NSDAP - Kreistag der NSDAP Wiesbaden 10. u. 11. Juni 1939

Kunststoffabzeichen, an Nadel, Hersteller : Richard Sieper & Söhne Lüdenscheid RZM M9/25, Zustand 2
435421
45,00

NSDAP - Kreistag der NSDAP Wiesbaden 10. u. 11. Juni 1939

Das vorliegende Abzeichen dokumentiert ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Der Kreistag der NSDAP Wiesbaden, der am 10. und 11. Juni 1939 stattfand, war Teil einer systematischen Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Partei ihre Macht demonstrierte und die Bevölkerung mobilisierte.

Solche Kreistage waren wichtige Bestandteile der nationalsozialistischen Organisationsstruktur. Sie dienten der ideologischen Schulung, der Koordination regionaler Parteiaktivitäten und der öffentlichen Machtdemonstration. Im Sommer 1939, nur wenige Monate vor dem Überfall auf Polen am 1. September, befand sich das Deutsche Reich in der finalen Vorbereitungsphase für den Krieg. Veranstaltungen wie der Wiesbadener Kreistag hatten daher auch den Zweck, die Bevölkerung auf kommende Entwicklungen einzustimmen.

Das Abzeichen selbst ist aus Kunststoff gefertigt, was typisch für die späten 1930er Jahre war. Die deutsche Rüstungsindustrie benötigte zunehmend Metalle für militärische Zwecke, sodass für zivile und parteiliche Zwecke vermehrt Ersatzstoffe verwendet wurden. Der Hersteller Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid war ein etablierter Produzent von Abzeichen und Auszeichnungen. Die Firma trug die RZM-Nummer M9/25, wobei RZM für Reichszeugmeisterei stand.

Die Reichszeugmeisterei wurde 1929 gegründet und war die zentrale Beschaffungs- und Prüfstelle der NSDAP. Sie kontrollierte die Herstellung und den Vertrieb aller Parteiabzeichen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände. Nur von der RZM lizenzierte Hersteller durften offizielle NSDAP-Insignien produzieren. Jeder zugelassene Hersteller erhielt eine eindeutige Kennummer, die auf den Produkten angebracht werden musste. Das “M” stand für Metall- und Kunststoffwaren, die “9” bezeichnete die regionale Zuordnung, und “25” war die spezifische Herstellernummer von Richard Sieper & Söhne.

Die Firma Sieper gehörte zu den bedeutendsten Herstellern von NS-Abzeichen. Das Unternehmen aus Lüdenscheid, einem traditionellen Zentrum der deutschen Metallwarenindustrie, produzierte eine Vielzahl von Parteiabzeichen, Veranstaltungsnadeln und Auszeichnungen. Die Qualität der Sieper-Produkte war allgemein hoch, und das Unternehmen beschäftigte während der NS-Zeit zahlreiche Arbeiter.

Wiesbaden als Austragungsort des Kreistages war als Hauptstadt des preußischen Regierungsbezirks Wiesbaden und als Kurstadt von besonderer Bedeutung. Die Stadt war ein wichtiges administratives und kulturelles Zentrum im Rhein-Main-Gebiet. Die NSDAP hatte in Wiesbaden bereits früh Fuß gefasst, und die Stadt spielte in der Gauleitung Hessen-Nassau eine wichtige Rolle.

Veranstaltungsabzeichen wie dieses wurden an Teilnehmer, Organisatoren und verdiente Parteimitglieder ausgegeben. Sie dienten als Erinnerungsstück und Auszeichnung zugleich. Das Tragen solcher Abzeichen demonstrierte die Verbundenheit mit der Partei und die Teilnahme an ihren Aktivitäten. Sammler von NS-Abzeichen waren bereits während der NS-Zeit aktiv, und das Sammeln solcher Devotionalien wurde von der Partei durchaus gefördert, da es die Bindung der Mitglieder stärkte.

Die Nadelbefestigung ermöglichte das Anbringen an Zivilkleidung oder Parteiuniformen. Im Gegensatz zu militärischen Auszeichnungen hatten solche Veranstaltungsabzeichen keinen offiziellen Rangcharakter, wurden aber dennoch stolz getragen und galten als Zeichen politischen Engagements.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren die umfassende Durchdringung des Alltags durch die NS-Ideologie und zeigen, wie die Partei durch Veranstaltungen, Symbolik und materielle Kultur ihre Herrschaft festigte. Der Zustand 2 (sehr gut) dieses Exemplars weist darauf hin, dass es über die Jahrzehnte sorgfältig aufbewahrt wurde. Für Sammler und Historiker sind solche gut erhaltenen Stücke von besonderem Wert, da sie authentische Einblicke in die materielle Kultur des Dritten Reiches bieten.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten erfordert stets eine kritische und kontextualisierte Herangehensweise. Sie sind Zeugnisse eines verbrecherischen Regimes, das Europa in den verheerendsten Krieg seiner Geschichte stürzte und den Holocaust verübte. Ihre Bewahrung und Erforschung dient dem historischen Verständnis und der Mahnung.