XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Offizielles Teilnehmerabzeichen für einen Sportler in der Sportdisziplin Schwimmen
Das offizielle Teilnehmerabzeichen der XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin stellt ein bedeutendes Zeugnis der olympischen Geschichte und der politischen Instrumentalisierung des Sports im nationalsozialistischen Deutschland dar. Dieses spezielle Abzeichen wurde für einen Athleten in der Disziplin Schwimmen ausgegeben und trägt die Matrikelnummer 4319 sowie die Herstellerbezeichnung L.Chr.Lauer Nürnberg-Berlin.
Die Olympischen Sommerspiele 1936 fanden vom 1. bis 16. August 1936 in Berlin statt und waren die ersten Spiele, die das nationalsozialistische Regime als gigantische Propagandaveranstaltung nutzte. Deutschland hatte die Austragungsrechte bereits 1931 erhalten, zwei Jahre vor der Machtergreifung Adolf Hitlers. Das Internationale Olympische Komitee unter Henri de Baillet-Latour beobachtete die Entwicklungen in Deutschland mit wachsender Sorge, entschied sich aber letztlich gegen eine Verlegung der Spiele.
Die Teilnehmerabzeichen waren offiziell ausgegebene Identifikationsmarken für alle akkreditierten Athleten, Funktionäre und Offizielle. Sie dienten als Zugangsberechtigungen zu den olympischen Anlagen und als Nachweis der offiziellen Teilnahme an den Spielen. Jedes Abzeichen wurde mit einer individuellen Matrikelnummer versehen, die eine eindeutige Zuordnung ermöglichte und Fälschungen erschweren sollte.
Das Material Tombak, eine Legierung aus Kupfer und Zink mit goldähnlichem Aussehen, war in den 1930er Jahren ein gängiges Material für Abzeichen und Orden. Die Firma L.Chr.Lauer aus Nürnberg-Berlin gehörte zu den renommiertesten Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und sportlichen Auszeichnungen im Deutschen Reich. Das Unternehmen Christian Lauer war bereits seit dem 19. Jahrhundert für die Qualität seiner metallurgischen Arbeiten bekannt.
Das dunkelblaue Band mit dem Aufdruck “Schwimmen” kennzeichnete die spezifische Sportart des Trägers. Diese farbliche Kodierung war Teil eines ausgeklügelten Organisationssystems, das eine schnelle visuelle Identifikation der verschiedenen Sportdisziplinen ermöglichte. Die Schwimmwettbewerbe fanden im eigens für die Olympischen Spiele erbauten Reichssportfeld statt, das auch das olympische Schwimmstadion umfasste.
Bei den Schwimmwettbewerben 1936 waren insgesamt 248 Athleten aus 27 Nationen am Start. Die Wettkämpfe wurden zwischen dem 8. und 15. August ausgetragen. Besonders bemerkenswert war die Dominanz der amerikanischen und japanischen Schwimmer. Die amerikanischen Schwimmerinnen gewannen fast alle Wettbewerbe, während bei den Männern die japanischen Athleten besonders erfolgreich waren.
Die politische Dimension dieser Spiele kann nicht ignoriert werden. Das NS-Regime investierte enorme Summen in die Ausrichtung und nutzte die Veranstaltung als Schaufenster für das “neue Deutschland”. Joseph Goebbels' Propagandaapparat inszenierte die Spiele mit bis dahin ungekanntem Aufwand. Gleichzeitig wurden während der Spiele antisemitische Schilder vorübergehend entfernt und rassistische Hetze reduziert, um die internationale Öffentlichkeit nicht zu verschrecken.
Die technische Umsetzung der Teilnehmerabzeichen folgte strengen Vorgaben des Organisationskomitees unter der Leitung von Carl Diem und Theodor Lewald. Jedes Detail, von der Größe über das Material bis zur Befestigungsmethode, war genau festgelegt. Die Nadelverschlüsse ermöglichten ein sicheres Tragen an der Kleidung.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die sportliche Veranstaltung selbst, sondern auch die organisatorischen Strukturen, handwerklichen Standards und die politische Instrumentalisierung des Sports. Der Erhaltungszustand 2 bedeutet, dass das Abzeichen sehr gut erhalten ist mit nur minimalen Gebrauchsspuren.
Für Sammler und Historiker sind diese Teilnehmerabzeichen von besonderem Interesse, da sie eine direkte Verbindung zu den tatsächlichen Athleten darstellen. Die Matrikelnummer könnte theoretisch einer bestimmten Person zugeordnet werden, wenn entsprechende Archivmaterialien noch existieren. Das Bundesarchiv Berlin und das Olympische Archiv bewahren teilweise noch Unterlagen aus dieser Zeit auf.
Die Olympischen Spiele 1936 bleiben ein kontroverses Kapitel der Sportgeschichte - einerseits sportlich bedeutend mit zahlreichen Rekorden und der Einführung neuer Traditionen wie dem Fackellauf, andererseits als Beispiel für die Vereinnahmung des Sports durch ein totalitäres Regime. Objekte wie dieses Teilnehmerabzeichen helfen uns, diese komplexe Geschichte greifbar zu machen und zu verstehen.