Preußen Pickelhaube für einen Feldwebel im Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10 oder Niedersächsisches Feldartillerie-Regiment Nr. 46, 1.,4.,5. und 6. Batterie

Standort Hannover, bzw. Wolfenbüttel-Celle. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der Linienadler in der Ausführung für Offiziere, fein gearbeitet mit aufpolierten Kanten, aufgelegt das Ehrenbandeau «Peninsula - Waterloo – Göhrde». Gewölbte Schuppenketten an Rosetten, die beiden Kokarden in der Ausführung für Mannschaften. Teller wie für Offiziere mit Sternschrauben, kleine abschraubbare Kugel. Innen mit hellem Lederschweißband und hellbeigem Ripsfutter, die Schirme nicht gefüttert (!), in der Glocke handschriftlich die Größe «60 ½». Zustand 2.

Der Helmadler mit dem Bandeau „Peninsula – Waterloo – Göhrde“ wurde im Jahr 1899 sowohl dem Feldartillerie-Regiment Nr. 10 als auch den 1., 4., 5. und 6. Batterien des Feldartillerie-Regiments Nr. 46 verliehen. Dies erklärt sich daraus, dass die genannten Batterien des FAR 46 ursprünglich aus dem FAR 10 hervorgegangen waren.
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2.800,00

Preußen Pickelhaube für einen Feldwebel im Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10 oder Niedersächsisches Feldartillerie-Regiment Nr. 46, 1.,4.,5. und 6. Batterie

Die preußische Pickelhaube für Unteroffiziere und Mannschaften der Artillerie stellt eines der ikonischsten Symbole der deutschen Militärgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar. Das vorliegende Exemplar, das einem Feldwebel des Feldartillerie-Regiments von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10 oder des Niedersächsischen Feldartillerie-Regiments Nr. 46 zugeordnet werden kann, vereint in einzigartiger Weise verschiedene Qualitätsmerkmale und erzählt von der komplexen Traditionspflege der preußischen Armee.

Die Pickelhaube wurde 1842 unter König Friedrich Wilhelm IV. in der preußischen Armee eingeführt und löste den bisherigen Tschako ab. Ihr charakteristischer Spitz sollte nicht nur einen imposanten optischen Eindruck vermitteln, sondern auch Säbelhiebe ablenken. Bis zum Ersten Weltkrieg blieb sie die Standard-Kopfbedeckung der preußischen und später der deutschen Armee, wobei verschiedene Waffengattungen durch unterschiedliche Beschläge und Embleme gekennzeichnet waren.

Besonders bemerkenswert an diesem Helm ist die Kombination von Ausstattungsmerkmalen verschiedener Dienstgrade. Der Linienadler in Offiziersausführung mit fein gearbeiteten, aufpolierten Kanten deutet auf die gehobene Stellung eines Feldwebels als ranghöchstem Unteroffizier hin. Feldwebel nahmen in der preußischen Armee eine Sonderstellung ein – sie waren die Verbindung zwischen den Offizieren und der Mannschaft und genossen besondere Privilegien.

Das aufgelegte Ehrenbandeau "Peninsula - Waterloo - Göhrde“ trägt eine außerordentliche historische Bedeutung. Diese drei Schlachtenbezeichnungen verweisen auf herausragende militärische Leistungen während der Napoleonischen Kriege. Die Peninsula-Kampagne (1807-1814) bezeichnet die Kämpfe auf der Iberischen Halbinsel, die Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 markierte das endgültige Ende der napoleonischen Herrschaft, und das Gefecht bei Göhrde am 16. September 1813 war ein bedeutender Sieg der Alliierten während der Befreiungskriege.

Im Jahr 1899 wurde dieses Ehrenbandeau sowohl dem Feldartillerie-Regiment Nr. 10 als auch den 1., 4., 5. und 6. Batterien des Feldartillerie-Regiments Nr. 46 verliehen. Diese doppelte Verleihung erklärt sich aus der Regimentsgeschichte: Die genannten Batterien des FAR 46 waren ursprünglich aus dem FAR 10 hervorgegangen. Solche Traditionsverbindungen wurden in der preußischen Armee sorgfältig gepflegt, um die Kontinuität militärischer Ehre und Tapferkeit über Generationen hinweg zu bewahren.

Das Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10 hatte seinen Standort in Hannover und trug den Ehrennamen des bedeutenden preußischen Heeresreformers Gerhard von Scharnhorst (1755-1813). Das Regiment gehörte zum X. Armeekorps und war tief in der hannoverschen Militärtradition verwurzelt. Das Niedersächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 46 war zwischen Wolfenbüttel und Celle stationiert und teilte durch seine Batterien die Traditionslinie mit dem Regiment Nr. 10.

Die technischen Details des Helms entsprechen den Vorschriften der Zeit: Die gewölbten Schuppenketten an Rosetten dienten zur Kinnriemenbefestigung, wobei Schuppenketten ab den 1890er Jahren die älteren Ringketten ersetzten. Die beiden Kokarden – die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot und die Landeskokarde in den preußischen Farben – sind in Mannschaftsausführung gehalten, was die gemischte Ausstattung dieses Feldwebelhelms unterstreicht.

Der Teller (die Spitzenhalterung) ist wie für Offiziere mit Sternschrauben ausgeführt, die kleine Kugel ist abschraubbar – ein praktisches Detail, das bei Paraden durch Haarbüsche oder Federbüsche ersetzt werden konnte. Das helle Lederschweißband und das hellbeige Ripsfutter im Inneren, kombiniert mit ungefütterten Schirmen, entsprechen der Ausführung für Unteroffiziere und frühe Feldwebel-Modelle.

Die handschriftliche Größenangabe "60 ½“ in der Glocke war eine übliche Praxis, um die individuelle Anpassung des Helms zu dokumentieren. Dies entspricht einem Kopfumfang von etwa 60,5 Zentimetern, was auf einen Träger mit überdurchschnittlich großer Kopfgröße hindeutet.

Solche Helme waren nicht nur funktionale Schutzausrüstung, sondern auch Symbole militärischer Identität und Tradition. Sie verkörperten die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit und trugen die Geschichte dieser Einheit buchstäblich zur Schau. Die Erhaltung solcher Objekte ermöglicht es uns heute, die materielle Kultur und die Wertevorstellungen der preußisch-deutschen Militärgesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg zu verstehen und zu dokumentieren.