Oigee Berlin Troigsex 6x24 Fernglas – Ein optisches Instrument aus der Weimarer Republik
Unter den zahlreichen optischen Instrumenten, die das frühe 20. Jahrhundert in Deutschland hervorbrachte, nehmen die Erzeugnisse der Optischen Anstalt Oigee GmbH einen besonderen Platz ein. Das hier vorgestellte Troigsex 6x24 Fernglas mit der Markierung „Troigsex 6Fach D.R.P.“ und der Herstellerkennzeichnung „Oigee Berlin“ ist ein bemerkenswertes Sammlerstück, das die Geschichte der deutschen Feinoptik in greifbarer Form verkörpert.
Der Hersteller: Optische Anstalt Oigee GmbH
Die Optische Anstalt Oigee GmbH hatte ihren Sitz in Berlin-Schöneberg und war während des frühen 20. Jahrhunderts ein bedeutender Hersteller optischer Instrumente in Deutschland. International bekannt wurde das Unternehmen vor allem durch die Fertigung von Flugzeug-Zielfernrohren während des Ersten Weltkriegs. Ein besonderer Meilenstein in der Firmengeschichte war die Entwicklung eines Reflexvisiers für Flugzeuge im Jahr 1918, das auf Patenten von Howard Grubb basierte. Diese Innovation stellte einen bedeutenden Fortschritt in der militärischen Optik dar und unterstrich die technologische Kompetenz des Berliner Unternehmens.
Neben militärischen Optiken stellte Oigee auch eine Reihe ziviler optischer Geräte her, darunter die „Oigelet“-Operngläser sowie verschiedene kompakte Fernglasmodelle. Das Troigsex-Modell reiht sich in diese Produktpalette ein und zeugt von der Vielseitigkeit des Herstellers.
Das Fernglas: Technische Merkmale und Kennzeichnungen
Das vorliegende Fernglas ist ein kompaktes Instrument mit sechsfacher Vergrößerung und einer Objektivöffnung von etwa 24 mm. Es handelt sich um ein Fernglas ohne Strichplatte (Fadenkreuz), was es von rein militärischen Dienstgläsern unterscheidet, die in der Regel mit einer Strichplatte zur Entfernungsmessung ausgestattet waren. Die Optik wird als klar beschrieben, was auf einen guten Erhaltungszustand des optischen Systems hindeutet.
Die Markierung „D.R.P.“ steht für „Deutsches Reich Patent“ und ist ein wichtiger Datierungshinweis. Diese Patentkennzeichnung war in Deutschland während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik üblich und wurde typischerweise vor der nationalsozialistischen Ära verwendet. Das Fernglas wird von einem Köcher begleitet, der allerdings keinen Trageriemen mehr besitzt.
Historischer Kontext: Die Weimarer Republik
Die Weimarer Republik (1918–1933) folgte auf die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und ging der Machtergreifung der Nationalsozialisten voraus. In dieser politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeit setzten deutsche Optikhersteller wie Oigee ihre Produktion fort und bedienten sowohl den zivilen als auch den eingeschränkten militärischen Markt, der durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags reguliert wurde.
Die D.R.P.-Markierung auf dem Troigsex-Modell weist auf eine Fertigung während der Kaiserzeit oder der Weimarer Republik hin, da diese Patentkennzeichnung vor 1933 Standard war. Die Zuordnung zur Weimarer Republik ist somit mit der patentrechtlichen Kennzeichnung vereinbar.
Das spätere Schicksal von Oigee
Während des Zweiten Weltkriegs erhielt die Optische Anstalt Oigee den dreistelligen Hersteller-Code „dzl“ und produzierte militärische Optiken, darunter 6x30 Dienstgläser für die Wehrmacht. Nach 1945 stellte das Unternehmen seine Tätigkeit ein. Oigee-Ferngläser wurden nicht in den Stückzahlen gefertigt wie die Produkte großer Hersteller wie Zeiss oder Hensoldt, was erhaltene Exemplare zu relativ seltenen Sammlerstücken macht.
Bedeutung für Sammler
Das Oigee Troigsex 6x24 ist für Sammler deutscher Militaria und optischer Instrumente aus mehreren Gründen von Interesse. Zunächst dokumentiert es die Produktionsvielfalt eines Herstellers, der vor allem für seine militärischen Innovationen im Ersten Weltkrieg bekannt war. Die D.R.P.-Markierung verankert das Stück zeitlich in einer bedeutenden Epoche der deutschen Geschichte. Darüber hinaus macht die relative Seltenheit von Oigee-Produkten im Vergleich zu den Erzeugnissen der großen deutschen Optikfirmen jedes erhaltene Exemplar zu einem bemerkenswerten Sammlerstück.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelangten viele deutsche optische Instrumente auf den zivilen Markt und fanden ihren Weg in Sammlerkreise weltweit, wo sie als Zeugnisse der deutschen Feinmechanik und Optik geschätzt werden. Das vorliegende Troigsex-Fernglas mit seinem Zustand 2 und seiner klaren Optik stellt ein gut erhaltenes Beispiel dieser Tradition dar.