Marine-Verwundetenabzeichen in Silber 1918
Das Marine-Verwundetenabzeichen in Silber von 1918 gehört zu den seltensten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Kaiserreichs. Am 24. Juni 1918 durch Allerhöchste Kabinettsorder von Kaiser Wilhelm II. gestiftet, wurde diese Auszeichnung ausschließlich an Angehörige der Kaiserlichen Marine für Verwundungen in Seegefechten verliehen. Die Einführung erfolgte drei Monate nach dem Verwundetenabzeichen des Heeres, das am 3. März 1918 gestiftet worden war, und fiel damit in die letzte Phase des Ersten Weltkriegs.
Die Kaiserliche Marine hatte sich seit der Jahrhundertwende dramatisch entwickelt. Von sieben Schlachtschiffen und 17.000 Mann im Jahr 1897 war sie bis Ende 1913 auf 33 Schlachtschiffe, 13 Großkampfschiffe und 64.500 Mann angewachsen. Während des Krieges wurden 335 U-Boote eingesetzt. Der Seekrieg umfasste sowohl Überwassergefechte wie die Skagerrakschlacht 1916 als auch den ausgedehnten U-Boot-Krieg. In diesem Kontext erkannte das Marine-Verwundetenabzeichen die im Kampf zur See verwundeten Matrosen an.
Das Abzeichen existierte in drei Klassen: Schwarz für ein bis zwei Verwundungen, Silber beziehungsweise Mattweiß für drei bis vier Verwundungen und Gold beziehungsweise Mattgelb für fünf oder mehr Verwundungen. Ab dem 30. Januar 1936 konnten höhere Stufen auch für weniger, aber schwerwiegendere Verwundungen wie Gliedmaßenverlust oder Entstellung verliehen werden. Die silberne Stufe zeichnete somit Marinesoldaten aus, die drei- bis viermal durch feindliche Einwirkung im Kampf verwundet worden waren.
Das ovale Abzeichen wurde hohl geprägt und zeigt eine charakteristische Gestaltung: Eine Ankerkette bildet die Umrandung, das Mittelfeld ist grob gekörnt und wird von einem aufrechten Anker mit zwei darüber gekreuzten Schwertern dominiert. Die Silberklasse wurde aus versilbertem Eisenblech oder aus Buntmetall gefertigt und mit Silberlack überzogen. Das vorliegende Stück besteht aus Buntmetall, ist hohl geprägt und silber lackiert. Die typischen Abmessungen lagen bei 40 bis 46 Millimeter Höhe und 40 bis 45 Millimeter Breite, das Gewicht betrug bei Eisenausführungen etwa 13 Gramm, bei Buntmetall circa 8 Gramm. Auf der Rückseite befand sich eine senkrechte Anstecknadel mit runder Nadel und Gegenhaken. Herstellermarkierungen fehlen in der Regel, da bei Verwundetenabzeichen des Ersten Weltkriegs standardmäßig keine Herstellerkennzeichnungen angebracht wurden.
Neben den offiziellen hohlgeprägten Verleihungsstücken existierten auch massiv gearbeitete Versionen für den privaten Kauf, Miniaturen von etwa 9 Millimeter Größe sowie Schraubscheibenversionen für den kommerziellen Vertrieb. Die Produktion erfolgte während des Krieges 1918, in der Zwischenkriegszeit und auch später als Ersatzstücke oder für nachträgliche Verleihungen.
Das Abzeichen wurde auf der linken unteren Brustseite unterhalb anderer Auszeichnungen getragen und durfte auch zur Zivilkleidung angelegt werden. Verleihungen erfolgten von 1918 bis 1924, wurden ab 1936 für Weltkriegsveteranen wieder aufgenommen, die ihre Abzeichen nie erhalten hatten, und durch eine Verordnung vom 20. April 1939 auch auf ehemalige österreichisch-ungarische Marineangehörige in den angegliederten Gebieten ausgedehnt. Marinesoldaten, die im Zweiten Weltkrieg im Heeresdienst verwundet wurden, erhielten die Anweisung, ihr Abzeichen gegen das Verwundetenabzeichen 1939 umzutauschen.
Nach dem November 1918 und dem Zusammenbruch der Kaiserlichen Marine durfte das Abzeichen weiterhin getragen werden. Die Reichsmarine der Weimarer Republik erlaubte das Tragen von Weltkriegsauszeichnungen. Nach 1945 genehmigte die Bundesrepublik Deutschland 1957 das Tragen entnazifizierter Versionen; die Weltkriegs-Marineabzeichen ohne Hakenkreuz konnten legal weitergetragen werden.
Die Marine-Verwundetenabzeichen gelten grundsätzlich als selten. Das späte Stiftungsdatum im Juni 1918, nur fünf Monate vor dem Waffenstillstand, begrenzte die Verleihungszahlen erheblich im Vergleich zu den Heeresabzeichen. Originale Exemplare der Gold-Stufe sind auf dem Sammlermarkt besonders rar.