Elastolin - Heer Offizier stehend telefonierend
Die Elastolin-Figur eines stehenden, telefonierenden Heeresoffiziers der Wehrmacht repräsentiert ein faszinierendes Beispiel der deutschen Spielzeug- und Sammlerkultur der 1930er und 1940er Jahre. Mit einer Höhe von 7 cm gehört diese Figur zur klassischen Standardgröße der Elastolin-Militärfiguren, die von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden.
Die Firma Hausser und die Elastolin-Produktion
Die Firma Hausser begann bereits 1904 mit der Produktion von Spielzeugfiguren und entwickelte in den 1920er Jahren das Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Bindemitteln, die über Drahtgerüste modelliert wurde. Dieses Material erwies sich als ideal für die detaillierte Darstellung militärischer Uniformen und Ausrüstungsgegenstände. Bis 1940 produzierte Hausser Tausende verschiedener Modelle, darunter zahlreiche Darstellungen der Wehrmacht in verschiedenen Posen und Funktionen.
Der Offizier mit Feldtelefon: Militärische Realität
Die Darstellung eines telefonierenden Offiziers spiegelt die wichtige Rolle der Fernmeldetruppen und der militärischen Kommunikation in der deutschen Wehrmacht wider. Das Feldtelefon, in der Wehrmacht als Feldfernsprecher bezeichnet, war ein unverzichtbares Kommunikationsmittel an der Front. Die gängigsten Modelle waren der FF 33 (Feldfernsprecher 33) und der spätere FF 38, die ab 1933 bzw. 1938 eingeführt wurden.
Offiziere des Heeres trugen die Verantwortung für die Koordination von Truppenbewegungen, und die Kommunikation über Feldtelefone war essentiell für die Befehlsübermittlung. Die Darstellung dieser Tätigkeit in Spielzeugform unterstreicht die Bedeutung, die der militärischen Organisation und Kommunikation in der damaligen Zeit beigemessen wurde.
Uniformdarstellung und historische Genauigkeit
Elastolin-Figuren waren für ihre relativ genaue Wiedergabe militärischer Uniformen bekannt. Heeresoffiziere der Wehrmacht trugen typischerweise den Waffenrock oder die Feldbluse M36 bzw. spätere Modelle. Die Offiziersuniform unterschied sich von der der Mannschaften durch Details wie die Litze an Kragen und Schulterstücken, die Schirmmütze mit silberner Kordel und den Offiziersgürtel. Die Rangabzeichen wurden an den Schulterklappen getragen und waren nach der Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) genau festgelegt.
Sammlerwert und Zustandsbewertung
Die angegebene Zustandsklasse 2 entspricht im Sammlerbereich einem sehr guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Für Elastolin-Figuren ist dies bemerkenswert, da das Material anfällig für Beschädigungen, Farbabplatzer und Risse war. Faktoren wie die Intaktheit der Bemalung, das Fehlen von Brüchen im Elastolin-Material und die Vollständigkeit eventueller Zubehörteile bestimmen den Wert solcher Figuren erheblich.
Historischer Kontext und Sammlerperspektive
Heute werden Elastolin-Figuren aus verschiedenen Gründen gesammelt: als Zeugnisse der Spielzeuggeschichte, als Dokumente historischer Uniformkunde und als Artefakte einer spezifischen Epoche deutscher Industriegeschichte. Die Firma Hausser stellte nach 1945 zunächst die Produktion von Militärfiguren ein und konzentrierte sich auf zivile Themen. Erst später, unter dem Namen Elastolin/Preiser, wurden wieder historische Figuren produziert, allerdings mit veränderter Ausrichtung.
Die wissenschaftliche Betrachtung solcher Objekte erfolgt heute im Kontext der Material- und Alltagsgeschichte sowie der Militaria-Forschung, wobei stets die kritische historische Einordnung im Vordergrund steht.