SS-Porzellanmanufaktur Allach, bittender Bär

Nr. 5, Prof. Th. Kärner, farbig, Hersteller-Marke unter Glasur, die Figur zeigt leichte Abplatzungen am Sockel, ansonsten ist sie in guter Erhaltung.
493720
950,00

SS-Porzellanmanufaktur Allach, bittender Bär

Die SS-Porzellanmanufaktur Allach stellt eines der kontroversesten Kapitel in der Geschichte der deutschen Porzellankunst des 20. Jahrhunderts dar. Gegründet 1935 in München-Allach unter der Schirmherrschaft des SS-Ahnenerbes, entwickelte sich diese Manufaktur zu einem bedeutenden Produzenten von Kunstporzellan während der NS-Zeit.

Der hier beschriebene “bittende Bär” (Nr. 5) nach einem Entwurf von Professor Theodor Kärner repräsentiert die künstlerische Ausrichtung der Manufaktur, die sich auf Tierfiguren und völkische Motive konzentrierte. Kärner, ein renommierter Bildhauer und Professor an der Münchner Akademie, schuf für Allach eine Reihe von Tierfiguren, die der nationalsozialistischen Ideologie von “Blut und Boden” entsprechen sollten.

Die Manufaktur wurde unter der Leitung von Karl Diebitsch und später Franz Nagy betrieben und war direkt dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler unterstellt. Die Produktion erfolgte zunächst mit zivilen Arbeitskräften, später jedoch zunehmend durch KZ-Häftlinge, was die dunkle Seite dieser scheinbar harmlosen Kunstgegenstände verdeutlicht.

Die charakteristische Herstellermarke unter Glasur - bestehend aus den Siegrunen der SS, dem Schriftzug “Allach” und oft einer Modellnummer - diente nicht nur zur Kennzeichnung, sondern auch zur Qualitätssicherung. Die farbige Ausführung der Figuren war technisch anspruchsvoll und zeugt von der hohen handwerklichen Qualität der Manufaktur.

Nach 1945 wurde die Produktion eingestellt, und die Formen sowie das gesamte Inventar wurden von den Alliierten beschlagnahmt. Heute sind diese Objekte wichtige Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte und werden in Museen und Sammlungen als Mahnung an die Instrumentalisierung von Kunst und Handwerk durch totalitäre Regime aufbewahrt.