NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Sternfahrt Lübeck 4. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft Juni 1937 "

Aluminium bronziert, 60 x 90 mm, mit 3 Bohrungen, Hersteller : Weichert Lübeck, Zustand 2.
335020
300,00

NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Sternfahrt Lübeck 4. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft Juni 1937 "

Die NSKK-Teilnehmerplakette zur Sternfahrt Lübeck anlässlich der 4. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft im Juni 1937 stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument dar, das die Verflechtung von Sport, Propaganda und nationalsozialistischer Außenpolitik in der Vorkriegszeit veranschaulicht.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) wurde 1931 als Teilorganisation der NSDAP gegründet und erhielt 1934 den Status einer selbständigen Gliederung. Unter der Führung von Korpsführer Adolf Hühnlein entwickelte sich das NSKK zu einer massenhaften Organisation mit über 500.000 Mitgliedern bis 1939. Die Hauptaufgaben umfassten die kraftfahrtechnische Ausbildung, die Förderung des Motorsports und die vormilitärische Schulung der deutschen Bevölkerung.

Die Nordische Gesellschaft wurde 1921 in Lübeck als kulturelle Vereinigung zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und den skandinavischen Ländern gegründet. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde sie zunehmend für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Die Organisation sollte die angebliche “nordische Verbundenheit” und die rassenideologischen Vorstellungen des NS-Regimes unterstreichen. Die jährlichen Reichstagungen entwickelten sich zu bedeutenden Propagandaveranstaltungen, bei denen kulturelle, wirtschaftliche und politische Verbindungen zu den nordischen Staaten demonstriert wurden.

Die 4. Reichstagung im Juni 1937 fand in der Hansestadt Lübeck statt, die als Tor zum Norden eine symbolträchtige Kulisse bot. Diese Veranstaltung war eingebettet in die intensive Nordlandpolitik des Dritten Reiches, die darauf abzielte, Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island ideologisch und politisch an Deutschland zu binden. Die Tagung umfasste kulturelle Veranstaltungen, wissenschaftliche Vorträge und sportliche Aktivitäten.

Die Sternfahrt war eine beliebte Form motorsportlicher Veranstaltungen im Dritten Reich. Bei einer Sternfahrt starteten die Teilnehmer von verschiedenen Ausgangspunkten und fuhren auf unterschiedlichen Routen zu einem gemeinsamen Zielort - in diesem Fall nach Lübeck. Diese Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie demonstrierten die kraftfahrtechnische Leistungsfähigkeit, förderten den Motorsport, schulten die Fahrer in Orientierung und Zuverlässigkeitsfahrten und boten eine propagandistische Plattform.

Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette aus bronziertem Aluminium im Format 60 x 90 mm wurde vom Hersteller Weichert aus Lübeck produziert. Die drei Bohrungen dienten der Montage, vermutlich an einem Fahrzeug oder als Wandplakette. Im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen, die am Uniformrock befestigt wurden, waren solche nichttragbaren Plaketten als Erinnerungsstücke und Ausstellungsobjekte konzipiert.

Die Wahl von Aluminium als Material war typisch für die 1930er Jahre. Aluminium war kostengünstig, leicht zu bearbeiten und durch Bronzierung optisch aufwertbar. Die Bronzierung verlieh dem Objekt eine hochwertigere Anmutung, während die Produktionskosten niedrig blieben - wichtig bei Massenproduktionen für Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern.

Der lokale Hersteller Weichert gehörte zu den zahlreichen Betrieben in Deutschland, die sich auf die Produktion von Abzeichen, Plaketten und Auszeichnungen spezialisiert hatten. Die Vergabe an einen Lübecker Hersteller entsprach der Praxis, lokale Firmen bei städtischen Großveranstaltungen einzubeziehen.

Solche Teilnehmerplaketten dokumentieren die umfassende Abzeichenkultur des Dritten Reiches. Nahezu jede Veranstaltung, jeder Gedenktag und jedes Ereignis wurde durch spezielle Plaketten, Abzeichen oder Medaillen markiert. Dies diente der Erinnerungskultur, der Teilnehmermotivation und nicht zuletzt der visuellen Durchdringung des Alltags mit nationalsozialistischer Symbolik.

Die Verbindung von NSKK und Nordischer Gesellschaft bei dieser Veranstaltung zeigt die typische Zusammenarbeit verschiedener NS-Organisationen. Das NSKK stellte die kraftfahrtechnische und organisatorische Expertise für die Sternfahrt, während die Nordische Gesellschaft den kulturpolitischen Rahmen lieferte. Solche Synergien waren charakteristisch für die polykratische Struktur des NS-Staates.

Im historischen Kontext von 1937 befand sich das Deutsche Reich in einer Phase intensiver Aufrüstung und außenpolitischer Expansion. Die Bemühungen um gute Beziehungen zu den nordischen Staaten waren Teil der Vorkriegsdiplomatie. Man erhoffte sich wirtschaftliche Vorteile, strategische Positionierung und ideologische Legitimation durch die Betonung einer gemeinsamen “nordischen Rasse”.

Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die Geschichtswissenschaft. Sie dokumentieren die Alltagskultur, die Organisationsstrukturen und die Propagandamethoden des Nationalsozialismus. Sammler und Museen bewahren sie als Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte auf.