Lineol - Heer Stoßtruppführer vorgehend mit Revolver

7,5 cm, Zustand 2/2-.
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25,00

Lineol - Heer Stoßtruppführer vorgehend mit Revolver

Die vorliegende Lineol-Figur eines vorgehenden Stoßtruppführers der Wehrmacht mit Revolver repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeugproduktion während der Zeit des Nationalsozialismus. Mit einer Höhe von 7,5 Zentimetern gehört diese Massefigur zu den klassischen Formaten der Nürnberger Spielzeugmanufaktur Lineol, die zwischen 1906 und den späten 1940er Jahren zu den führenden Herstellern von Militärspielzeug in Deutschland zählte.

Die Firma Lineol wurde von Oskar Wiederhholz gegründet und etablierte sich schnell als Konkurrent zu anderen bedeutenden Herstellern wie Elastolin. Der Name “Lineol” leitete sich vom Hauptbestandteil der verwendeten Masse ab, einer Mischung aus Leinöl, Sägemehl, Kasein und anderen Bindemitteln. Diese Kompositionsmasse ermöglichte detailreiche Formgebungen und war gleichzeitig robust genug für den Spielbetrieb.

Die Darstellung eines Stoßtruppführers verweist auf eine spezifische militärische Rolle, die ihre Wurzeln im Ersten Weltkrieg hat. Stoßtrupps entwickelten sich ab 1915 als spezialisierte Einheiten für Überraschungsangriffe, Grabenräumungen und Aufklärungsmissionen. Diese Taktik wurde in der Zwischenkriegszeit weiterentwickelt und fand Eingang in die militärische Doktrin der Wehrmacht. Der Stoßtruppführer war typischerweise ein Unteroffizier oder Feldwebel, der kleine, hochmobile Kampfgruppen anführte.

Die Bewaffnung der Figur mit einem Revolver entspricht der historischen Realität, dass Führer von Stoßtrupps häufig Kurzwaffen bevorzugten. In der Wehrmacht waren dies üblicherweise die Pistole 08 (Luger) oder die Walther P38, obwohl in Spielzeugdarstellungen oft vereinfachte Revolverformen verwendet wurden. Die vorgehende Haltung der Figur symbolisiert die offensive, aggressive Kampfführung, die für Stoßtrupptaktiken charakteristisch war.

Lineol produzierte ab den frühen 1930er Jahren verstärkt Figuren der Wehrmacht und anderer militärischer Formationen. Die Firma passte ihr Sortiment den politischen Gegebenheiten an und stellte umfangreiche Serien von Soldaten in verschiedenen Uniformen und Positionen her. Diese Figuren dienten nicht nur dem Spiel, sondern auch der Militarisierung der Jugend und der Popularisierung militärischer Werte in der nationalsozialistischen Gesellschaft.

Die technische Ausführung dieser Lineol-Figuren war bemerkenswert detailliert. Die Uniformen zeigen typische Merkmale der Heeresuniform, einschließlich Stahlhelm, Koppel, Gasmaskenpackung und charakteristischer Feldausrüstung. Die Bemalung erfolgte in mehreren Arbeitsgängen von Hand, wobei Grundfarben gespritzt und Details mit Pinseln aufgetragen wurden. Der angegebene Zustand 2/2- deutet auf eine sehr gut erhaltene Figur mit nur minimalen Gebrauchsspuren hin, was bei diesen über 75 Jahre alten Objekten selten ist.

Die Sammlung und Erforschung solcher Spielzeugfiguren ist heute ein wichtiger Bereich der Militaria-Kunde und der Kulturgeschichte. Diese Objekte dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugproduktion, sondern auch die Propagandamechanismen und die Alltagskultur des “Dritten Reiches”. Sie zeigen, wie militärische Ideologie bereits im Kinderzimmer vermittelt wurde.

Nach 1945 wurde die Produktion militärischer Spielzeuge in Deutschland stark eingeschränkt. Lineol stellte die Herstellung weitgehend ein, und viele Formen wurden vernichtet oder umgearbeitet. Dies macht überlebende Exemplare aus der Vorkriegs- und Kriegszeit zu gesuchten Sammlerstücken. Heute werden diese Figuren vor allem aus historischem Interesse gesammelt und dienen als Anschauungsmaterial für die Erforschung von Propaganda, Alltagsgeschichte und Materialkultur der NS-Zeit.

Für Sammler sind neben dem Erhaltungszustand auch Details wie Bemalung, Markierungen und die spezifische Variante einer Figur von Bedeutung. Lineol verwendete verschiedene Produktionsmethoden und änderte im Laufe der Jahre Materialzusammensetzungen und Bemalungsstile, was eine genaue Datierung ermöglicht. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Objekten erfolgt heute im Kontext der kritischen Erinnerungskultur und trägt zum Verständnis der totalitären Durchdringung aller Lebensbereiche im Nationalsozialismus bei.