Preussen Eisernes Kreuz 1914 1. Klasse an Schraubscheibe - Meybauer
Das Eiserne Kreuz 1. Klasse des Ersten Weltkriegs stellt eine der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Kaiserreichs dar. Die vorliegende Dekoration, hergestellt von der renommierten Firma Meybauer aus Berlin, verkörpert die preußische Militärtradition und die herausragende Handwerkskunst deutscher Ordensfertiger dieser Epoche.
Das Eiserne Kreuz wurde ursprünglich im Jahr 1813 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen während der Befreiungskriege gegen Napoleon gestiftet. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 erneuerte Kaiser Wilhelm II. diese traditionsreiche Auszeichnung durch eine Kabinettsorder vom 5. August 1914. Die Erneuerung erfolgte in drei Stufen: dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes.
Die 1. Klasse des Eisernen Kreuzes wurde wesentlich seltener verliehen als die 2. Klasse und setzte in der Regel deren vorherigen Besitz voraus. Während des Ersten Weltkriegs erhielten etwa 218.000 Personen diese hohe Auszeichnung, verglichen mit über fünf Millionen Verleihungen der 2. Klasse. Die Vergabekriterien erforderten außergewöhnliche Tapferkeit oder herausragende Führungsleistungen im direkten Feindkontakt.
Die technische Ausführung dieses Exemplars entspricht den typischen Merkmalen der Meybauer-Fertigung. Die Firma Gebrüder Godet & Sohn und später Paul Meybauer gehörten zu den führenden Herstellern militärischer Auszeichnungen im Kaiserreich. Der geschwärzte Eisenkern kontrastiert eindrucksvoll mit dem Silberrahmen, der rückseitig die Punze “800” trägt, was den Feingehalt des verwendeten Silbers dokumentiert.
Das charakteristische Konstruktionsmerkmal der 1. Klasse bestand in der Schraubscheibe, mittels derer die Dekoration an der Uniform befestigt wurde. Die vorliegende Flügelschraube trägt die Bezeichnung “D.R.G.M. 653146”, wobei D.R.G.M. für “Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster” steht. Diese Kennzeichnung belegt die geschützte Konstruktion der Befestigungsmechanik und ermöglicht eine präzise Zuordnung zu bestimmten Herstellern und Produktionsperioden. Die zusätzliche Punzierung “PM” steht für Paul Meybauer, einen der angesehensten Ordenshersteller Berlins mit Sitz in der Breiten Straße.
Im Gegensatz zum Eisernen Kreuz 2. Klasse, das an einem schwarz-weißen Band getragen wurde, wurde die 1. Klasse direkt auf der linken Brustseite der Uniform angebracht. Diese Trageweise unterstrich die besondere Bedeutung der Auszeichnung und machte sie sofort sichtbar. Die flache Konstruktion mit Schraubscheibe gewährleistete einen sicheren Halt am Uniformstoff, ohne die Bewegungsfreiheit des Trägers einzuschränken.
Die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse erfolgte ohne Urkunde, was die Dokumentation und spätere historische Zuordnung erschwert. Dennoch lassen sich anhand von Regimentsakten, Kriegstagebüchern und persönlichen Aufzeichnungen viele Verleihungen nachvollziehen. Empfänger dieser Auszeichnung fanden sich in allen Truppengattungen, von der Infanterie über die Kavallerie bis zur neu entstandenen Fliegertruppe.
Die Symbolik des Eisernen Kreuzes vereinte mehrere Bedeutungsebenen: Das Kreuz als christliches Symbol, der schwarze Eisenkern als Ausdruck preußischer Schlichtheit und Härte, sowie die silberne Umrahmung als Zeichen von Wert und Ehre. Die Gestaltung mit der markanten Jahreszahl “1914” im unteren Arm und der Königskrone mit den Initialen “W” (für Wilhelm) im oberen Arm folgte streng der königlichen Stiftungsverordnung.
Nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 und der Abdankung Wilhelms II. behielt das Eiserne Kreuz seine Bedeutung als Symbol soldatischer Tapferkeit. Träger durften ihre erworbenen Auszeichnungen weiterhin führen, und die Dekoration blieb auch in der Weimarer Republik ein anerkanntes Zeichen militärischer Ehre.
Aus sammlungshistorischer Perspektive repräsentieren Stücke der Firma Meybauer aufgrund ihrer hohen Fertigungsqualität besonders gesuchte Exemplare. Die präzise Ausführung, die saubere Punzierung und die solide Konstruktion der Befestigungsmechanik zeugen von der handwerklichen Meisterschaft der Berliner Ordenswerkstätten. Der leicht getragene Zustand dieses Exemplars deutet darauf hin, dass es tatsächlich von einem Soldaten im Feld getragen wurde, was seinen historischen Wert zusätzlich unterstreicht.