Kriegsmarine Urkundengruppe des Obersteuermann Georg Dittmar, Kreuzer Königsberg, danach Küstensicherungsverband Norwegische Westküste mit Ehrennadel des Tigerverbandes 1940

Verpflichtunsschein auf 12 Dienstjahre bei der Reichsmarine, datiert 1928.
Bescheinigung vom Kommando Linienschiff "Schleswig-Holstein" über die Nachprüfung als Berufsbeamter, datiert 1. Juli 1934.
Verleihungsurkunde zur Dienstauszeichnung IV. Klasse als Obermatrosengefeiten, I. Marineunteroffizierlehrabteilung, datiert Kiel, den 2. Oktober 1936.
Verleihungsurkunde zur Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, als Matrosenstabsgefreiter, Kommando Kreuzer "Königsberg", datiert Kiel den 20. Dezember 1939.
Verleihungsurkunde zum Eisernen Kreuz 2. Klasse als Matrosenstabsgefreiter, datiert 13. Juni 1940, mit original Unterschrift "Marschall", Admiral und Flottenchef.
Besitzzeugnis über die Verleihung des E.K. I. am 8.9.1940, ausgestellt vom Küstensicherungsverband Norwegische Westküste, datiert 23. Dec. 1940 (= ein erbeuteter norwegischer Datumsstempel !).
Besitzurkunde zum Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Boots-Jagd- und Sicherungsverbände, ausgestellt Bergen, den 17. Januar 1941, mit original Unterschrift "Vizeadmiral und Admiral der norwegischen Westküste.
Obersteuermannszeugnis, datiert Gotenhafen, 5. September 1942.
Verleihungsurkunde zum Flott-Kriegsabzeichen auf Kreuzer "Königsberg", ausgestellt als Obersteuermann, 22. Januar 1943, mit original Unterschrift "Litzmann" Konteradmiral und Befehlshaber ds Ausbildungsverbandes der Flotte.
Ehrennadel des Tigerverbandes 1940, Buntmetall versilbert, Höhe 9 mm, dazu die Verleihungsurkunde ausgestellt als Obersteuermann (undatiert, jedoch nach 1943).
Dienstzeitbescheinigung, ausgestellt am 1. August 1947 vom Naval Document Centre British Naval Headquarters.
Entlassungszeugnis vom Prisoners of War Information Bureau über seine einwandfreie Tätigkeit als Kriegsgefangener und Angestellter., datiert 12.4.1948. Dazu eine weitere Bestätigung.
Entlassungsurkunde aus der englischen Kriegsgefangenschaft, datiert 1948.
501517
€ 1.550,00

Kriegsmarine Urkundengruppe des Obersteuermann Georg Dittmar, Kreuzer Königsberg, danach Küstensicherungsverband Norwegische Westküste mit Ehrennadel des Tigerverbandes 1940

Die vorliegende Urkundengruppe dokumentiert die bemerkenswerte militärische Laufbahn des Obersteuermanns Georg Dittmar von 1928 bis 1948, die einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der deutschen Kriegsmarine während der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und der unmittelbaren Nachkriegszeit bietet.

Georg Dittmars Karriere begann 1928 mit seiner Verpflichtung für zwölf Dienstjahre bei der Reichsmarine, der deutschen Marine der Weimarer Republik, die nach dem Ersten Weltkrieg durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages stark eingeschränkt war. Die Reichsmarine durfte nur 15.000 Mann umfassen, und die Verpflichtung auf lange Dienstzeiten war charakteristisch für diese professionelle Freiwilligenarmee. Der Dienst auf dem Linienschiff “Schleswig-Holstein” dokumentiert seine Zugehörigkeit zu einem der bedeutendsten Schiffe der damaligen deutschen Flotte, einem Pre-Dreadnought-Schlachtschiff der Deutschland-Klasse.

Die Verleihung der Dienstauszeichnung IV. Klasse im Jahr 1936 als Obermatrosengefreiter der I. Marineunteroffizierlehrabteilung in Kiel belegt seine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb der nun in Kriegsmarine umbenannten deutschen Marine. Die Dienstauszeichnungen der Wehrmacht waren gestaffelte Anerkennungen für langjährige treue Pflichterfüllung.

Besondere historische Bedeutung hat die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, die sogenannte Sudetenland-Medaille. Diese wurde an alle Angehörigen der Wehrmacht verliehen, die an der Besetzung des Sudetenlandes beteiligt waren. Dittmar diente zu diesem Zeitpunkt auf dem Kreuzer “Königsberg”, einem leichten Kreuzer der Königsberg-Klasse, der eine wichtige Rolle in der frühen Kriegsmarine spielte.

Die “Königsberg” hatte ein tragisches Schicksal: Sie wurde am 10. April 1940 während der Operation Weserübung, der deutschen Invasion Norwegens, im Hafen von Bergen durch britische Sturzkampfbomber versenkt – sie war damit das erste größere Kriegsschiff, das im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriff versenkt wurde. Dies erklärt Dittmars anschließende Versetzung zum Küstensicherungsverband Norwegische Westküste.

Die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse am 13. Juni 1940 mit der Originalunterschrift von Admiral Wilhelm Marschall, der als Flottenchef während der Norwegen-Operation diente, ist ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument. Das Eiserne Kreuz war die wichtigste deutsche Tapferkeitsauszeichnung und wurde für herausragende Leistungen im Kampf verliehen.

Besonders bemerkenswert ist das Besitzzeugnis über das Eiserne Kreuz I. Klasse vom 23. Dezember 1940, das mit einem erbeuteten norwegischen Datumsstempel versehen wurde – ein authentisches Detail, das die improvisierten Verhältnisse der deutschen Besatzungstruppen in Norwegen illustriert. Die Verleihung beider Klassen des Eisernen Kreuzes innerhalb weniger Monate zeugt von außergewöhnlichen Leistungen während der Kampfhandlungen.

Das Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Boots-Jagd- und Sicherungsverbände, verliehen in Bergen am 17. Januar 1941, dokumentiert Dittmars gefährlichen Dienst in einem der verlustreichsten Bereiche des Seekrieges. Die Minensuchboote und Sicherungsverbände erlitten überproportional hohe Verluste und ihr Dienst erforderte besonderen Mut.

Die Beförderung zum Obersteuermann 1942 in Gotenhafen (heute Gdynia, Polen) zeigt seinen Aufstieg in eine spezialisierte Unteroffiziersposition. Steuermänner waren für die Navigation verantwortlich und bildeten das Rückgrat der seemännischen Führung auf deutschen Kriegsschiffen.

Das Flotten-Kriegsabzeichen, verliehen 1943 durch Konteradmiral Litzmann, war eine Auszeichnung für Besatzungen von Überwasserschiffen, die an Kampfeinsätzen teilgenommen hatten. Die späte Verleihung für seinen Dienst auf der “Königsberg” erfolgte wahrscheinlich nachträglich während seiner Tätigkeit beim Ausbildungsverband der Flotte.

Die Ehrennadel des Tigerverbandes 1940 ist eine seltene Verbandsauszeichnung, die vermutlich im Zusammenhang mit den Operationen an der norwegischen Küste steht. Solche Verbandsabzeichen waren inoffizielle Auszeichnungen, die innerhalb spezifischer militärischer Einheiten verliehen wurden und heute von erheblichem sammlungshistorischem Interesse sind.

Die Dokumentengruppe endet mit Papieren aus der britischen Kriegsgefangenschaft. Die Bescheinigungen des Naval Document Centre und des Prisoners of War Information Bureau von 1947-1948 belegen Dittmars “einwandfreie Tätigkeit” als Kriegsgefangener und Angestellter – ein wichtiges Zeugnis für die Nachkriegszeit und die allmähliche Reintegration ehemaliger Wehrmachtsangehöriger.

Diese Urkundensammlung ist ein außergewöhnliches zeitgeschichtliches Ensemble, das nicht nur die militärische Karriere eines einzelnen Marinesoldaten dokumentiert, sondern auch wichtige Kapitel der deutschen Marinegeschichte vom Ende der Weimarer Republik über die dramatischen Seekriegsereignisse des Zweiten Weltkrieges bis zur Kriegsgefangenschaft und Nachkriegszeit widerspiegelt.