Preußen Infanterie-Offiziersdegen (IOD) 89 in prachtvoller Geschenkausführung «Uchtenhagen s./l. Garke», Magdeburgisches Pionier-Bataillon Nr. 4

Es handelt sich hierbei um einen Geschenkdegen an den Offizier Garke vom Magdeburgisches Pionier-Bataillon Nr. 4, während seiner gemeinsamen Dienstzeit bei der Kriegsschule in Metz, Geschenk des Rittmeister Uchtenhagen. Datiert 1896. Der IOD in besonders großer und prachtvoller Ausführung. Ca. 3 cm breite und 84 cm lange, beidseitig doppelt gekehlte Klinge aus echtem Damaststahl, das untere Ende der Klinge geätzt und vergoldet, die Paneele geschwärzt, terzseitig die Inschrift « Uchtenhagen s./l. Garke, Metz 1895/96», auf der Fehlschärfe der Hersteller «W.K&C» , auf dem Rücken der Lieferant « Gust. Günther Metz», quartseitig die Inschrift « Den Feinden wehr‘ Schütz meine Ehr‘.», darunter die Chiffre «♔MPB4.» (Magdeburgisches Pionier-Bataillon Nr. 4). +Vergoldetes und fein ziseliertes Messinggefäß mit preußischem Adler im Korb, Horngriff mit Silberdrahtwicklung, der Draht zu ca. 75% erhalten, terzseitig aufgelegt die Herrscher-Chiffre « ♔WRII», die Fingerschlaufe intakt, der Knaufknopf mit der Chiffre «RG»., das Gefäß mit ein wenig Spiel. Vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern und starren Trageringen, die Vernicklung zu ca. 75% erhalten, zum Ort hin stärker abgetragen und dort mit Korrosionsspuren, ca. vier kleine Löchlein. Zustand 2.

Gesamtlänge ca. 106.5 cm.
487921
8.500,00

Preußen Infanterie-Offiziersdegen (IOD) 89 in prachtvoller Geschenkausführung «Uchtenhagen s./l. Garke», Magdeburgisches Pionier-Bataillon Nr. 4

Der preußische Infanterie-Offiziersdegen Modell 1889 (IOD 89) repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der Geschichte der deutschen Blankwaffenentwicklung. Als Nachfolger des Modells von 1852 wurde dieser Degen durch die Allerhöchste Kabinetts-Order vom 24. März 1889 offiziell für alle Infanterie-Offiziere der preußischen Armee eingeführt und blieb bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in Gebrauch.

Das vorliegende Exemplar stammt aus den Jahren 1895/96 und wurde während der gemeinsamen Ausbildungszeit an der renommierten Kriegsschule in Metz überreicht. Metz, die strategisch wichtige Festungsstadt im Reichsland Elsaß-Lothringen, beherbergte eine der bedeutendsten militärischen Ausbildungseinrichtungen des Deutschen Kaiserreichs. Die preußischen Kriegsschulen dienten der Ausbildung von Offizieren und waren Orte intensiver militärischer Kameradschaft.

Die Widmung “Uchtenhagen s./l. Garke” dokumentiert die enge Verbindung zwischen Rittmeister Uchtenhagen und dem Offizier Garke vom Magdeburgischen Pionier-Bataillon Nr. 4. Die Pioniereinheiten der preußischen Armee waren Spezialtruppen für technische und fortifikatorische Aufgaben. Das Magdeburgische Pionier-Bataillon Nr. 4, stationiert in der bedeutenden Festungsstadt Magdeburg, gehörte zum IV. Armee-Korps und spielte eine wichtige Rolle in der militärischen Organisation Preußens.

Die Klinge aus echtem Damaststahl mit einer Länge von 84 cm und einer außergewöhnlichen Breite von 3 cm zeugt von der besonderen Qualität dieser Geschenkausführung. Die Herstellerbezeichnung “W.K&C” verweist auf einen der anerkannten Solinger Klingenschmiede der Zeit, während “Gust. Günther Metz” als Lieferant die lokale Beschaffung dokumentiert. Die Inschrift “Den Feinden wehr – Schütz meine Ehr” spiegelt das militärische Ehrethos der Kaiserzeit wider.

Das fein ziselierte Messinggefäß mit dem preußischen Adler im Korb entspricht den Vorschriften des Modells 1889. Die Chiffre “WRII” (Wilhelm Rex Imperator II) verweist auf Kaiser Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 regierte und unter dessen Herrschaft die preußische Armee ihre größte Expansion erlebte. Der Horngriff mit Silberdrahtwicklung war charakteristisch für Offiziersdegen dieser Epoche und bot einen sicheren Halt bei gleichzeitig repräsentativem Aussehen.

Die Chiffre “MPB4” (Magdeburgisches Pionier-Bataillon Nr. 4) auf der Klinge ist ein wichtiges Detail, das die Zugehörigkeit zu dieser spezifischen Einheit dokumentiert. Solche Einheitsgravuren waren bei Geschenkdegen üblich und dienten der dauerhaften Erinnerung an die gemeinsame Dienstzeit.

Geschenkdegen wie dieser waren im wilhelminischen Deutschland weit verbreitet. Sie wurden zu verschiedenen Anlässen überreicht: bei Versetzungen, Beförderungen, zum Abschluss der Kriegsschulausbildung oder zum Abschied aus gemeinsamer Dienstzeit. Sie dokumentieren die starke Kameradschaft und das ausgeprägte Ehrenkodex des preußischen Offizierskorps. Die aufwendige Gestaltung mit Vergoldungen, Ätzungen und Gravuren machte solche Stücke zu wertvollen persönlichen Erinnerungen.

Die vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern und starren Trageringen entspricht der militärischen Regelausführung, wobei die Abnutzungsspuren den tatsächlichen militärischen Gebrauch belegen. Die Erhaltung der Vernickelung zu etwa 75% ist für ein über 125 Jahre altes Objekt bemerkenswert.

Dieser Degen ist nicht nur ein militärisches Ausrüstungsstück, sondern ein historisches Zeugnis der preußisch-deutschen Militärkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Er dokumentiert die Bedeutung persönlicher Beziehungen im Offizierskorps, die Tradition des Waffenhandwerks und die militärische Organisation des Deutschen Kaiserreichs vor dem Ersten Weltkrieg. Solche Objekte ermöglichen heute einen authentischen Einblick in die Lebenswelt und das Selbstverständnis der kaiserlichen Offiziere.