Blechspielzeug - Heer Feldkanone mit Schutzschild, Märklin

Eisenblechfertigung, in Mimikri-Tarnlackierung, Blechreifen , Länge 21 cm, Zustand 2/3
520421
110,00

Blechspielzeug - Heer Feldkanone mit Schutzschild, Märklin

Diese Märklin Feldkanone mit Schutzschild in Mimikri-Tarnlackierung repräsentiert ein faszinierendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte und dokumentiert zugleich die militarisierte Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts. Das aus Eisenblech gefertigte Spielzeug mit einer Länge von 21 cm und Blechreifen wurde von der traditionsreichen Firma Gebr. Märklin & Cie. aus Göppingen hergestellt.

Märklin wurde 1859 von Theodor Friedrich Wilhelm Märklin gegründet und produzierte zunächst Puppenhausbekleidung aus Blech. Im frühen 20. Jahrhundert expandierte das Unternehmen in die Herstellung diverser Metallspielzeuge, einschließlich militärischer Artikel. Deutschland war in dieser Periode hochgradig militarisiert, und Militärspielzeuge wie Kanonen, Panzer und Soldatenfiguren waren kulturell alltäglich. Märklin produzierte Spielzeuggewehre und Artilleriestücke von den 1900er bis 1910er Jahren bis in die 1930er Jahre. Mit fortschreitenden 1930er Jahren wurde Märklins Waffensortiment zunehmend durch die expandierende Modelleisenbahn-Produktion verdrängt.

Die charakteristische Mimikri-Tarnlackierung dieses Stücks deutet auf eine Produktion während der 1930er bis frühen 1940er Jahre hin, als solche Tarnmuster in der deutschen Militärpraxis weit verbreitet wurden. Das erste massenproduzierten deutsche Tarnmuster, das Buntfarbendruck 31, später als Heeres-Splittermuster 31 bekannt, wurde 1931 eingeführt und blieb bis 1945 in Verwendung. Diese Spielzeuge wurden für den deutschen Zivilmarkt als Kinderspielzeug produziert und waren bei Jungen besonders beliebt, da sie die militarisierte Gesellschaft der Periode widerspiegelten.

Die militärisch thematisierten Spielzeuge waren oft mit Spielzeugsoldatenfiguren kompatibel, die typischerweise für 6,5 bis 7,5 cm große Figuren skaliert waren. Sie konnten hinter Spielzeugfahrzeugen gezogen werden und verfügten über bewegliche Teile einschließlich verstellbarer Rohrhöheneinstellung. Märklin produzierte eine überraschend breite Palette von Kanonenmodellen in verschiedenen Größen und Typen, mit Katalogbezeichnungen wie 8008, 8038, 8039 und anderen. Feldkanonen gehörten neben Küstenverteidigungsgeschützen, Flugabwehrkanonen, Mörsern und Schiffsverteidigungsgeschützen zu den häufigsten Typen. Die Längenvarianten reichten von etwa 13 cm bis 26 cm für die größten Küstenverteidigungsmodelle.

Die Blechspielzeugproduktion von Märklin verwendete Lithografie- und Prägeverfahren, wobei Eisenblech gestanzt, gebogen und durch Falten oder Punktschweißen zusammengesetzt wurde. Bis 1907 beschäftigte Märklin etwa 700 Mitarbeiter und erreichte Produktionskapazitäten von Zehntausenden Einheiten jährlich für verschiedene Spielzeugtypen. Während des Ersten Weltkriegs produzierte Märklin Granathülsen und Koppelschlösser. Im Zweiten Weltkrieg lief die zivile Spielzeugproduktion bis Anfang 1943 weiter, als die Fabrik auf Kriegsproduktion umstellte und druckempfindliche Minenzünder (Entlastungzünder 44) herstellte.

Die Göppinger Fabrik überstand den Zweiten Weltkrieg trotz naher Bombardierungen im April 1945 relativ unversehrt, und die Spielzeugproduktion wurde Ende 1945 wieder aufgenommen. Nach dem Krieg nahm Märklin die zivile Spielzeugproduktion wieder auf und konzentrierte sich schließlich fast ausschließlich auf Modelleisenbahnen, wobei das Unternehmen zu einem der weltweit führenden Modelleisenbahnhersteller wurde. Die Familie Märklin beendete nach 102 Jahren ihre Beteiligung im Jahr 1961. Das Unternehmen wechselte in der Nachkriegszeit mehrfach den Besitzer und meldete 2009 Insolvenz an, führt aber den Betrieb fort.

Vorkriegs-Militärspielzeuge von Märklin, einschließlich Feldkanonen, sind heute gesuchte Sammlerstücke. Solche Stücke werden als kulturhistorische Artefakte geschätzt, die sowohl die Spielzeuggeschichte als auch die militarisierte Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland dokumentieren. Originale Exemplare in gutem Zustand wie dieses Stück mit der Zustandsbewertung 2/3 (auf einer Sammlerskala von 1 für neuwertig bis 6 für stark beschädigt) sind bei Sammlern begehrt. Ein Museum, das Märklineum in Göppingen, bewahrt die 165-jährige Geschichte des Unternehmens.