Preußen Waffenrock für Mannschaften im 2. Hannoverschen Dragoner-Regiment Nr. 16

Standort Lüneburg. Eigentumsstück um 1900. Der Waffenrock aus hellblauem Stoff mit gelbem Stehkragen, Ärmelaufschlägen und Vorstößen , vernickelte Knöpfe, der Stehkragen und die Ärmelaufschläge mit weißen Vorstößen, auf den Schultern eingenäht die gelben Schulterklappen mit der in rot aufgestickten Regiments-Nummer «16», Knöpfe der 3. Eskadron. Innen mit hellbraunem und blauem Seidenfutter. Mit ein paar kleinen Mottenlöchlein. Zustand 2.
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1.200,00

Preußen Waffenrock für Mannschaften im 2. Hannoverschen Dragoner-Regiment Nr. 16

Der hier beschriebene Waffenrock für Mannschaften des 2. Hannoverschen Dragoner-Regiments Nr. 16 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte um die Jahrhundertwende. Dieses Regiment, mit Standort in Lüneburg, war Teil der traditionsreichen Kavallerie des Deutschen Kaiserreichs und verkörperte die militärische Tradition des ehemals hannoverschen Gebiets innerhalb der preußischen Armee.

Das 2. Hannoversche Dragoner-Regiment Nr. 16 wurde nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 in die preußische Armee eingegliedert. Die Bezeichnung “Hannoversches” Regiment ehrte dabei die territoriale Herkunft und bewahrte lokale Identität innerhalb des gesamtpreußischen Heereswesens. Das Regiment gehörte zur 10. Division und war in der Garnison Lüneburg stationiert, wo es bis zum Ersten Weltkrieg verblieb.

Die Uniformgestaltung des Waffenrocks folgte präzisen Vorgaben der preußischen Adjustierungsvorschriften. Der hellblaue Grundstoff war charakteristisch für die preußischen Dragoner-Regimente und unterschied sie deutlich von den dunkelblauen Kürassieren oder den schwarzen Husaren. Die gelbe Distinktionsfarbe an Kragen, Ärmelaufschlägen und Vorstößen war dem Regiment spezifisch zugeordnet und ermöglichte die Identifizierung der Regimentszugehörigkeit auf den ersten Blick. Das preußische System der Distinktionsfarben war streng geregelt und diente nicht nur der Ästhetik, sondern vor allem der militärischen Ordnung und Erkennung auf dem Schlachtfeld.

Die weißen Vorstöße an Kragen und Ärmelaufschlägen bildeten einen zusätzlichen optischen Akzent und waren typisch für die Ausführung der Dragoner-Uniformen dieser Periode. Die vernickelten Knöpfe ersetzten um 1900 zunehmend die älteren Messingknöpfe und entsprachen dem moderneren Geschmack sowie praktischen Überlegungen hinsichtlich der Pflege. Die Knöpfe waren eskadronsweise unterschiedlich angeordnet: Die hier erwähnten Knöpfe der 3. Eskadron folgten einem festgelegten Anordnungsmuster, das die Kompaniezugehörigkeit innerhalb des Regiments anzeigte.

Besonders bemerkenswert sind die auf den Schultern eingenähten gelben Schulterklappen mit der rot aufgestickten Regiments-Nummer “16”. Diese Schulterklappen, auch Schulterstücke genannt, waren ein wesentliches Identifikationsmerkmal. Die rote Stickerei der Nummer auf gelbem Grund entsprach exakt den Vorschriften und ermöglichte selbst aus der Distanz die Regimentserkennung. Die Schulterklappen waren bei den Mannschaften im Gegensatz zu den Offizieren schlicht gehalten, ohne Rangabzeichen oder zusätzliche Verzierungen.

Das Innenfutter aus hellbraunem und blauem Seidenstoff zeugt von der relativ hochwertigen Verarbeitung auch der Mannschaftsuniformen dieser Zeit. Seide wurde verwendet, um das Anziehen zu erleichtern und den Tragekomfort zu erhöhen, auch wenn dies bei Mannschaftsuniformen seltener anzutreffen war als bei Offiziersstücken. Dies deutet darauf hin, dass es sich möglicherweise um eine Paradeuniform oder um ein Stück aus der späteren Friedenszeit handelte, als mehr Ressourcen für die Uniformausstattung zur Verfügung standen.

Der Waffenrock als Uniformteil hatte im deutschen Militär eine lange Tradition. Er wurde zu offiziellen Anlässen, bei Paraden und im Garnisonsdienst getragen, während im Feld zunehmend praktischere Uniformstücke zum Einsatz kamen. Um 1900 befand sich die militärische Bekleidung in einem Übergang: Während die traditionellen, farbenprächtigen Uniformen bei Paraden noch ihre volle Berechtigung hatten, erkannte man zunehmend die Notwendigkeit feldgrauer, tarnender Uniformierung für den modernen Krieg.

Die Datierung “um 1900” platziert dieses Stück in eine interessante Epoche der deutschen Militärgeschichte. Das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht, und die Armee genoss höchstes gesellschaftliches Ansehen. Die Dragoner-Regimente, ursprünglich als berittene Infanterie konzipiert, hatten sich zu einer vielseitigen Kavallerie-Waffengattung entwickelt, die sowohl für Aufklärung als auch für den Kampf zu Pferd ausgebildet war.

Die erwähnten Mottenlöchlein sind typische Alterungsspuren textiler Militaria und bestätigen die Authentizität des Stücks. Sie zeigen, dass der Waffenrock aus natürlichen Materialien gefertigt wurde, die für Textilschädlinge anfällig sind. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das trotz kleiner Beschädigungen seinen historischen Wert bewahrt hat.

Als Sammlungsstück dokumentiert dieser Waffenrock nicht nur die militärische Organisation des Kaiserreichs, sondern auch die handwerkliche Qualität der Uniformfertigung, die sozialen Strukturen der Armee und die regionale Identität innerhalb des preußisch-deutschen Militärsystems. Für die Militärgeschichtsforschung und Uniformkunde stellt er ein wichtiges Primärquellenobjekt dar.