Wehrpaß und Soldbuch für einen späteren Feldbäcker im Gren.Erst.Btl.376  

entnazifizierter Wehrpaßumschlag, ausgestellt in Paderborn am 4.6.1940, mit Foto,  Einstellung bei: Verw.Tr.Ers.Abt.2 1.Komp. München, weitere Einheiten: Bäckerei-Komp.e(mot) 33, Verw.tr.Ers.Abt.1, Gen.Komp. Bäckerkomp 225, 6./Gren.Rgt.376, Gren.Ers.Bt.376, letzte Beförderung am 1.2.1944 zum Obergefreiten. Orden und Auszeichnung: Ärmelband Afrika, Infanterie Sturmabzeichen in Silber, Kriegsverdienstkreuz 2.Klasse mit Schwertern, EK.2.Klasse, Verwundeten Abzeichen in Schwarz. Mitgemachte Gefechte: Überführung nach Nordafrika, Heeresgruppe Nord, unter anderem, Leningrad, Demjansk, Ladogasee, Baltikum. Gebrauchter Zustand.
Dazu das Soldbuch (entnazifiziert), mit Foto, Auszeichnungen wie im Wehrpaß angegeben und zusätzlich mit der Italienischen Afrika Feldzugsmedaille, Seiten 5 bis 20 sind lose, Seiten 8 bis 16 eingerissen, alle Dienststempel entnazifiziert, stark gebrauchter Zustand.
Dabei ein Auszug aus seiner Kriegsstammrollennummer, hier fehlen die Einträge zum Ärmelband sowie zur Italienischen Afrika Feldzugsmedaille, mehrfach gefaltet. 
2 Blätter für die Einträge der Kampftage für das Infanterie Sturmabzeichen in Silber. Zuletzt noch der Antrag zur Verleihung des Infanterie Sturmabzeichen in Silber.
   
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900,00

Wehrpaß und Soldbuch für einen späteren Feldbäcker im Gren.Erst.Btl.376  

Die vorliegenden Dokumente – ein Wehrpass und ein Soldbuch – dokumentieren den Militärdienst eines deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs, der als Feldbäcker in verschiedenen Einheiten diente und schließlich dem Grenadier-Ersatz-Bataillon 376 angehörte. Diese Papiere bieten einen einzigartigen Einblick in das Leben eines gewöhnlichen Soldaten, der sowohl an der Ostfront als auch im nordafrikanischen Feldzug eingesetzt wurde.

Der Wehrpass, ausgestellt am 4. Juni 1940 in Paderborn, war eines der wichtigsten Dokumente eines jeden deutschen Wehrpflichtigen. Er diente als umfassende Aufzeichnung der militärischen Laufbahn und enthielt persönliche Daten, physische Merkmale, militärische Ausbildung, Dienstgrade und Einsätze. Die ursprüngliche Einstellung erfolgte bei der Verwaltungstruppen-Ersatz-Abteilung 2, 1. Kompanie in München, was auf eine administrative oder logistische Funktion hindeutet.

Besonders bemerkenswert ist die vielfältige Einsatzgeschichte des Soldaten. Seine Karriere begann in Verwaltungs- und Versorgungseinheiten, insbesondere in Bäckerei-Kompanien. Diese Einheiten waren für die Wehrmacht von entscheidender Bedeutung, da sie die Versorgung der Truppen mit frischem Brot sicherstellten – ein Grundnahrungsmittel, das für die Moral und Kampfkraft der Soldaten unerlässlich war. Die Bäckerei-Kompanie (mot) 33 und die Bäckerei-Kompanie 225 waren motorisierte Einheiten, die mit der Front mitziehen konnten.

Der Soldat wurde am 1. Februar 1944 zum Obergefreiten befördert, dem dritthöchsten Mannschaftsdienstgrad der Wehrmacht. Diese Beförderung nach mehreren Dienstjahren und zahlreichen Kampfeinsätzen spiegelt seine Erfahrung und Zuverlässigkeit wider.

Die verliehenen Auszeichnungen erzählen die Geschichte intensiver Kampferfahrung auf mehreren Kriegsschauplätzen. Das Ärmelband Afrika wurde an Angehörige des Deutschen Afrikakorps und anderer in Nordafrika eingesetzter Einheiten verliehen. Die Überführung nach Nordafrika, wie in den Dokumenten vermerkt, deutet auf einen Einsatz im Jahr 1941 oder 1942 hin, als deutsche Truppen in Libyen und Ägypten kämpften.

Das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber war eine bedeutende Auszeichnung, die erst nach Teilnahme an drei verschiedenen Angriffen an drei verschiedenen Tagen oder nach Verwundung während eines Angriffs verliehen wurde. Die beigefügten Blätter für die Eintragung der Kampftage und der Verleihungsantrag dokumentieren den formalen Prozess dieser Auszeichnung, die durch die Heeresverordnung vom 20. Dezember 1939 gestiftet wurde.

Das Eiserne Kreuz 2. Klasse war eine der bekanntesten deutschen Militärauszeichnungen und wurde für besondere Tapferkeit oder Führungsleistung im Gefecht verliehen. Das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern würdigte militärische Verdienste, die nicht unmittelbar im Kampf erbracht wurden – passend für jemanden in einer Versorgungseinheit, die dennoch Gefechtssituationen ausgesetzt war.

Das Verwundetenabzeichen in Schwarz wurde für eine oder zwei Verwundungen verliehen und bezeugt, dass der Soldat im Kampf verletzt wurde. Die Italienische Afrika-Feldzugsmedaille, die nur im Soldbuch vermerkt ist, wurde vom italienischen Verbündeten an deutsche Soldaten verliehen, die in Nordafrika gekämpft hatten.

Die dokumentierten Gefechte zeigen eine bemerkenswerte geografische Spannweite. Nach dem Nordafrika-Einsatz wurde der Soldat an die Ostfront zur Heeresgruppe Nord verlegt. Die genannten Orte – Leningrad, Demjansk, Ladogasee und Baltikum – waren Schauplätze erbitterter Kämpfe. Die Belagerung von Leningrad (1941-1944) war eine der längsten und tödlichsten Belagerungen der Geschichte. Der Kessel von Demjansk (Februar-April 1942) war eine bedeutende Einkesselungsschlacht, bei der deutsche Truppen monatelang eingeschlossen waren.

Die Zuordnung zur 6. Kompanie des Grenadier-Regiments 376 und später zum Grenadier-Ersatz-Bataillon 376 zeigt den Übergang von Versorgungsdiensten zu einer Infanterieeinheit. Die 376. Infanterie-Division war von 1942 bis 1945 hauptsächlich an der Ostfront eingesetzt.

Die Entnazifizierung beider Dokumente – die Entfernung von Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen aus Stempeln und Siegeln – ist typisch für die Nachkriegszeit. Viele Veteranen ließen ihre Dokumente entnazifizieren, um sie ohne politische Implikationen aufbewahren zu können.

Der beschriebene Zustand der Dokumente – gebraucht, teilweise lose oder eingerissene Seiten – unterstreicht ihre Authentizität und die harten Bedingungen, unter denen sie geführt wurden. Die beigefügte Kriegsstammrolle ergänzt die offiziellen militärischen Aufzeichnungen, obwohl einige Eintragungen fehlen, was auf die chaotischen Verhältnisse gegen Kriegsende hindeutet.

Diese Dokumentensammlung ist ein wertvolles historisches Zeugnis, das nicht nur die militärische Laufbahn eines einzelnen Soldaten dokumentiert, sondern auch Einblicke in die Struktur, Organisation und das Auszeichnungssystem der Wehrmacht bietet. Sie erinnert an die zahllosen gewöhnlichen Soldaten, die in verschiedenen Funktionen – auch in oft übersehenen Versorgungsrollen – den Krieg erlebten und überlebten.

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