Die Erinnerungsmedaille der Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) für den Zeitraum 10. bis 14. Mai 1940 stellt ein bedeutendes Zeugnis der niederländischen Kollaborationsgeschichte während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese bronzene, nicht tragbare Medaille mit einem Durchmesser von 40 Millimetern wurde im Herbst 1940 von Anton Adriaan Mussert, dem Führer der NSB, gestiftet.
Die NSB war die wichtigste faschistische und nationalsozialistische Partei in den Niederlanden, gegründet am 14. Dezember 1931 von Anton Mussert und Cornelis van Geelkerken. Die Bewegung orientierte sich ideologisch am deutschen Nationalsozialismus und italienischen Faschismus, betonte jedoch zunächst niederländische nationalistische Elemente. In den 1930er Jahren gewann die NSB zeitweise an Popularität und erreichte bei den Provinzialwahlen 1935 etwa 8 Prozent der Stimmen, bevor ihre Unterstützung bis 1939 wieder drastisch zurückging.
Die auf der Medaille genannten Daten 10. bis 14. Mai 1940 markieren die kritischen ersten Tage der deutschen Invasion der Niederlande im Rahmen des Westfeldzugs. Am 10. Mai 1940 begann die Wehrmacht ohne Kriegserklärung den Angriff auf die neutralen Niederlande, Belgien und Luxemburg. Die niederländische Regierung, die die NSB als potenzielle fünfte Kolonne betrachtete, ordnete umgehend die Verhaftung führender NSB-Mitglieder und Sympathisanten an. Hunderte Mitglieder wurden präventiv interniert, um mögliche Sabotageakte oder Unterstützung der deutschen Invasoren zu verhindern.
Die Vorderseite der Medaille zeigt die Wolfsangel vor einem Hakenkreuz mit der Umschrift “Lotsverbondenheid 10 - 14. Mei 1940” (Schicksalsverbundenheit 10. - 14. Mai 1940). Die Wolfsangel war ein Symbol, das von verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen verwendet wurde und ursprünglich ein mittelalterliches Zeichen darstellte. In der NSB-Symbolik repräsentierte sie die vermeintliche Verbindung zwischen germanischen Völkern.
Die Rückseite trägt die programmatische Inschrift: “Dietschers en Duitschers verbonden in de Toekomst - Saamgedreven door het lot - Vereend in Gevaar” (Niederländer und Deutsche verbunden in der Zukunft - Zusammengetrieben durch das Schicksal - Vereint in Gefahr). Der Begriff “Dietschers” bezieht sich auf die Idee eines großniederländischen oder großgermanischen Volkes und war Teil der NSB-Ideologie, die eine rassische und kulturelle Verwandtschaft zwischen Niederländern und Deutschen propagierte.
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande, die am 15. Mai 1940 mit der Kapitulation endete, erhoffte sich Mussert zunächst, eine führende Rolle in der Verwaltung des besetzten Landes zu spielen. Die deutschen Besatzer unter Reichskommissar Arthur Seyß-Inquart nutzten die NSB jedoch hauptsächlich als Werkzeug ihrer Besatzungspolitik, ohne Mussert die erhoffte Macht zu geben. Die NSB wurde zur einzigen zugelassenen politischen Partei erklärt, blieb aber unter strikter deutscher Kontrolle.
Die Stiftung dieser Medaille im Herbst 1940 diente mehreren propagandistischen Zwecken. Sie sollte die während der Invasion verhafteten NSB-Mitglieder ehren und ihre Internierung durch die niederländische Regierung als ungerechte Verfolgung darstellen. Gleichzeitig propagierte sie die ideologische Verbindung zwischen der NSB und dem nationalsozialistischen Deutschland. Die Medaille war ein Instrument zur Stärkung des Zusammenhalts innerhalb der Bewegung und zur Rechtfertigung der Kollaboration mit den deutschen Besatzern.
Als nicht tragbare Medaille war dieses Stück primär als Erinnerungs- und Sammelobjekt konzipiert, nicht als militärische Auszeichnung im eigentlichen Sinne. Solche Medaillen wurden typischerweise in begrenzter Auflage hergestellt und an ausgewählte Personen vergeben, die während der genannten Periode verhaftet oder in besonderer Weise für die Bewegung tätig waren.
Nach der Befreiung der Niederlande 1945 wurde die NSB verboten und ihre Mitglieder zur Rechenschaft gezogen. Anton Mussert wurde im Dezember 1945 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 7. Mai 1946 hingerichtet. Zehntausende NSB-Mitglieder wurden in der Nachkriegszeit interniert, vor Gericht gestellt oder in ihren bürgerlichen Rechten eingeschränkt. Die Kollaboration mit den deutschen Besatzern blieb ein traumatisches und kontroverses Kapitel der niederländischen Geschichte.
Heute sind solche Objekte wichtige historische Quellen für das Verständnis der Kollaborationsbewegungen während des Zweiten Weltkriegs. Sie dokumentieren die Propaganda, Symbolik und Selbstdarstellung faschistischer Bewegungen in den besetzten Gebieten und dienen der historischen Forschung und Aufklärung über diese dunkle Periode der europäischen Geschichte.