1. Weltkrieg Ehrenbecher "Dem Sieger im Luftkampf" 

Ehrenbecher "Dem Sieger im Luftkampf", Ausführung in Eisen versilbert. Der Sockel umlaufend mit geprägter Inschrift "Dem Sieger im Luftkampf". Auf der Unterseite mit Stempel "Chef des Feldflugwesens". Der Ehrenbecher mit leichter Patina,die Versilberung noch sehr gut erhalten, in schönem Zustand. Komplett im original Verleihungsetui, außen dunkelblau mit umlaufender Goldkante, innen mit gelbem Futter und Bett für den Ehrenbecher. Zustand 2. 
Es gibt mehrere Ausführungen des Etuis für den Ehrenbecher. Während die frühen Modelle noch mit dem Platz für den Holzsockel waren, ist dieses wohl das letzte Modell, nach diesem Vorbild wurden auch die Etuis für den Ehrenpokal der Luftwaffe im 2. Weltkrieg hergestellt.

Sehr selten.
516522
18.500,00

1. Weltkrieg Ehrenbecher "Dem Sieger im Luftkampf" 

Der Ehrenbecher für den Sieger im Luftkampf verkörpert eine der bedeutendsten Auszeichnungen der deutschen Militärluftfahrt des Ersten Weltkriegs. Im Jahr 1915 stellte eine anonyme Gruppe deutscher Förderer der Luftstreitkräfte Mittel zur Verfügung, um Hermann von der Lieth-Thomsen, dem im März 1915 ernannten Kommandeur der Kaiserlichen Luftstreitkräfte (Chef des Feldflugwesens), die Schaffung einer Ehrenauszeichnung für Luftkampfsiege zu ermöglichen. Das Design entstand unter der Aufsicht von von der Lieth-Thomsen und dem deutschen Kaiser Wilhelm II., und die ersten Verleihungen erfolgten am 27. Januar 1916.

Der zylindrische Becher steht auf vier Kugelfüßen und trägt die eingeprägte Inschrift “Dem Sieger im Luftkampf” am Sockel. Zwei kämpfende Adler in Hochrelief zieren den Körper des Pokals. Die Unterseite ist mit dem Stempel “Chef des Feldflugwesens” versehen, der den preußischen Adler zeigt. Die frühen Versionen wurden aus 800er Silber (80% Silbergehalt) gefertigt, mit einer Höhe von etwa 19-20 cm und einem Durchmesser von ungefähr 96 mm am Sockel. Der renommierte Silberschmied P. Bruckmann & Söhne aus Heilbronn, 1805 gegründet und bis 1973 tätig, produzierte diese frühen Silberexemplare.

Während der Kriegsjahre änderten sich die Produktionsbedingungen dramatisch. Ab Ende 1917 führte der kriegsbedingte Materialmangel dazu, dass die Ehrenbecher nicht mehr aus Silber, sondern aus versilbertem Eisen hergestellt wurden. Diese eisernen Varianten sind heute erheblich seltener als die Silberexemplare, da sie in einem kürzeren Zeitraum unter schwierigen Kriegsbedingungen produziert wurden. Gegen Kriegsende 1918 wurde die Produktion physischer Becher vollständig eingestellt, und es wurden nur noch Urkunden ausgestellt.

Die Auszeichnung wurde ursprünglich für den ersten Luftsieg eines deutschen Jagdfliegers verliehen. Im Verlauf des Krieges, als Luftkämpfe häufiger wurden, verschärften sich die Verleihungskriterien. Ab Ende 1917 wurde der Ehrenbecher erst nach dem dritten Luftsieg verliehen. Zu den bemerkenswerten Empfängern zählten die berühmtesten Fliegerasse des Kaiserreichs: Oswald Boelcke erhielt seinen Becher am 24. Dezember 1915, Ernst Udet, der zweithöchstdekorierte deutsche Jagdflieger, am 17. August 1916, und der Marine-Flieger Theo Osterkamp am 18. April 1917. Auch Manfred von Richthofen, der legendäre “Rote Baron” und erfolgreichste deutsche Jagdflieger des Krieges, Hermann Göring, Max Immelmann und Kurt Student, der später im Zweiten Weltkrieg zum Generaloberst der Luftwaffe aufsteigen sollte, gehörten zu den Ausgezeichneten. Alle diese Empfänger erhielten auch weitere hohe Auszeichnungen wie den Pour le Mérite.

Nach dem Ersten Weltkrieg endete die Verleihung mit der durch den Versailler Vertrag erzwungenen Auflösung des deutschen Luftwaffendienstes. In der Zwischenkriegszeit wurden einige Originalbecher von Veteranenverbänden wie den Flieger-Traditionskompanien als Herausforderungstrophäen oder Erinnerungsstücke umgewidmet. Das Konzept wurde im Zweiten Weltkrieg in modifizierter Form wiederbelebt, als Hermann Göring am 27. Februar 1940 den Ehrenpokal der Luftwaffe stiftete, der allerdings ein anderes Design aufwies (mit Eisernem Kreuz auf der Rückseite, Eichenblättern am Stiel und graviertem Empfängernamen).

Die Ehrenbecher des Ersten Weltkriegs entwickelten sich zu hochbegehrten Sammlerstücken. Manfred von Richthofen ließ berichten zufolge persönliche Becher für jede seiner ersten 60 Abschüsse anfertigen; mindestens sieben davon existieren noch, wobei einer für über 27.000 Dollar verkauft wurde. Die Tradition der Ehrenpokale verlor nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung, wahrscheinlich aufgrund der Assoziation mit Nazi-Deutschland, bleibt aber bis heute eine der begehrtesten militärischen Sammlerkategorien.