Unter den zahlreichen Blankwaffen, die im nationalsozialistischen Deutschland für verschiedene Organisationen und Ränge gefertigt wurden, nimmt der HJ-Ehrendolch für Führer (Modell 1937) eine ganz besondere Stellung ein. Dieses außergewöhnliche Stück gilt als eine der seltensten Blankwaffen der Hitlerjugend und ist heute ein bedeutendes Sammlerstück von höchstem historischem Wert.
Die Hitlerjugend – Historischer Hintergrund
Die Hitlerjugend (HJ) war die Jugendorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1922 zurück. Im Juli 1926 erhielt sie den offiziellen Namen “Hitler-Jugend, Bund deutscher Arbeiterjugend”. Ab 1936 bis 1945 war sie die einzige offizielle Jugendorganisation für Jungen in Deutschland.
Ein bedeutender Ausbau begann 1933, nachdem Baldur von Schirach von Hitler zum ersten Reichsjugendführer ernannt worden war. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, stieg die Mitgliederzahl der Hitlerjugend dramatisch an – bis Ende des Jahres zählte die Organisation bereits 2.300.000 Mitglieder.
Der Führerdolch von 1937 – Entstehung und Bedeutung
Im Jahr 1937 führte die Organisation einen speziellen Führerdolch für ältere Berufsfunktionäre ein, die für die Ausbildung und Erziehung der HJ-Jugend verantwortlich waren. Dieser Dolch war ausschließlich für Führungskräfte innerhalb der HJ bestimmt und wird heute als eine der seltensten Blankwaffen der Organisation angesehen. Das Tragen eines jeden dieser Dolche wurde persönlich von Adolf Hitler genehmigt.
Der Hersteller war die renommierte Firma E. & F. Hörster aus Solingen, die den RZM-Code M7/36 seit 1935 führte. E. & F. Hörster war ein bedeutender Produzent von HJ-Messern und gehörte zu den wenigen Firmen, die sowohl das Standard-HJ-Messer als auch den selteneren Führerdolch herstellten.
Physische Beschreibung und Merkmale
Der HJ-Ehrendolch für Führer unterscheidet sich deutlich vom weit verbreiteten Standard-Fahrtenmesser der Hitlerjugend. Mit einer Gesamtlänge von etwa 35 cm (ca. 13,8 Zoll) und einer Klingenlänge von 234 mm besitzt er eine zweischneidige Klinge. Der Griff ist oval geformt, aus Holz gefertigt und mit einer feinen doppelten Drahtwicklung versehen.
Die Griffbeschläge des Führerdolches waren versilbert – im Gegensatz zur Vernickelung des Standardmessers. Der Knauf trägt das eingelegte HJ-Rautenemblem, das an den Seiten durch zwei Nieten gesichert ist. Die originale Metallscheide ist mit einem dunkelblauen bis fast schwarzen Leder überzogen, während das Standardmesser eine schwarze Scheide aufwies. Die Beschläge zeigen das charakteristische fortlaufende gedrehte Seilmotiv.
Auf der Vorderseite der Klinge findet sich die tief geätzte Devise “Blut und Ehre!”, klar und deutlich mit originaler Schwärzung. Die Rückseite trägt die Herstellermarkierung RZM M7/36 für E. & F. Hörster Solingen. Ein besonderes Detail stellt der HJ-Adler am Mundstück dar, der ein Schwert und einen Hammer hält – ein charakteristisches Merkmal dieser seltenen Stücke.
Unterscheidung vom Standard-HJ-Messer
Es ist für den Sammler wichtig, den Ehrendolch klar vom HJ/DJ-Fahrtenmesser zu unterscheiden. Das Fahrtenmesser wurde von den Mitgliedern der Hitlerjugend und des Deutschen Jungvolks getragen. Im Laufe der Jahre durchlief es verschiedene Designänderungen, darunter die Entfernung des Mottos “Blut und Ehre” im Jahr 1938. Millionen dieser Standardmesser wurden zwischen 1933 und Kriegsende produziert – ein starker Kontrast zur extremen Seltenheit des Führerdolches.
Die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale des Führerdolches gegenüber dem Standardmesser sind: versilberte statt vernickelte Beschläge, eine blaue statt schwarze Scheidenbelederung sowie die insgesamt hochwertigere Ausführung.
Das vorliegende Stück
Dieses spezifische Exemplar stammt aus der ehemaligen Sammlung von Thomas M. Johnson, USA. Es trägt die Herstellermarkierung RZM M7/36 und ist komplett mit dem anhängenden originalen Verkaufsetikett der “E. & F. Hörster Waffenfabrik Solingen” erhalten. Der Dolch befindet sich zusammen mit dem originalen schwarzen Gehänge mit versilberten Beschlägen und der Koppeltrageschlaufe in einem Verleihungsetui. Dazu gehört ein kleines Originalfoto des HJ-Führers mit dem Dolch.
Das Ende der Hitlerjugend
Mit der Kapitulation Nazideutschlands 1945 hörte die Organisation de facto auf zu existieren. Am 10. Oktober 1945 wurde die Hitlerjugend und alle ihre untergeordneten Einheiten von den Alliierten verboten. Das öffentliche Tragen aller Auszeichnungen der NSDAP, einschließlich des HJ-Abzeichens, wurde nach 1945 untersagt. Heute sind diese Stücke in privaten Sammlungen erhalten geblieben und gelten als äußerst seltene Militaria von erheblichem historischem Interesse.