Systeme überdauerte und bis heute besteht.

Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die materielle Kultur des Dritten Reiches, die Instrumentalisierung von Tradition und die Persistenz deutscher Handwerkskunst durch verschiedene politische Epochen hindurch.