H.Dv.130/2a Ausbildungsvorschrift für die Infanterie,
Berlin 1937, Druck und Verlag der Reichsdruckerei. 192 Seiten, mit Abbildungen und Zeichnungen, gebundene Ausgabe, Kartoniert, A6 Kleinformat. Zustand 2
Die H.Dv. 130/2a "Ausbildungsvorschrift für die Infanterie, Heft 2: Die Schützenkompanie" stellt ein bedeutendes militärhistorisches Dokument dar, das die taktische und organisatorische Entwicklung der deutschen Infanterie in der Zwischenkriegszeit dokumentiert. Diese 1937 von der Reichsdruckerei in Berlin herausgegebene Vorschrift war Teil eines umfassenden Systems militärischer Ausbildungsliteratur der Wehrmacht.
Die Abkürzung H.Dv. steht für Heeresdienstvorschrift, eine Bezeichnung für die offiziellen Regelwerke, die alle Aspekte der militärischen Ausbildung, Organisation und Taktik im deutschen Heer regelten. Die Nummer 130 kennzeichnete die Vorschriftenserie für die Infanterie, während die Unterabteilungen verschiedene Spezialisierungen und Ausbildungsstufen abdeckten.
Das Jahr 1937 markiert eine wichtige Phase in der militärischen Entwicklung des Dritten Reiches. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 und dem raschen Aufbau der Wehrmacht befand sich die deutsche Armee in einer Phase intensiver Expansion und Modernisierung. Die Ausbildungsvorschriften dieser Zeit reflektierten die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg sowie neue taktische Konzepte, die auf Beweglichkeit und kombiniertem Waffeneinsatz basierten.
Die Schützenkompanie bildete die grundlegende Kampfeinheit der Infanterie. Die vorliegende Vorschrift gliederte sich in zwei Hauptteile: Teil A befasste sich mit der Einzelausbildung des Soldaten, während Teil B die Ausbildung und taktische Verwendung der Gruppe behandelte. Diese Struktur spiegelte das didaktische Prinzip wider, vom Einfachen zum Komplexen vorzugehen – vom einzelnen Schützen über die Gruppe als kleinste taktische Einheit.
Die Einzelausbildung umfasste typischerweise Themen wie Waffenhandhabung, Schießausbildung, Geländeausnutzung, Tarnung und grundlegende Bewegungstechniken. Die Gruppe, üblicherweise 8-12 Mann stark und von einem Gruppenführer kommandiert, stellte die kleinste selbstständig handlungsfähige Einheit dar. Ihre Ausbildung beinhaltete das Zusammenwirken im Gefecht, Formationen, Bewegungen unter Feuer und taktische Grundaufgaben.
Das kompakte A6-Format dieser Vorschrift war charakteristisch für militärische Handbücher dieser Zeit. Die handliche Größe ermöglichte es Offizieren und Unteroffizieren, das Regelwerk während der praktischen Ausbildung im Gelände bei sich zu tragen. Die Kartonierung bot ausreichenden Schutz bei regelmäßigem Gebrauch, während sie gleichzeitig eine kostengünstige Massenproduktion erlaubte.
Die 192 Seiten mit Abbildungen und Zeichnungen verdeutlichten komplexe taktische Manöver, Formationen und technische Details. Visuelle Darstellungen waren essentiell für die Vermittlung räumlicher Anordnungen, Bewegungsabläufe und taktischer Situationen. Diese didaktische Herangehensweise ermöglichte eine standardisierte Ausbildung über alle Truppenteile hinweg.
Die Produktion durch die Reichsdruckerei, die staatliche Druckerei des Deutschen Reiches, garantierte eine einheitliche Qualität und kontrollierte Verbreitung. Alle offiziellen Heeresdienstvorschriften unterlagen strikten Sicherheitsbestimmungen und waren als Verschlusssachen klassifiziert, deren Verbreitung außerhalb militärischer Kreise untersagt war.
Die H.Dv. 130-Serie wurde kontinuierlich überarbeitet und an neue taktische Erkenntnisse und Erfahrungen angepasst. Die Ausgabe von 1937 entstand vor den großen Feldzügen des Zweiten Weltkrieges und basierte primär auf theoretischen Überlegungen, Manövererfahrungen und den Lehren des Ersten Weltkrieges sowie des Spanischen Bürgerkrieges, wo deutsche Einheiten erste praktische Erfahrungen mit modernen Waffen sammeln konnten.
Heute sind diese Ausbildungsvorschriften wichtige Quellen für Militärhistoriker, die die Entwicklung deutscher Infanterietaktik, Ausbildungsmethoden und militärischen Denkens studieren. Sie dokumentieren den Wissensstand und die doktrinären Grundlagen der Wehrmacht vor dem Zweiten Weltkrieg und ermöglichen Einblicke in die systematische Vorbereitung der deutschen Streitkräfte auf den kommenden Konflikt.