Aus der Fundgrube: Luftwaffe
Die Luftwaffe bildete während des Zweiten Weltkriegs die Luftstreitkräfte des nationalsozialistischen Deutschland und stellte neben Heer und Kriegsmarine eine der drei Teilstreitkräfte der Wehrmacht dar. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Deutschland durch den Versailler Vertrag von 1919 die Unterhaltung einer Luftwaffe zunächst untersagt worden. Erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann der geheime, später offene Wiederaufbau deutscher Luftstreitkräfte.
Im März 1935 wurde die Luftwaffe offiziell gegründet und Hermann Göring zu ihrem Oberbefehlshaber ernannt. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einer der schlagkräftigsten Luftwaffen der Welt. Die Organisation umfasste nicht nur fliegendes Personal, sondern auch Flakartillerie, Luftnachrichtentruppen und Fallschirmjäger. Während des Krieges dienten Millionen von Soldaten in der Luftwaffe, die eine Vielzahl von Uniformen, Ausrüstungsgegenständen und Abzeichen trugen.
Entnazifizierung bezeichnet den nach 1945 durchgeführten Prozess der Entfernung nationalsozialistischer Symbole, Ideologie und Strukturen aus dem öffentlichen Leben und aus Gegenständen. Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 wurde durch die Alliierten ein umfassendes Programm zur Entnazifizierung eingeleitet. Dies betraf nicht nur Personen und Institutionen, sondern auch militärische Ausrüstungsgegenstände und Memorabilia.
Gemäß den Kontrollratsgesetzen, insbesondere dem Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945, wurden alle nationalsozialistischen Organisationen aufgelöst und ihre Symbole verboten. Das betraf insbesondere das Hakenkreuz, SS-Runen und andere NS-Embleme. Militärische Gegenstände der Wehrmacht und speziell der Luftwaffe, die solche Symbole trugen, mussten entnazifiziert werden, um sie legal aufbewahren oder verwenden zu können.
Die Entnazifizierung von Militaria erfolgte auf verschiedene Weise: Hakenkreuze wurden aus Metallgegenständen herausgeschnitten, von Textilien entfernt oder auf andere Weise unkenntlich gemacht. Bei Uniformstücken wurden entsprechende Abzeichen entfernt, bei Helmen die Hoheitsadler herausgetrennt, bei Orden und Ehrenzeichen die Swastika-Symbole eliminiert. Dieser Prozess wurde teils von den Alliierten selbst, teils von deutschen Behörden in der Nachkriegszeit, teils auch von Privatpersonen durchgeführt.
Luftwaffen-Objekte aus der Zeit zwischen 1935 und 1945 sind heute Teil der militärhistorischen Sammlerkultur. Sie dokumentieren ein wichtiges, wenn auch dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Sammler und Museen bewahren solche Gegenstände aus verschiedenen Gründen auf: zur historischen Dokumentation, zur Forschung und zur Bildung künftiger Generationen über die Gefahren totalitärer Regime.
In Deutschland ist der Umgang mit NS-Symbolen streng geregelt. Nach § 86a des Strafgesetzbuches ist das öffentliche Zeigen verfassungswidriger Symbole verboten, es sei denn, es dient der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst, der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre. Entnazifizierte Gegenstände fallen nicht unter dieses Verbot, da die problematischen Symbole entfernt wurden.
Die historische Bedeutung solcher entnazifizierten Objekte liegt gerade in ihrer Transformation: Sie zeigen nicht nur die ursprüngliche militärische Verwendung, sondern dokumentieren auch den Prozess der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Sie sind somit Zeugnisse zweier Epochen – der NS-Zeit selbst und der Nachkriegszeit mit ihren Bemühungen um Aufarbeitung und Distanzierung.
Für Historiker und Sammler sind entnazifizierte Luftwaffen-Objekte wichtige Studienobjekte, die Einblicke in Uniformierung, Ausrüstung, Herstellungsverfahren und militärische Organisation geben. Gleichzeitig mahnen sie zur Erinnerung an die Verbrechen, die unter dem NS-Regime begangen wurden, und an die Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs.