Deutsches Kartell für Jagd- und Sportschießen ( KKS ) Gausieger 1935

Ehrenzeichen, 950 Silber vergoldet und fein emailliert, rückseitig mit Hersteller aus Pforzheim und "950" Silberpunze, an langer Nadel, Zustand 2+.
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€ 350,00

Deutsches Kartell für Jagd- und Sportschießen ( KKS ) Gausieger 1935

Das vorliegende Ehrenzeichen des Deutschen Kartells für Jagd- und Sportschießen (KKS) als Gausieger 1935 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Schießsportgeschichte während der nationalsozialistischen Ära. Diese hochwertige Auszeichnung, gefertigt aus 950er Silber, vergoldet und fein emailliert, dokumentiert die organisatorische Umstrukturierung des deutschen Schießsportwesens in den 1930er Jahren.

Das Deutsche Kartell für Jagd- und Sportschießen entstand im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik, die alle gesellschaftlichen Bereiche erfasste. Nach der Machtübernahme 1933 wurden traditionelle Schützenverbände und -vereine reorganisiert und unter zentraler Kontrolle zusammengeführt. Das KKS fungierte dabei als Dachorganisation für den zivilen Schießsport, während militärische Schießausbildung anderen Institutionen vorbehalten blieb.

Die Gausieger-Auszeichnung von 1935 markiert eine bedeutsame Phase in dieser Entwicklung. Das Jahr 1935 war geprägt von der fortschreitenden Militarisierung der deutschen Gesellschaft: Im März wurde die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt, und die Wehrmacht offiziell gegründet. In diesem Kontext erhielt der Schießsport eine besondere ideologische Bedeutung als vormilitärische Ausbildung und Förderung der “Wehrhaftigkeit” der Bevölkerung.

Die territoriale Gliederung nach Gauen entsprach der administrativen Struktur der NSDAP, die das Deutsche Reich in verschiedene Verwaltungsbezirke unterteilte. Gausieger-Wettkämpfe fanden auf regionaler Ebene statt und dienten als Qualifikation für Reichsmeisterschaften. Diese Wettbewerbe waren nicht nur sportliche Veranstaltungen, sondern auch Propagandainstrumente des Regimes, die den Gemeinschaftsgedanken und die körperliche Ertüchtigung im nationalsozialistischen Sinne fördern sollten.

Die handwerkliche Qualität des Ehrenzeichens verdient besondere Beachtung. Die Herstellung in Pforzheim, dem traditionellen Zentrum der deutschen Schmuck- und Bijouterieindustrie, belegt den hohen Standard dieser Auszeichnungen. Pforzheim hatte seit dem 18. Jahrhundert eine führende Rolle in der Herstellung von Orden, Ehrenzeichen und militärischen Abzeichen inne. Die Verwendung von 950er Silber - eine Legierung mit höherem Silberanteil als das übliche 925er Sterling-Silber - unterstreicht den Prestigecharakter dieser Auszeichnung.

Die Emaillierung erfolgte nach traditionellen Techniken, wahrscheinlich im Champlevé- oder Cloisonné-Verfahren. Diese aufwendige Handarbeit erforderte spezialisierte Handwerker und mehrere Brennvorgänge bei hohen Temperaturen. Die Vergoldung wurde vermutlich durch Feuervergoldung oder galvanische Verfahren aufgebracht, wobei die Qualität der Ausführung auf erstklassige Manufakturarbeit hindeutet.

Die lange Nadel an der Rückseite identifiziert das Stück eindeutig als tragbares Ehrenzeichen, das an der Zivilkleidung befestigt werden konnte. Dies unterscheidet es von reinen Medaillen oder Plaketten und betont seinen Charakter als persönliche Auszeichnung, die öffentlich getragen werden sollte.

Im breiteren historischen Kontext spiegelt dieses Ehrenzeichen die Instrumentalisierung des Sports im Nationalsozialismus wider. Schießsport wurde systematisch als Element der Wehrerziehung begriffen und in den Dienst der militärischen Vorbereitung gestellt. Die Vergabe solcher Auszeichnungen diente der Motivation der Teilnehmer und der Schaffung einer Leistungshierarchie.

Nach 1945 wurden solche Auszeichnungen im Rahmen der Entnazifizierung problematisch. Viele wurden vernichtet oder verloren ihren offiziellen Status. Heute besitzen sie primär historischen und sammlerischen Wert als Zeitdokumente einer spezifischen Epoche deutscher Geschichte.

Die Erhaltung in Zustand 2+ (nach numismatischer Bewertungsskala sehr gut bis vorzüglich) macht dieses Exemplar zu einem wertvollen historischen Artefakt. Die intakte Emaillierung, die erhaltene Vergoldung und die lesbare Punzierung ermöglichen authentische historische Forschung und museale Präsentation.

Für die historische Forschung sind solche Objekte wichtige materielle Quellen, die Einblick in Herstellungstechniken, Organisationsstrukturen und ideologische Konzepte ihrer Zeit geben. Sie ergänzen schriftliche Überlieferungen und ermöglichen ein umfassenderes Verständnis der Alltagskultur und gesellschaftlichen Praktiken im Nationalsozialismus.