Kriegsmarine nichttragbare Auszeichnungsplakette "Standort-Segel-Wettfahrten 2. Preis"

Bronzierte Plakette aus Stahlblech, Höhe 70 mm, Gravur der Segelwettfahrt "Mürwik 9. F.S.W. 19.9.36.", mit 3 Bohrungen zum Befestigen auf einer Wandplakette. Zustand 2.
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135,00

Kriegsmarine nichttragbare Auszeichnungsplakette "Standort-Segel-Wettfahrten 2. Preis"

Die vorliegende Kriegsmarine-Auszeichnungsplakette für den zweiten Preis bei Standort-Segelwettfahrten repräsentiert einen wichtigen, aber oft übersehenen Aspekt des militärischen Lebens in der deutschen Marine während der 1930er Jahre. Diese bronzierte Stahlblechplakette wurde anlässlich der Segelwettfahrten in Mürwik am 19. September 1936 verliehen und dokumentiert die Bedeutung sportlicher Aktivitäten innerhalb der Kriegsmarine.

Mürwik und die Marineschule

Mürwik, ein Stadtteil von Flensburg an der Ostsee gelegen, beherbergte die Marineschule Mürwik, die wichtigste Ausbildungsstätte für Seeoffiziere der Kriegsmarine. Die 1910 im Stil einer Ordensburg errichtete Einrichtung diente als Herzstück der Offiziersausbildung und prägte Generationen von deutschen Marineoffizieren. Die strategische Lage an der Flensburger Förde bot ideale Bedingungen für praktische Segelausbildung und maritime Wettkämpfe.

Segelausbildung in der Kriegsmarine

Das Segeln hatte in der deutschen Marinetradition einen besonderen Stellenwert, der weit über reine sportliche Betätigung hinausging. Die Segelausbildung galt als fundamentales Element der Offiziersausbildung und diente mehreren wichtigen Zwecken: Sie vermittelte nautische Grundkenntnisse, schulte das Verständnis für Wind, Wetter und Gezeiten, förderte Führungsqualitäten und Teamgeist, und stärkte das Traditionsbewusstsein der Marine.

In den 1930er Jahren, nach der Phase der Einschränkungen durch den Versailler Vertrag, erlebte die Kriegsmarine einen Wiederaufbau. Das Deutsch-Britische Flottenabkommen von 1935 erlaubte Deutschland den Ausbau seiner Seestreitkräfte, was mit einer Intensivierung der Ausbildung und des militärischen Lebens einherging. Sportliche Wettkämpfe, insbesondere Segelregatten, gewannen in diesem Kontext an Bedeutung.

Organisation der Segelwettfahrten

Die Abkürzung “F.S.W.” auf der Plakette steht wahrscheinlich für “Flensburger Segelwoche” oder eine ähnliche Bezeichnung für organisierte Segelwettfahrten. Die Zahl “9.” deutet auf die neunte Veranstaltung dieser Art hin, was auf eine etablierte Tradition regelmäßiger Wettbewerbe schließen lässt. Solche Veranstaltungen wurden typischerweise auf Standortebene organisiert und umfassten verschiedene Bootsklassen und Wettkampfformate.

Die Wettkämpfe dienten nicht nur der sportlichen Ertüchtigung, sondern auch der Kameradschaftspflege und der Identifikation mit der militärischen Einheit. Sie boten zudem Gelegenheit zur Demonstration seemännischen Könnens vor Vorgesetzten und Kameraden.

Form und Funktion der Auszeichnung

Die Plakette selbst ist charakteristisch für nicht-tragbare Auszeichnungen der Zeit. Mit einer Höhe von 70 mm und drei Befestigungslöchern war sie zur dauerhaften Montage auf einer Wandplakette oder einem Erinnerungsbrett konzipiert. Die Bronzierung des Stahlblechs war eine kostengünstige Methode, um den Eindruck wertvolleren Materials zu erzeugen – eine gängige Praxis bei sportlichen Auszeichnungen dieser Zeit.

Die individuelle Gravur mit Veranstaltungsort, Bezeichnung und Datum machte jede Plakette zu einem einzigartigen Erinnerungsstück. Im Gegensatz zu tragbaren Orden und Ehrenzeichen, die strengen Regulierungen unterlagen, hatten solche Auszeichnungen einen eher informellen Charakter und dokumentierten persönliche Leistungen im militärischen Alltag.

Historischer Kontext 1936

Das Jahr 1936 markierte einen wichtigen Punkt in der deutschen Geschichte. Die Olympischen Spiele in Berlin wurden zur Propagandaschau, die Remilitarisierung des Rheinlands demonstrierte wachsende Selbstsicherheit. In der Kriegsmarine liefen die Vorbereitungen für den massiven Flottenausbau, der später im Z-Plan von 1939 formalisiert werden sollte. Segelwettfahrten wie die in Mürwik fügten sich in das Bild einer Marine ein, die ihre Traditionen pflegte, während sie sich modernisierte.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Auszeichnungsplaketten wichtige Zeitdokumente. Sie illustrieren Aspekte des militärischen Alltags, die in offiziellen Dokumenten selten erfasst wurden. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die Organisationsstrukturen, sportlichen Aktivitäten und das soziale Leben innerhalb der Streitkräfte. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin, was die historische und materielle Aussagekraft der Plakette unterstreicht.