Ehrenkreuz der Deutschen Mutter in Silber
Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, auch bekannt als Mutterkreuz, war eine staatliche Auszeichnung im nationalsozialistischen Deutschland, die am 16. Dezember 1938 durch Adolf Hitler gestiftet wurde. Diese Dekoration wurde Müttern verliehen, die durch Kinderreichtum zur “Vermehrung des deutschen Volkes” beigetragen hatten und sollte die bevölkerungspolitischen Ziele des NS-Regimes fördern.
Die Auszeichnung wurde in drei Stufen verliehen: in Bronze für vier oder fünf Kinder, in Silber für sechs oder sieben Kinder und in Gold für acht oder mehr Kinder. Die hier beschriebene Miniatur zeigt das Ehrenkreuz in Silber, das somit Müttern mit sechs oder sieben Kindern zustand. Die erste Verleihung fand symbolträchtig am Muttertag 1939 statt, und die Auszeichnung wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verliehen.
Das Kreuz selbst trägt auf der Vorderseite die Inschrift “Der Deutschen Mutter” sowie das Datum “16. Dezember 1938”. Die Rückseite zeigt die Worte “Das Kind adelt die Mutter” umrahmt von einem Hakenkreuz. Das Design stammte vom Münchner Künstler Franz Beyer.
Die Verleihung unterlag strengen Voraussetzungen. Neben der erforderlichen Kinderzahl mussten die Mütter “erbgesund” und “würdig” sein. Die Kinder sollten lebend geboren sein, wobei auch gefallene oder verstorbene Kinder unter bestimmten Umständen angerechnet wurden. Die rassistischen und eugenischen Grundlagen des NS-Regimes spiegelten sich in den Vergabekriterien wider: Jüdische und als “erbkrank” eingestufte Frauen waren von der Verleihung ausgeschlossen.
Das vorliegende Objekt ist eine Miniatur, die an einer Bandschleife mit Tragenadel gefertigt ist. Miniaturen waren kleinere Versionen der Auszeichnungen, die zu besonderen Anlässen oder in ziviler Kleidung getragen wurden. Die Tatsache, dass sich die Miniatur in einem LDO-Schächtelchen befindet, ist von besonderer Bedeutung. Die Abkürzung LDO steht für “Leistungsgemeinschaft der Deutschen Ordenshersteller”, eine Organisation, die 1941 gegründet wurde, um die Herstellung von Orden und Ehrenzeichen zu regulieren und zu standardisieren.
Der handschriftliche Preis von “RM 2,34” (Reichsmark) im Inneren des Schächtelchens gibt einen interessanten Einblick in die kommerzielle Seite dieser Auszeichnungen. Während die Orden selbst vom Staat verliehen wurden, mussten Miniaturen und Ersatzstücke oft von den Trägern oder deren Familien erworben werden. Der Preis von 2,34 Reichsmark entsprach etwa einem halben Tageslohn eines durchschnittlichen Arbeiters in der damaligen Zeit.
Der Zustand “ungetragen” und die Bewertung “Zustand 2+” deuten darauf hin, dass diese Miniatur nie verwendet wurde und sich in nahezu neuwertigem Zustand befindet. Dies wirft Fragen über ihre Geschichte auf: Wurde sie gekauft, aber nie getragen? War sie als Ersatz gedacht? Oder wurde sie nach dem Krieg bewusst nicht mehr verwendet?
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter von den Alliierten verboten. Das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 der Bundesrepublik Deutschland erlaubte jedoch das Tragen in einer “entnazifizierten” Form, bei der das Hakenkreuz durch einen Rosenkranz oder eine stilisierte Blume ersetzt wurde.
Heute sind diese Auszeichnungen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die die bevölkerungspolitischen und ideologischen Bestrebungen des NS-Regimes verdeutlichen. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, traditionelle Werte wie Mutterschaft für seine rassistischen und expansionistischen Ziele zu instrumentalisieren. Für die historische Forschung sind sie wertvolle Quellen zum Verständnis der Geschlechterrollen, Familienpolitik und Propagandamechanismen im “Dritten Reich”.
Die Existenz von Miniaturen und das komplette Vertriebssystem mit standardisierten Schachteln und Preisauszeichnungen zeigt auch, wie durchorganisiert das System der staatlichen Ehrungen war und wie es sich in den Alltag der Menschen einfügte.