Sachsen Weimar Eisenach Ehrenzeichen für Frauenverdienst im Kriege, 1915

Zink versilbert, an Bandschleife.
Dieses Ehrenzeichen wurde anläßlich der Jahrhundertfeier des Bestehens des sachsen-weimarer Frauenvereins gestiftet. Verliehen wurde es für Verdienste in der Kriegsfürsorge und für besondere Opferwilligkeit und hervorragende Leistungen. Der Entwurf stammt von Prof.Römer aus München.
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Das Ehrenzeichen für Frauenverdienst im Kriege – Sachsen-Weimar-Eisenach, 1915

Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die während des Ersten Weltkriegs von den deutschen Bundesstaaten gestiftet wurden, nimmt das Ehrenzeichen für Frauenverdienst im Kriege des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach eine besondere Stellung ein. Es verbindet die Erinnerung an eine bedeutende Tradition der Frauenfürsorge mit der Anerkennung weiblicher Leistungen an der Heimatfront während des Krieges. Diese Dekoration ist nicht nur ein Zeugnis der Opferbereitschaft und des Engagements von Frauen in der Kriegswohlfahrt, sondern auch ein faszinierendes Sammlerstück, das die Geschichte eines kleinen, aber kulturell bedeutsamen deutschen Fürstentums widerspiegelt.

Stiftung und historischer Hintergrund

Am 15. August 1915 stifteten Großherzog Wilhelm Ernst und Großherzogin Feodora von Sachsen-Weimar-Eisenach dieses Ehrenzeichen anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung des Sachsen-Weimarer Frauenvereins. Dieser Verein war im Jahr 1815 unter der Schirmherrschaft von Großherzogin Maria Pavlovna (1786–1859) ins Leben gerufen worden. Maria Pavlovna, eine russische Großfürstin und Tochter von Zar Paul I., hatte 1804 in das Haus Sachsen-Weimar eingeheiratet und war für ihre umfangreiche karitative und sozialpolitische Arbeit weithin bekannt. Die Stiftung des Ehrenzeichens ehrte somit gleichermaßen das hundertjährige Bestehen dieser bedeutenden Frauenorganisation und die zeitgenössischen Kriegsleistungen von Frauen.

Großherzog Wilhelm Ernst, der von 1901 bis 1918 regierte, stiftete während des Krieges mehrere Auszeichnungen, darunter auch das Wilhelm-Ernst-Kriegskreuz (1915). Die Einbeziehung von Großherzogin Feodora (1890–1972), die 1910 Wilhelm Ernst geheiratet hatte, in die Stiftungsurkunde spiegelte deren Rolle als Schirmherrin des Patriotischen Instituts der Frauenvereine und als Vorsitzende des Frauenvereins des Roten Kreuzes wider.

Verleihungskriterien und Bedeutung

Das Ehrenzeichen wurde an Frauen verliehen, die sich durch Verdienste in der Kriegsfürsorge, durch besondere Opferwilligkeit und durch hervorragende Leistungen während des Ersten Weltkriegs ausgezeichnet hatten. Es existierte in nur einer einzigen Klasse, ohne weitere Abstufungen oder Varianten. Die Auszeichnung erkannte damit die vielfältigen Beiträge von Frauen an der Heimatfront an – von der Verwundetenpflege über die Versorgung von Kriegerfamilien bis hin zur Organisation der Kriegswohlfahrt.

Die Verleihungen erfolgten im Jahr 1918, also in der Schlussphase des Krieges, was die Dekoration zu einem der späteren Zeugnisse der großherzoglichen Anerkennungspolitik macht.

Gestaltung und Material

Der Entwurf des Ehrenzeichens stammt von Professor Georg Römer aus München, einem Bildhauer und Medailleur. Die Auszeichnung hat die Form einer ovalen Medaille ohne Rand, mit einer integrierten dekorativen Öse am oberen Ende zur Aufhängung durch einen länglichen Bandring.

Die Vorderseite zeigt die erhabenen, nach rechts blickenden Profile von Großherzogin Maria Pavlovna und Großherzogin Feodora, umgeben von der Inschrift “GROSSHERZOGINNEN V. SACHSEN – FEODORA – MCMXV – MARIA PAVLOWNA – MDCCCXV”. Die Jahreszahlen 1815 und 1915 verweisen auf die Gründung des Frauenvereins und das Stiftungsjahr des Ehrenzeichens.

Die Rückseite zeigt die verschlungenen Monogramme E-W-F (für Ernst, Wilhelm und Feodora) unter einer Krone, darunter das Datum “XV AVGVST MCMXV” sowie die umlaufende Inschrift “FRAUEN VERDIENST IM KRIEGE”.

Ursprünglich war die Herstellung in Silber vorgesehen. Aufgrund der kriegsbedingten Materialknappheit wurde das Ehrenzeichen jedoch aus versilbertem Zink (Kriegsmetall) gefertigt – ein typisches Zeichen der Zeit, das bei zahlreichen Auszeichnungen des Ersten Weltkriegs zu beobachten ist. Das vorliegende Stück wird an einer Bandschleife getragen. Das Band ist rot mit grün-weißen Streifen an den Rändern.

Das Ende des Großherzogtums und die Nachgeschichte

Die Verleihung des Ehrenzeichens endete mit der Abdankung von Großherzog Wilhelm Ernst am 9. November 1918 und dem damit verbundenen Ende des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Der Staat wurde zunächst in den Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach umgewandelt und ging 1920 im Land Thüringen auf. Mit dem Ende der Monarchie verlor auch das Ehrenzeichen seine Funktion als offizielle Auszeichnung.

Heute ist das Ehrenzeichen für Frauenverdienst im Kriege ein geschätztes Sammlerstück, das in der Fachliteratur unter der OEK-Katalognummer 2418 geführt wird. Es dokumentiert ein wichtiges Kapitel der deutschen Sozialgeschichte: die Anerkennung weiblicher Leistungen in einer Zeit, in der Frauen durch ihren unermüdlichen Einsatz in der Kriegsfürsorge eine tragende Rolle für die Gesellschaft übernahmen. Als Objekt vereint es dynastische Tradition, kriegszeitliche Improvisation in der Materialwahl und die Würdigung eines Engagements, das allzu oft im Schatten der militärischen Ereignisse stand.