Elastolin - Heer Generalstabsoffizier im Mantel stehend

7,5 cm, Zustand 2-3.
405920
20,00

Elastolin - Heer Generalstabsoffizier im Mantel stehend

Elastolin Generalstabsoffizier: Spielzeugsoldat als historisches Zeugnis der deutschen Militärgeschichte

Die vorliegende Elastolin-Figur eines stehenden Generalstabsoffiziers des Heeres im Mantel mit einer Größe von 7,5 cm repräsentiert ein faszinierendes Stück deutscher Spielzeug- und Militärgeschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Massefigur verkörpert nicht nur ein Kinderspielzeug ihrer Zeit, sondern auch ein kulturhistorisches Dokument, das Einblicke in die Darstellung und Wahrnehmung militärischer Hierarchien im Deutschland der Zwischenkriegs- und Kriegszeit gewährt.

Die Firma Elastolin und ihre Geschichte

Die Marke Elastolin wurde von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg bei Stuttgart entwickelt und produziert. Das Unternehmen wurde 1904 von den Brüdern Otto und Max Hausser gegründet und entwickelte sich rasch zu einem der führenden deutschen Hersteller von Spielzeugfiguren. Der Name “Elastolin” bezeichnete ein spezielles Material, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Zusätzen, die auf Drahtgerüste aufgebracht wurde. Dieses Material war bruchfester als das traditionelle Bleimaterial anderer Hersteller und ermöglichte detailliertere Modellierungen.

Ab den 1920er Jahren produzierte Hausser verstärkt militärische Figuren im Maßstab 7,5 cm (etwa 1:24), die sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Figuren zeichneten sich durch ihre sorgfältige Handbemalung und ihre realitätsnahe Darstellung zeitgenössischer Uniformen aus.

Der Generalstabsoffizier in der deutschen Militärorganisation

Ein Generalstabsoffizier war ein für den Generalstabsdienst besonders ausgebildeter Offizier, der strategische und operative Planungsaufgaben übernahm. Die Ausbildung erfolgte an der renommierten Kriegsakademie in Berlin und galt als höchste militärische Qualifikation. Generalstabsoffiziere waren an ihren charakteristischen karmesinroten Lampassen (Hosenstreifen) und besonderen Kragenspiegel erkennbar.

Die Darstellung im Mantel ist historisch bedeutsam, da der Offiziersmantel ein wichtiges Distinktionsmerkmal darstellte. Der feldgraue Mantel der Wehrmacht wurde nach 1935 zur Standardbekleidung, wobei die Schnittführung und Details den Rang des Trägers signalisierten. Generalstabsoffiziere trugen häufig den langen Mantel mit charakteristischem Kragen und Schulterklappen, die ihren Rang anzeigten.

Spielzeug und Militärkultur

Diese Elastolin-Figuren waren mehr als bloßes Spielzeug. Sie spiegelten die stark militarisierte Gesellschaft des Deutschen Reiches wider, besonders während des Nationalsozialismus ab 1933. Die Firma Hausser produzierte auch Figuren von NS-Funktionären und Wehrmachtssoldaten, was die enge Verflechtung von Spielzeugindustrie und politischer Propaganda jener Zeit belegt.

Die 7,5-cm-Figuren wurden sowohl von Kindern als Spielzeug genutzt als auch von Erwachsenen gesammelt. Sie dienten der Vermittlung militärischer Werte und trugen zur Normalisierung militärischer Hierarchien im Alltagsleben bei. Nach 1945 wurden viele dieser Figuren aus verständlichen Gründen vernichtet oder versteckt.

Sammlerwert und Erhaltungszustand

Der angegebene Zustand 2-3 entspricht in der Sammlerterminologie einem guten bis befriedigenenden Erhaltungszustand. Dies bedeutet, dass die Figur möglicherweise leichte Gebrauchsspuren, kleine Farbabplatzungen oder minimale Beschädigungen aufweist, aber insgesamt gut erhalten ist. Perfekt erhaltene Exemplare (Zustand 1) sind äußerst selten und entsprechend wertvoll.

Die Elastolinmasse ist zwar robuster als Blei, neigt jedoch im Laufe der Jahrzehnte zu Rissen und Materialermüdung. Besonders gefährdet sind exponierte Teile wie Arme, Waffen oder Kopfbedeckungen. Eine fachgerechte Lagerung bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist für die Erhaltung essentiell.

Historische Einordnung und musealer Wert

Heute werden Elastolin-Figuren in militärhistorischen Museen und Sammlungen als Zeugnisse der Alltags- und Kulturgeschichte präsentiert. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformkunde und militärische Ikonographie ihrer Entstehungszeit, sondern auch die Spielzeugproduktion und Kindheitserfahrungen mehrerer Generationen. Die Firma Hausser existierte bis 1983 und produzierte nach 1945 verstärkt zivile Figuren und Wildwest-Szenen, konnte aber nie mehr an ihre frühere Bedeutung anknüpfen.

Diese Generalstabsoffizier-Figur steht exemplarisch für eine Epoche, in der militärische Repräsentation einen zentralen Platz in der deutschen Gesellschaft einnahm und selbst Kinderspielzeug zur Vermittlung hierarchischer Strukturen und militärischer Ästhetik instrumentalisiert wurde.