Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterstück für einen Oberleutnant im 4. Schlesischen Infanterie-Regiment Nr. 157

Friedensstandort Brieg, um 1915. Weiße Leinen-Tuchunterlage. Getragen, Zustand 2.
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60,00

Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterstück für einen Oberleutnant im 4. Schlesischen Infanterie-Regiment Nr. 157

Das vorliegende Schulterstück eines Oberleutnants des 4. Schlesischen Infanterie-Regiments Nr. 157 repräsentiert ein authentisches Zeugnis der preußischen Militärorganisation während des Ersten Weltkriegs. Diese Rangabzeichen, die paarweise auf den Schultern der Uniformjacken getragen wurden, dienten der unmittelbaren Identifikation des Ranges und der Truppenzugehörigkeit eines Offiziers.

Das Infanterie-Regiment Nr. 157 wurde am 1. Oktober 1897 in Brieg (heute Brzeg, Polen) in der Provinz Schlesien aufgestellt. Als Teil der 35. Division des XVI. Armeekorps war das Regiment tief in der schlesischen Militärtradition verwurzelt. Brieg, eine bedeutende Garnisonsstadt, beherbergte das Regiment bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs und prägte das militärische Leben der Region maßgeblich.

Die Rangbezeichnung Oberleutnant stellte im kaiserlichen Heer den zweiten Offiziersrang dar, zwischen Leutnant und Hauptmann. Oberleutnante hatten in der Regel mehrere Jahre Dienstzeit absolviert und übernahmen wichtige Funktionen als Kompanieoffiziere, Adjutanten oder Spezialisten. Während des Krieges wuchs ihre Bedeutung erheblich, da sie häufig Kompanien oder Züge selbstständig führen mussten, wenn höhere Offiziere ausfielen.

Das hier beschriebene Schulterstück zeigt die charakteristischen Merkmale der Zeit um 1915. Die weiße Leinenunterlage war typisch für Infanterieregimenter und entsprach den Vorschriften der preußischen Armee. Die Waffenfarbe Weiß identifizierte das Regiment eindeutig als Infanterieeinheit, während andere Truppengattungen unterschiedliche Farben trugen: Rot für Artillerie, Gelb für Kavallerie, Schwarz für Pioniere und so weiter.

Die Gestaltung der Schulterstücke folgte strengen Regularien der Anzugsordnung für die Offiziere des Königlich Preußischen Heeres. Für einen Oberleutnant waren typischerweise zwei Rangsterne (sogenannte “Pips”) auf den Schulterstücken angebracht. Die Regimentsnummer 157 war üblicherweise in verschlungenen Ziffern aufgestickt oder appliziert, wobei die genaue Ausführung von der jeweiligen Herstellungsmethode und dem Zeitpunkt der Anfertigung abhing.

Der getragene Zustand des Objekts spiegelt den Frontdienst wider. Ab August 1914 war das Regiment an der Ostfront eingesetzt, zunächst in Ostpreußen, später in Polen und Russland. Die Kämpfe waren von extremer Härte geprägt. Das Regiment nahm an bedeutenden Schlachten wie der Schlacht von Tannenberg (August 1914) und den Winterschlachten in Masuren teil. Die Jahre 1915-1916 brachten wechselnde Erfolge und schwere Verluste.

Die Herstellung von Schulterstücken erfolgte sowohl durch militärische Depots als auch durch private Zulieferer, die nach Regimentsvorschriften arbeiteten. Offiziere beschafften ihre Uniform und Ausrüstung grundsätzlich selbst, was zu gewissen Qualitätsunterschieden führte. Die Verwendung von Leinen als Unterlagenmaterial war praktisch und haltbar, gleichzeitig aber auch kostengünstig genug für die Massenproduktion während des Krieges.

Im Verlauf des Krieges veränderten sich die Uniformvorschriften. Die feldgraue Uniform, die bereits vor 1914 eingeführt worden war, ersetzte zunehmend die bunten Friedensuniformen. Dennoch blieben die Schulterstücke mit ihren charakteristischen Waffenfarben ein wichtiges Identifikationsmerkmal. Allerdings wurden aus Tarnungsgründen die Farben oft gedämpfter oder die Schulterstücke wurden abnehmbar gestaltet, um sie bei Bedarf durch unauffälligere zu ersetzen.

Das Einzelschulterstück - statt des üblichen Paares - deutet auf den Verlust oder die Beschädigung des Gegenstücks hin, was angesichts der Kriegsumstände nicht ungewöhnlich war. Solche Einzelstücke wurden manchmal aufbewahrt, während Ersatz beschafft werden musste, oder sie blieben als Erinnerungsstücke erhalten, wenn der Träger befördert wurde oder die Einheit wechselte.

Die Bewertung des Zustands mit “2” nach sammlertypischer Klassifizierung bezeichnet einen guten, gebrauchten Zustand mit sichtbaren Tragespuren, aber ohne wesentliche Schäden. Dies entspricht einem authentischen Feldgebrauch und unterstreicht die Echtheit des Objekts.

Nach dem Kriegsende 1918 wurde das Regiment wie die gesamte kaiserliche Armee aufgelöst. Die Tradition des schlesischen Infanterieregiments endete mit dem Zusammenbruch der Monarchie. Solche Uniformteile wurden zu wichtigen Erinnerungsstücken für Veteranen und später zu gesuchten Sammlerobjekten, die die Geschichte der preußisch-deutschen Militärorganisation dokumentieren.