Deutscher Reichsbund für Leibesübungen ( DRL )
Das Lehrwarteabzeichen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) stellt ein bedeutendes Zeugnis der organisierten Sportbewegung im nationalsozialistischen Deutschland dar. Dieses Abzeichen dokumentiert die systematische Durchdringung des Sportwesens durch die NS-Ideologie und die Militarisierung der körperlichen Ertüchtigung in der Zeit zwischen 1933 und 1945.
Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen entstand im Dezember 1933 durch die Gleichschaltung aller deutschen Turn- und Sportvereine. Unter der Führung von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten wurde der DRL zur zentralen Organisation für alle sportlichen Aktivitäten im Deutschen Reich. Die Organisation umfasste zu ihrem Höhepunkt über 40.000 Vereine mit mehreren Millionen Mitgliedern und kontrollierte nahezu jeden Aspekt des deutschen Sportwesens.
Das Lehrwarteabzeichen wurde an qualifizierte Ausbilder und Übungsleiter verliehen, die eine besondere Schulung durchlaufen hatten. Lehrwarte nahmen eine Schlüsselposition im System der sportlichen Ausbildung ein. Sie waren verantwortlich für die Schulung von Übungsleitern und die Vermittlung sportpädagogischer Inhalte, die stets im Einklang mit der nationalsozialistischen Weltanschauung stehen mussten. Die Ausbildung zum Lehrwart erforderte umfangreiche theoretische und praktische Kenntnisse sowie den Nachweis ideologischer Zuverlässigkeit.
Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte den typischen Designprinzipien der NS-Zeit. Meist zeigten sie Symbole wie das Hakenkreuz, germanische Runen oder stilisierte Darstellungen athletischer Figuren. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt, wobei höherwertige Ausführungen oft aus Buntmetall oder versilbertem Material gefertigt wurden. Die lange Nadel, wie sie bei diesem Exemplar vorhanden ist, ermöglichte das Tragen an der Uniform oder der Zivilkleidung.
Der DRL spielte eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Krieg. Unter dem Motto “Kraft durch Freude” und in enger Zusammenarbeit mit anderen NS-Organisationen wie der Hitler-Jugend und dem Reichsarbeitsdienst wurde Sport als Mittel zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung der “Volksgemeinschaft” instrumentalisiert. Die Lehrwarte waren wichtige Multiplikatoren dieser Ideologie auf lokaler Ebene.
Die Ausbildung zum Lehrwart umfasste mehrtägige bis mehrwöchige Lehrgänge an speziellen Reichssportschulen. Zu den Ausbildungsinhalten gehörten neben sportpraktischen Fertigkeiten auch Themen wie Rassenlehre, Wehrsport und nationalsozialistische Weltanschauung. Die bestandene Prüfung berechtigte zum Tragen des Lehrwarteabzeichens und zur Ausübung entsprechender Funktionen innerhalb der DRL-Struktur.
Nach den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, die dem NS-Regime als internationale Propagandabühne dienten, intensivierte der DRL seine Aktivitäten weiter. Die Organisation expandierte auch in die annektierten und besetzten Gebiete und versuchte, das deutsche Sportsystem zu exportieren. Lehrwarte spielten dabei eine wichtige Rolle bei der Etablierung deutscher Sportstrukturen in diesen Regionen.
Der Zustand 2 des vorliegenden Abzeichens deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin. Solche Abzeichen wurden täglich getragen und zeigen daher häufig Abnutzungserscheinungen. Die Erhaltung in diesem Zustand spricht für eine sorgfältige Aufbewahrung über die Jahrzehnte.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde der DRL durch die Alliierten aufgelöst. Alle NS-Organisationen und ihre Symbole wurden verboten. Das Tragen solcher Abzeichen ist heute in Deutschland nur zu wissenschaftlichen oder aufklärischen Zwecken gestattet. Die erhaltenen Exemplare dienen als historische Dokumente einer Zeit, in der selbst Sport und Körperkultur vollständig der totalitären Ideologie unterworfen wurden.
Heute sind solche Abzeichen wichtige Studienobjekte für Historiker, die die Durchdringung aller Lebensbereiche durch den Nationalsozialismus erforschen. Sie dokumentieren die systematische Instrumentalisierung des Sports für politische und militärische Zwecke und erinnern an die Verantwortung, die Sportorganisationen in demokratischen Gesellschaften tragen.