Elastolin - Heer 2 Klarinettenbläser marschierend
Die vorliegenden Elastolin-Figuren von zwei marschierenden Klarinettenbläsern des Heeres stellen ein bemerkenswertes Beispiel für die deutsche Spielzeugproduktion der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Mit einer Höhe von 7 cm gehören diese Figuren zur klassischen Standardgröße der Elastolin-Militärfiguren, die von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden.
Die Firma Hausser begann um 1904 mit der Produktion von Spielzeugsoldaten und entwickelte das patentierte Material Elastolin, eine Masse aus Leim, Kreide, Kasein, Glycerin und weiteren Zutaten, die um einen Drahtkern modelliert wurde. Dieses Material erwies sich als widerstandsfähiger als die bis dahin üblichen Zinnfiguren und ermöglichte eine detailliertere Gestaltung der Figuren. Die Produktion erreichte ihren Höhepunkt in den 1930er Jahren, als Elastolin-Figuren zu den beliebtesten Spielzeugsoldaten in Deutschland und darüber hinaus zählten.
Die dargestellten Klarinettenbläser repräsentieren einen wichtigen Bestandteil der militärischen Tradition: die Militärmusik. In der Wehrmacht und bereits in der Reichswehr der Weimarer Republik spielten Militärkapellen eine bedeutende Rolle bei Paraden, Aufmärschen und zeremoniellen Anlässen. Die Klarinette war dabei ein Standardinstrument in der Besetzung der Infanterie-Musikkorps.
Die Heeresdienstvorschrift H.Dv. 102 regelte die Organisation und Ausbildung der Musikkorps in der Wehrmacht. Ein typisches Infanterie-Musikkorps bestand aus etwa 30 bis 40 Musikern und umfasste verschiedene Holz- und Blechblasinstrumente sowie Schlaginstrumente. Die Klarinette, meist in B-Stimmung, bildete zusammen mit Flöten und Oboen die Holzbläsergruppe und war für die melodieführenden Stimmen in der mittleren Tonlage verantwortlich.
Die Uniformierung der Musiker entsprach grundsätzlich der ihrer jeweiligen Truppengattung, wobei besondere Kennzeichnungen wie Schwalbennester (Flügelärmel) oder spezielle Tressen auf die Zugehörigkeit zum Musikkorps hinweisen konnten. Die marschierende Haltung der Figuren deutet auf ihren Einsatz bei Paraden und Aufmärschen hin, wo die Musikkorps in Formation spielend marschierten.
Aus sammlerhistorischer Perspektive sind Elastolin-Figuren heute hochgeschätzte Objekte der Militaria- und Spielzeuggeschichte. Der angegebene Zustand 2 nach der gängigen Sammlerskala (1 = neuwertig bis 5 = stark beschädigt) bedeutet, dass die Figuren gut erhalten sind, möglicherweise mit leichten Gebrauchsspuren oder minimalen Farbabplatzerungen, aber ohne wesentliche Beschädigungen.
Die Produktion von Elastolin-Figuren wurde während des Zweiten Weltkriegs zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe und Produktionskapazitäten für kriegswichtige Güter benötigt wurden. Nach 1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen, doch veränderten sich die Themen und die öffentliche Wahrnehmung militärischer Spielzeuge grundlegend. Die Firma stellte die Herstellung von Elastolin-Figuren schließlich in den 1980er Jahren ein.
Heute dokumentieren solche Figuren nicht nur die Geschichte des Spielzeugs, sondern auch die militärischen Traditionen, die Uniformkunde und die Alltagskultur ihrer Entstehungszeit. Sie sind Zeugnisse einer Epoche, in der militärische Symbolik und Ästhetik einen festen Platz im öffentlichen Leben und in der Erziehung einnahmen.