1. Weltkrieg Spendenmedaille "Altgummi Sammlung 1916"

Eisen lackiert, Durchmesser 30 mm, Rückseite Aufschrift "Das Allermindeste Müsst ihr entdecken Auf das geschwindeste in allen Ecken" Goethe, Zustand 2
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30,00

1. Weltkrieg Spendenmedaille "Altgummi Sammlung 1916"

Die Spendenmedaille zur Altgummi-Sammlung 1916 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Heimatfront während des Ersten Weltkriegs. Diese kleine, aus lackiertem Eisen gefertigte Medaille mit einem Durchmesser von 30 mm war Teil einer umfassenden Kampagne zur Rohstoffbeschaffung in einer Zeit zunehmender wirtschaftlicher Not.

Der Erste Weltkrieg entwickelte sich rasch zu einem totalen Krieg, der nicht nur an den Fronten, sondern auch in der Heimat geführt wurde. Die britische Seeblockade, die ab 1914 gegen das Deutsche Reich verhängt wurde, schnitt Deutschland systematisch von lebenswichtigen Rohstoffimporten ab. Bereits 1915 machten sich die Auswirkungen deutlich bemerkbar, und 1916 hatte sich die Versorgungslage dramatisch verschlechtert. Rohstoffe wie Kautschuk, Metalle und andere kriegswichtige Materialien wurden zu kritischen Mangelwaren.

Als Reaktion auf diese Krise initiierte die Reichsregierung verschiedene Sammelaktionen, um die notwendigen Materialien für die Kriegswirtschaft zu beschaffen. Die Altgummi-Sammlung von 1916 war eine dieser systematischen Kampagnen. Gummi war für die Kriegsführung von enormer Bedeutung: für Fahrzeugreifen, Dichtungen, Isolierungen und zahlreiche militärische Ausrüstungsgegenstände. Der natürliche Kautschuk musste aus Übersee importiert werden, und die Blockade machte dies nahezu unmöglich.

Die Spendenmedaillen dienten einem doppelten Zweck: Sie waren einerseits eine Anerkennung für die Bürger, die sich an den Sammelaktionen beteiligten, andererseits fungierten sie als Propagandainstrumente. Die Ausgabe solcher Medaillen motivierte die Bevölkerung zur aktiven Teilnahme an der Kriegsanstrengung und schuf ein Gefühl der Einbindung in den nationalen Kampf.

Besonders bemerkenswert ist die Inschrift auf der Rückseite dieser Medaille, die ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe trägt: “Das Allermindeste Müsst ihr entdecken Auf das geschwindeste in allen Ecken”. Die Verwendung eines Goethe-Zitats war keineswegs zufällig. Sie verband die profane Aufgabe des Sammelns von Altmaterial mit deutscher Hochkultur und verlieh der Aktion eine höhere, fast patriotische Bedeutung. Goethe, als Symbol deutscher Geisteskultur, sollte die Sammlung nobilitieren und die Bevölkerung anspornen, auch die kleinsten Gummireste aufzuspüren und abzugeben.

Die Herstellung der Medaille aus lackiertem Eisen ist ebenfalls signifikant. In Friedenszeiten wären solche Auszeichnungen typischerweise aus Bronze oder anderen Nichteisenmetallen gefertigt worden. Die Verwendung von Eisen spiegelt die Materialknappheit wider und demonstriert das Prinzip der Ressourcenschonung selbst bei der Herstellung von Sammelabzeichen. Der Lack diente dem Korrosionsschutz des einfachen Eisens.

Das Jahr 1916 markierte einen Wendepunkt im Krieg. Der “Steckrübenwinter” 1916/17 stand unmittelbar bevor, und die Versorgungslage der deutschen Zivilbevölkerung verschlechterte sich dramatisch. Die Kriegsrohstoffabteilung unter Walther Rathenau hatte bereits früh begonnen, die Wirtschaft zu organisieren und Ersatzstoffe zu entwickeln, doch der Bedarf überstieg die verfügbaren Ressourcen bei weitem.

Solche Spendenmedaillen wurden in großer Zahl produziert und an Sammler ausgegeben, oft gegen eine zusätzliche kleine Spende oder als Dankeschön für die Abgabe von Altmaterial. Sie wurden zu einem charakteristischen Merkmal der deutschen Heimatfront und spiegelten die zunehmende Mobilisierung der Gesellschaft für die Kriegsanstrengungen wider.

Heute sind diese Medaillen wichtige historische Zeugnisse, die Einblick in die wirtschaftliche und soziale Realität des Ersten Weltkriegs geben. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Not, sondern auch die Propagandastrategien und die Versuche der Reichsregierung, die Bevölkerung für den totalen Krieg zu mobilisieren. Die Verbindung von praktischem Nutzen, kultureller Referenz und patriotischer Symbolik macht diese scheinbar einfachen Objekte zu komplexen historischen Quellen, die viel über die deutsche Gesellschaft in der Kriegszeit aussagen.

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