1. Weltkrieg Erkennungsmarke «B.E.B. 80 Matth. Kirsch»

Zink. Breite ca. 6.5 cm. Zustand 2.



500818
60,00

1. Weltkrieg Erkennungsmarke «B.E.B. 80 Matth. Kirsch»

Die vorliegende Erkennungsmarke aus dem Ersten Weltkrieg mit der Aufschrift “B.E.B. 80 Matth. Kirsch” ist ein authentisches Zeugnis der militärischen Identifikationssysteme, die während des Großen Krieges von 1914 bis 1918 verwendet wurden. Diese aus Zink gefertigte Marke mit einer Breite von etwa 6,5 cm repräsentiert einen wichtigen Aspekt der Militärverwaltung und der Fürsorge für gefallene Soldaten.

Das Erkennungsmarkensystem wurde in der deutschen Armee bereits vor dem Ersten Weltkrieg eingeführt. Die preußische Armee hatte 1869 ein erstes System etabliert, das im Laufe der folgenden Jahrzehnte mehrfach reformiert wurde. Die endgültige Form, wie sie im Ersten Weltkrieg verwendet wurde, entstand durch die Allerhöchste Kabinetts-Order vom Dezember 1916, welche die Ausgabe von zweiteiligen Erkennungsmarken an alle Soldaten vorschrieb.

Die Abkürzung “B.E.B.” steht höchstwahrscheinlich für Badisches Ersatz-Bataillon. Das Königreich Baden war einer der deutschen Bundesstaaten, der eigene militärische Kontingente zur kaiserlichen Armee beisteuerte. Die badischen Truppen bildeten das XIV. Armeekorps mit Sitz in Karlsruhe. Ersatz-Bataillone hatten die wichtige Aufgabe, neue Rekruten auszubilden und als Ersatz für die Verluste an der Front zu dienen. Die Nummer “80” könnte auf eine spezifische Einheit oder Kompanie hinweisen.

Der Name “Matth. Kirsch” (eine Abkürzung für Matthias oder Matthäus Kirsch) identifiziert den Träger dieser Marke. In einer Zeit, in der Millionen Soldaten mobilisiert wurden und die Kriegsschauplätze sich von Flandern bis nach Galizien erstreckten, waren solche Erkennungsmarken oft das einzige Mittel, gefallene Soldaten zu identifizieren und ihren Familien Gewissheit über ihr Schicksal zu geben.

Die Herstellung aus Zink war typisch für deutsche Erkennungsmarken des Ersten Weltkriegs. Dieses Material war kostengünstig, leicht zu bearbeiten und ausreichend korrosionsbeständig. Im Gegensatz zu anderen Armeen, die verschiedene Materialien verwendeten, setzte Deutschland hauptsächlich auf Zink und Aluminium. Die ovale oder rechteckige Form mit abgerundeten Ecken war standardisiert, wobei die Größe je nach Herstellungsperiode und produzierender Einheit leicht variieren konnte.

Die zweiteilige Konstruktion der deutschen Erkennungsmarken war besonders praktisch konzipiert. Die Marke besaß in der Mitte eine Sollbruchstelle, oft in Form von Perforationen. Im Todesfall eines Soldaten wurde die Marke geteilt: Eine Hälfte verblieb am Körper des Gefallenen, die andere wurde für administrative Zwecke abgenommen und zur Meldung verwendet. Dieses System ermöglichte eine effiziente Dokumentation und gleichzeitig die spätere Identifikation bei Umbettungen oder Exhumierungen.

Die Prägung der Erkennungsmarken erfolgte meist in den Garnisonen oder bei spezialisierten militärischen Werkstätten. Die Buchstaben und Zahlen wurden in das weiche Zink eingeprägt, wobei verschiedene Schrifttypen und Prägetechniken zum Einsatz kamen. Die Qualität der Prägung variierte erheblich, abhängig von den verfügbaren Werkzeugen und der Dringlichkeit der Produktion, besonders in den späteren Kriegsjahren, als die materielle Situation in Deutschland zunehmend angespannt war.

Für Historiker und Sammler sind solche Erkennungsmarken von unschätzbarem Wert. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Militäreinheiten, die Nachverfolgung individueller Kriegsschicksale und bieten Einblicke in die Organisation der kaiserlichen Armee. Archive wie das Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg bewahren umfangreiche Unterlagen über die militärischen Einheiten des Ersten Weltkriegs auf, die es manchmal ermöglichen, die Träger solcher Marken zu identifizieren und ihre Kriegswege nachzuzeichnen.

Der Erhaltungszustand dieser Marke wird mit “Zustand 2” angegeben, was auf eine gut erhaltene Marke mit geringen Gebrauchsspuren hindeutet. Über hundert Jahre nach ihrer Herstellung ist die Lesbarkeit der Prägung bemerkenswert, was die Qualität des verwendeten Materials und der Herstellungstechnik unterstreicht.

Im größeren Kontext des Ersten Weltkriegs repräsentieren Erkennungsmarken die Industrialisierung des Krieges und die Notwendigkeit, mit Massenheeren umzugehen. Der Erste Weltkrieg forderte etwa 2 Millionen deutsche Soldaten das Leben, und Hunderttausende blieben vermisst. Die systematische Identifikation war nicht nur eine administrative Notwendigkeit, sondern auch ein Akt der Menschlichkeit gegenüber den Gefallenen und ihren Hinterbliebenen.

Heute sind solche Erkennungsmarken wichtige museale Objekte und Erinnerungsstücke, die in militärhistorischen Sammlungen weltweit bewahrt werden. Sie erinnern an die individuellen Schicksale hinter den abstrakten Zahlen der Kriegsstatistiken und mahnen zur Erinnerung an die Schrecken des Krieges.