Deutsches Reich 1. Weltkrieg große Auszeichnungmedaille der "238. Infanterie-Division 1917/18"

Große nichttragbare Medaille, Stahl poliert, Durchmesser 50 mm. Darstellung: deutscher Soldat im Grabenkampf, eine Handgranate werfend. Rückseitig Lorbeerkranz, ohne Gravur, Zustand 2.

Die 238. Infanterie-Division war ein Großverband der Preußischen Armee im Ersten Weltkrieg. Die Division wurde am 16. Januar 1917 zusammengestellt und während des Ersten Weltkriegs ausschließlich an der Westfront eingesetzt: Siegfried-Front, Arras, Flandern und Artois, im November 1918 Rückzugskämpfe vor der Antwerpen-Maas-Stellung.
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Deutsches Reich 1. Weltkrieg große Auszeichnungmedaille der "238. Infanterie-Division 1917/18"

Die 238. Infanterie-Division des Deutschen Kaiserreichs stellt eine faszinierende Fallstudie der militärischen Organisation und Strategie während des Ersten Weltkriegs dar. Diese Division, die am 16. Januar 1917 aufgestellt wurde, verkörpert die verzweifelte Phase der deutschen Kriegsführung in den letzten beiden Jahren des Konflikts, als das Kaiserreich zunehmend unter dem Druck der alliierten Offensive stand.

Die vorliegende Auszeichnungsmedaille aus poliertem Stahl mit einem Durchmesser von 50 mm ist ein bemerkenswertes Beispiel der militärischen Erinnerungskultur dieser Epoche. Als nichttragbare Medaille gehört sie zur Kategorie der Ehrenzeichen, die nicht als persönliche Auszeichnung am Uniformrock getragen wurden, sondern als Erinnerungs- und Sammlerstücke dienten. Solche Medaillen wurden häufig an Veteranen, Offiziere oder zur Dokumentation der Divisionsgeschichte ausgegeben.

Das zentrale Motiv der Medaille – ein deutscher Soldat im Grabenkampf, der eine Handgranate wirft – verkörpert die brutale Realität des Stellungskrieges an der Westfront. Die Handgranate entwickelte sich während des Ersten Weltkriegs zu einer der wichtigsten Waffen im Nahkampf der Schützengräben. Die deutsche Stielhandgranate, volkstümlich “Kartoffelstampfer” genannt, wurde zum Symbol der deutschen Infanterietaktik in diesem Konflikt.

Die 238. Infanterie-Division wurde aus verschiedenen Ersatztruppenteilen zusammengestellt, was für die späteren Kriegsjahre typisch war. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Deutsche Reich bereits erhebliche Verluste erlitten, und die Aufstellung neuer Divisionen erforderte zunehmend kreative Lösungen bei der Truppenzusammenstellung. Die Division bestand hauptsächlich aus preußischen Verbänden und war Teil der größeren Reorganisation der deutschen Streitkräfte im Jahr 1917.

Der Einsatz der Division ausschließlich an der Westfront unterstreicht die strategische Priorität dieses Kriegsschauplatzes für die deutsche Führung. Die Siegfried-Stellung, auch als Hindenburg-Linie bekannt, war ein massives Befestigungssystem, zu dem sich die deutschen Truppen im Frühjahr 1917 strategisch zurückzogen. Die Beteiligung der 238. Infanterie-Division an den Kämpfen bei Arras, in Flandern und im Artois bedeutete Einsätze in einigen der verlustreichsten Schlachten des Krieges.

Die Schlacht von Arras im April und Mai 1917 war Teil der alliierten Frühjahrsoffensive und forderte auf beiden Seiten schwere Verluste. Die Dritte Flandernschlacht (Juli bis November 1917), auch als Schlacht von Passchendaele bekannt, wurde zum Synonym für die Schrecken des Grabenkrieges. Die 238. Infanterie-Division musste in diesem Kontext unter extremen Bedingungen kämpfen – im Schlamm, unter konstantem Artilleriebeschuss und gegen zahlenmäßig überlegene alliierte Streitkräfte.

Die Rückseite der Medaille zeigt einen Lorbeerkranz, ein klassisches Symbol militärischer Ehre, das bis in die Antike zurückreicht. Das Fehlen einer Gravur deutet darauf hin, dass es sich entweder um eine nicht personalisierte Ausgabe handelt oder dass die Medaille nie einem spezifischen Empfänger zugeordnet wurde. Solche ungravierte Exemplare sind heute besonders interessant für Sammler und Historiker, da sie Einblicke in die Produktionsprozesse und Verteilungsmechanismen militärischer Auszeichnungen geben.

Im November 1918, während der finalen Phase des Krieges, war die 238. Infanterie-Division an den Rückzugskämpfen vor der Antwerpen-Maas-Stellung beteiligt. Diese Kämpfe fanden während des alliierten Vorstoßes statt, der letztendlich zum Waffenstillstand vom 11. November 1918 führte. Die deutschen Truppen versuchten, einen geordneten Rückzug durchzuführen, während sie gleichzeitig rückwärtige Positionen verteidigten.

Die Herstellung solcher Medaillen aus poliertem Stahl spiegelt die materielle Situation des Deutschen Reichs in den späten Kriegsjahren wider. Während frühere Auszeichnungen oft aus Bronze oder anderen Nichteisenmetallen gefertigt wurden, machte die zunehmende Materialknappheit aufgrund der britischen Seeblockade die Verwendung von Stahl notwendig. Dies war Teil der allgemeinen Kriegswirtschaft, in der fast alle Ressourcen für die Kriegsanstrengungen mobilisiert wurden.

Heute dienen solche Medaillen als wichtige historische Quellen für das Verständnis der militärischen Kultur des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte einzelner Divisionen, sondern auch die Werte, die Ikonographie und die materielle Kultur dieser Epoche. Für Militärhistoriker bieten sie Einblicke in die Art und Weise, wie das Kaiserreich seine Soldaten ehrte und wie militärische Erinnerung konstruiert wurde.