Die vorliegenden Generalfeldmarschall-Epauletten des Königreichs Sachsen repräsentieren eines der seltensten militärischen Rangabzeichen der deutschen Geschichte. Ihre außergewöhnliche Seltenheit ergibt sich aus einer bemerkenswerten historischen Tatsache: Das Königreich Sachsen verlieh in seiner gesamten Geschichte nur zwei Personen den höchsten militärischen Rang eines Generalfeldmarschalls. Damit konnten nur zwei Paare solcher sächsischen Generalfeldmarschall-Epauletten in offizieller Verwendung existieren.
Diese Epauletten gehörten König Georg von Sachsen (1832–1904), der am 8. August 1832 in Pillnitz geboren wurde und am 15. Oktober 1904 ebendort verstarb. Als dritter Sohn von Prinz Johann von Sachsen durchlief Georg eine herausragende militärische Karriere. Im Krieg von 1866 kommandierte er die 1. Kavalleriebrigade. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870–71 führte er zunächst die 1. Infanteriedivision Nr. 23, bevor er ab dem 19. August 1870 das Kommando über das XII. Armeekorps übernahm, das er bis zum 29. März 1900 befehligte. Am 15. Juni 1888 wurde Prinz Georg zum Generalfeldmarschall ernannt und war damit der zweite Sachse, der diesen höchsten militärischen Rang erreichte. Nach dem Tod seines Bruders bestieg er am 19. Juni 1902 den sächsischen Thron und regierte als König bis zu seinem Tod 1904.
Der einzige andere sächsische Generalfeldmarschall war Georgs älterer Bruder, Kronprinz Albert von Sachsen (1828–1902), der am 11. Juli 1871 zu diesem Rang erhoben wurde. Albert war der erste nicht-preußische Generalfeldmarschall des Deutschen Kaiserreichs und wurde 1873 König von Sachsen. Die Tatsache, dass nur diese beiden Brüder aus dem Hause Wettin jemals den Rang eines sächsischen Generalfeldmarschalls trugen, unterstreicht die historische Bedeutung dieser Epauletten.
Die Epauletten selbst wurden um 1900 gefertigt und zeigen die charakteristischen Merkmale der sächsischen Variante dieser höchsten Rangabzeichen. Sie bestehen aus silbernen Waffelfeldern aus silbernem Bouillon beziehungsweise Silberdraht, silbernen Halbmonden und aufgelegten gekreuzten silbernen Generalfeldmarschallstäben. Die starren Kantillen aus Silberbouillon und die rote Tuchunterlage vervollständigen die aufwendige Handarbeit. Eine Quelle erwähnt als Hersteller G. A. Westmann, Dresden, einen Hoflieferanten des königlich-sächsischen Hofes.
Das Königreich Sachsen besaß innerhalb des Deutschen Kaiserreichs eine eigene Armee. Nach der Niederlage im Deutschen Krieg von 1866 gegen Preußen trat Sachsen 1867 dem Norddeutschen Bund bei. In der Folge übernahm die sächsische Armee die preußischen Reglements und die preußische Organisation, behielt jedoch distinkte sächsische Abzeichen und Traditionen bei. Die sächsischen Epauletten folgten nach 1867 den preußischen Vorschriften, wobei die sächsische Variante eine bedeutende Besonderheit aufwies: Während die preußischen und anderen deutschen Generalfeldmarschall-Epauletten typischerweise goldene Materialien verwendeten, setzten die sächsischen Exemplare gemäß der sächsischen Militärtradition auf Silber.
Das sächsische XII. Armeekorps wurde in die Deutsche Reichsarmee integriert, bewahrte aber seine sächsische Identität. Als Generalfeldmarschall und Generalinspektor sowie Befehlshaber des XII. Armeekorps bis 1900 trug Georg diese großen Paradeepauletten zur Galauniform (Waffenrock). Kleinere Versionen existierten für den täglichen Dienst.
Nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs 1918 und der Abschaffung der Monarchie in Sachsen verloren solche zeremoniellen militärischen Rangabzeichen ihre offizielle Funktion. Das beschriebene Paar erscheint in Auktionsunterlagen, was darauf hinweist, dass es als historisches Artefakt und Sammlerstück überlebte. Die extreme Seltenheit dieser sächsischen Generalfeldmarschall-Epauletten wird auf dem modernen Militaria-Markt weiterhin betont und macht sie zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der sächsischen Militärgeschichte im Kaiserreich.