Reichseinheitsverband des deutschen Gaststättengewerbes ( REV ) - Silberne Ehrennadel für 25 jährige Mitgliedschaft
Die Silberne Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft des Reichseinheitsverbandes des deutschen Gaststättengewerbes (REV) repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte während der nationalsozialistischen Ära. Diese Auszeichnung verdeutlicht die systematische Gleichschaltung der Berufsstände und die Integration gewerblicher Organisationen in das NS-Herrschaftssystem.
Der Reichseinheitsverband des deutschen Gaststättengewerbes entstand im Zuge der nationalsozialistischen Umgestaltung der deutschen Berufsorganisationen nach 1933. Die Gleichschaltungspolitik des Regimes erfasste nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, einschließlich des Gaststättengewerbes. Der REV fungierte als zentrale Organisation, die alle Gastwirte, Hoteliers und Restaurantbetreiber des Deutschen Reiches unter einem ideologischen und organisatorischen Dach vereinte.
Die vorliegende Ehrennadel wurde von der renommierten Firma Walgo aus Kierspe-Bahnhof hergestellt, einem etablierten Hersteller von Auszeichnungen und Ehrenzeichen. Die Kennzeichnung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt) sowie der Silberstempel 0,935 belegen die hochwertige Verarbeitung und den offiziellen Charakter dieser Auszeichnung. Der Silbergehalt von 935/1000 entspricht dem damals üblichen Standard für staatliche und verbandliche Ehrenzeichen.
Die Verleihung dieser Nadel für 25-jährige Mitgliedschaft diente mehreren Zwecken. Einerseits sollte sie die Treue und Beständigkeit langjähriger Verbandsmitglieder würdigen, andererseits festigte sie die Bindung der Gewerbetreibenden an die nationalsozialistische Ordnung. Solche Auszeichnungen waren Teil eines ausgeklügelten Systems von Anreizen und Kontrollen, mit dem das Regime die Loyalität verschiedener Berufsgruppen sichern wollte.
Das Gaststättengewerbe spielte im NS-Staat eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Gaststätten, Hotels und Restaurants waren nicht nur wirtschaftliche Betriebe, sondern auch Orte der sozialen Begegnung und politischen Kommunikation. Die Organisation und Kontrolle dieses Sektors war daher für das Regime von strategischer Bedeutung. Der REV fungierte als Transmissionsriemen zwischen der staatlichen Verwaltung und den einzelnen Betrieben.
Die Mitgliedschaft im Reichseinheitsverband war für Gewerbetreibende faktisch obligatorisch, wenn sie ihren Beruf weiterhin ausüben wollten. Dies entsprach dem Prinzip der Zwangsmitgliedschaft, das für viele Berufsorganisationen im Dritten Reich galt. Die Verleihung von Ehrennadeln für langjährige Mitgliedschaft dokumentiert somit nicht nur individuelle Berufstreue, sondern auch die Kontinuität älterer Gewerbetreibender durch die politischen Umbrüche der 1930er Jahre.
Die handwerkliche Qualität der Nadel spiegelt die hohen Standards wider, die bei der Herstellung solcher Auszeichnungen angelegt wurden. Die lange Nadel ermöglichte das sichere Befestigen an der Kleidung, typischerweise am Revers. Die Firma Walgo in Kierspe, einem Zentrum der metallverarbeitenden Industrie im Sauerland, gehörte zu den zahlreichen Unternehmen, die sich auf die Produktion von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen spezialisiert hatten.
Solche Verbandssauszeichnungen sind heute wichtige zeithistorische Dokumente. Sie illustrieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationsstrukturen und zeigen, wie das Regime auch scheinbar unpolitische Berufsbereiche ideologisch vereinnahmte. Gleichzeitig dokumentieren sie die Alltagsgeschichte des Gaststättengewerbes und die Biografien einzelner Gewerbetreibender.
Die Bewertung im Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene Auszeichnung hin, was bei Silberobjekten aus dieser Zeit nicht selbstverständlich ist. Die Erhaltung solcher historischer Objekte ermöglicht es Forschern und Sammlern, materielle Zeugnisse einer komplexen historischen Epoche zu studieren und zu bewahren.