Reichsbund Deutsche Jägerschaft ( RDJ ) - Mitgliedsabzeichen
Das Mitgliedsabzeichen des Reichsbundes Deutsche Jägerschaft (RDJ) stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Jagdgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Dieses Abzeichen wurde von Mitgliedern einer Organisation getragen, die 1934 als Teil der gleichschaltenden Maßnahmen des NS-Regimes gegründet wurde.
Der Reichsbund Deutsche Jägerschaft entstand am 3. Juli 1934 durch einen Erlass des Reichsjägermeisters Hermann Göring, der gleichzeitig zum Führer dieser Organisation ernannt wurde. Die Gründung erfolgte im Zuge des Reichsjagdgesetzes vom 3. Juli 1934, das die gesamte deutsche Jagdverwaltung neu ordnete und zentralisierte. Damit wurden alle bestehenden Jagdverbände aufgelöst und in den RDJ überführt, wodurch eine einheitliche, staatsnahe Organisation entstand.
Das vorliegende Abzeichen zeigt auf der Rückseite die Kennzeichnung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt), was darauf hinweist, dass das Design urheberrechtlich geschützt war und nur von autorisierten Herstellern produziert werden durfte. Diese Kennzeichnung war bei offiziellen Abzeichen der NS-Zeit üblich und sollte Fälschungen verhindern. Die lange Nadel auf der Rückseite diente zur Befestigung an der Kleidung, typischerweise am Revers der Jacke oder an der Jagdkleidung.
Die Struktur des RDJ war hierarchisch aufgebaut und gliederte sich in Landesjägerschaften, Kreisjägerschaften und Hegegemeinschaften. Die Mitgliedschaft war für alle Jagdausübungsberechtigten praktisch verpflichtend, da nur Mitglieder des RDJ Jagdscheine erhalten konnten. Dies führte zu einer schnellen Expansion der Organisation, die bereits 1935 über 250.000 Mitglieder zählte.
Hermann Göring, der als preußischer Ministerpräsident und späterer Reichsmarschall eine der mächtigsten Figuren des Dritten Reiches war, nutzte seine Position als Reichsjägermeister, um seine persönliche Leidenschaft für die Jagd mit politischer Macht zu verbinden. Er residierte unter anderem in der Reichsjägerhof Rominten in Ostpreußen und inszenierte die Jagd als Teil der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie.
Das Mitgliedsabzeichen des RDJ wurde in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Die gängigste Form zeigte jagdliche Symbole wie Geweihe, Eichenlaub oder Jagdhörner, die mit der traditionellen deutschen Jagdkultur verbunden waren. Diese Symbole wurden bewusst gewählt, um eine Kontinuität mit der historischen deutschen Jägertradition zu suggerieren, obwohl die Organisation selbst eine moderne, totalitäre Struktur darstellte.
Die Produktion solcher Abzeichen erfolgte durch verschiedene zugelassene Hersteller, die oft in Pforzheim, Lüdenscheid oder anderen Zentren der deutschen Metallwarenindustrie ansässig waren. Die Qualität der Abzeichen variierte je nach Herstellungszeitpunkt und Hersteller. Frühe Stücke aus den 1930er Jahren wurden oft mit größerer Sorgfalt gefertigt als spätere Kriegsproduktionen.
Die Aktivitäten des RDJ umfassten nicht nur die Regulierung der Jagd, sondern auch die Ausbildung von Jägern, die Organisation von Jagdprüfungen und die Verwaltung des Wildes als “nationales Gut”. Die Organisation publizierte die Zeitschrift “Der Deutsche Jäger”, die als offizielles Organ diente und Propagandaelemente mit jagdlichem Fachwissen verband.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Bedeutung der Jagd als Nahrungsquelle betont, und der RDJ spielte eine Rolle bei der Organisation der Wildbretversorgung. Gleichzeitig wurden viele Jäger zum Militärdienst eingezogen, was die Aktivitäten der Organisation einschränkte.
Nach 1945 wurde der Reichsbund Deutsche Jägerschaft als Teil der NS-Organisationen aufgelöst. Die Jagdverwaltung in Deutschland wurde neu organisiert, zunächst unter alliierter Kontrolle und später durch die Bundesländer. In der Bundesrepublik Deutschland entstand der Deutsche Jagdverband (DJV) als Nachfolgeorganisation, allerdings ohne die totalitären Strukturen des RDJ.
Heute sind Mitgliedsabzeichen des RDJ gesuchte militärhistorische Sammlerstücke, die Einblick in die Organisation gesellschaftlicher Bereiche während der NS-Zeit geben. Der Zustand “2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das nur leichte Gebrauchsspuren aufweist. Solche Abzeichen werden in historischen Sammlungen bewahrt und dienen der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Epoche, wobei der Kontext ihrer Entstehung und Verwendung stets kritisch reflektiert werden muss.