III. Reich - Reichsluftschutzbund ( RLB ) - Türplakette - " Mitglied des Reichsluftschutzbundes - Ldsgr. Wttbg./Hohenz. "
Ldsgr. Wttbg./Hohenz. = Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern
Die Reichsluftschutzbund-Türplakette der Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern stellt ein bedeutendes Zeugnis der zivilen Luftschutzorganisation im nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese aus geprägtem Aluminium gefertigte, 72 mm große Plakette mit farbig lackiertem Zentrum diente als sichtbares Kennzeichen der Mitgliedschaft in einer der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches.
Der Reichsluftschutzbund (RLB) wurde am 29. April 1933 durch Erlass des Reichsluftfahrtministers Hermann Göring gegründet. Die Organisation entstand aus der Erkenntnis, dass moderne Luftkriegsführung erstmals in der Geschichte die Zivilbevölkerung direkt bedrohen würde. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs mit Zeppelin- und Bombenangriffen auf deutsche Städte wollte das NS-Regime die Bevölkerung systematisch auf künftige Luftangriffe vorbereiten.
Die Struktur des RLB war straff hierarchisch organisiert und gliederte sich in Landesgruppen, Ortsgruppen und weitere Untergliederungen. Die Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern deckte ein wichtiges süddeutsches Industriegebiet ab, das später im Zweiten Weltkrieg tatsächlich Ziel alliierter Bombenangriffe werden sollte. Zu dieser Landesgruppe gehörten bedeutende Städte wie Stuttgart, Ulm und weitere urban-industrielle Zentren.
Die Mitgliedschaft im RLB war formell freiwillig, wurde jedoch durch massiven gesellschaftlichen Druck und Propaganda stark gefördert. Bis 1939 hatte der RLB etwa 13 bis 15 Millionen Mitglieder erreicht, was ihn zu einer der mitgliederstärksten NS-Organisationen machte. Die Türplaketten dienten dabei mehreren Zwecken: Sie zeigten nach außen die “Wehrhaftigkeit” und “Volksgemeinschaft” des Haushalts, legitimierten den Zugang zu Luftschutzkellern und -einrichtungen und fungierten als Instrument sozialer Kontrolle.
Die Ausbildung im RLB umfasste theoretischen Unterricht über Luftkriegsgefahren, praktische Übungen im Brandschutz und der Ersten Hilfe, sowie das Verhalten bei Fliegeralarm. Luftschutzwarte organisierten auf lokaler Ebene regelmäßige Übungen und Kontrollen. Die Mitglieder erhielten Informationsmaterial und wurden in Kursen geschult, die von der einfachen Kenntnis der Sirenenalarme bis zu komplexen Löschübungen reichten.
Technisch gesehen war die Plakette aus Aluminium geprägt, einem Material, das einerseits kostengünstig in der Massenproduktion war, andererseits aber auch die zunehmende Rohstoffknappheit im Dritten Reich widerspiegelte. Die farbige Lackierung im Zentrum hob typischerweise das RLB-Emblem hervor - gewöhnlich ein stilisiertes blaues Dreieck auf weißem Grund, das den Luftschutz symbolisierte. Die Größe von 72 mm war standardisiert und ermöglichte eine gute Sichtbarkeit an Haustüren.
Die Bezeichnung der Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern verweist auf die historisch-territoriale Gliederung Südwestdeutschlands. Diese Region hatte besondere strategische Bedeutung durch ihre Industrie, insbesondere die Rüstungsproduktion in Städten wie Stuttgart, wo Unternehmen wie Daimler-Benz und Bosch ansässig waren. Dies machte intensive Luftschutzmaßnahmen besonders dringlich.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 gewann die Arbeit des RLB dramatisch an Bedeutung. Was zunächst als präventive Maßnahme gedacht war, wurde zur existenziellen Notwendigkeit, als ab 1940 erste britische Bombenangriffe erfolgten und ab 1942 die systematischen Flächenbombardements der Alliierten begannen. Der RLB organisierte Verdunkelungsmaßnahmen, Luftschutzwachen und koordinierte die Bergungsarbeiten nach Angriffen.
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 wurde der RLB zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst. Die Türplaketten, die einst Millionen deutscher Haushalte schmückten, wurden vielfach entfernt oder verschwanden. Heute sind sie als historische Dokumente von Bedeutung, die die totale Mobilisierung der deutschen Gesellschaft im Zweiten Weltkrieg dokumentieren.
Sammlungen solcher Plaketten befinden sich heute in militärhistorischen Museen, Stadtarchiven und privaten Sammlungen. Sie dienen als Anschauungsmaterial für die Erforschung der Heimatfront im Zweiten Weltkrieg und illustrieren, wie das NS-Regime versuchte, jeden Aspekt des zivilen Lebens zu militarisieren und zu kontrollieren. Die spezifische regionale Kennzeichnung wie “Ldsgr. Wttbg./Hohenz.” macht solche Objekte besonders wertvoll für lokalhistorische Forschungen.