III. Reich - Winterhilfswerk D.R.K.B. Kyffhäuser Landesverband Kurpfalz 1936
Das Winterhilfswerk (WHW) des Deutschen Reiches stellte eine der größten nationalsozialistischen Massenorganisationen dar, die ab 1933 jährlich von Oktober bis März Spendensammlungen durchführte. Die hier beschriebene Blechplakette aus dem Jahr 1936 repräsentiert eine besondere Verbindung zwischen dem WHW und dem Deutschen Roten Kreuz Bund (D.R.K.B.) sowie dem Kyffhäuserbund, speziell dem Landesverband Kurpfalz.
Das Winterhilfswerk wurde offiziell am 13. September 1933 durch Joseph Goebbels ins Leben gerufen und sollte angeblich bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen. In Wirklichkeit diente es primär als Propaganda-Instrument und zur Kontrolle der Bevölkerung. Die Organisation sammelte jährlich hunderte Millionen Reichsmark durch verschiedene Aktionen, darunter Straßensammlungen, Eintopfsonntage und den Verkauf von Abzeichen.
Der Kyffhäuserbund, vollständig Kyffhäuserbund der Deutschen Landeskriegerverbände, war der größte Veteranenverband der Weimarer Republik und wurde nach 1933 in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert. Mit über 2,8 Millionen Mitgliedern in den 1930er Jahren bildete er eine wichtige Säule der paramilitärischen und veteranenpolitischen Landschaft. Der Landesverband Kurpfalz umfasste die historische Region der Pfalz und angrenzende Gebiete.
Das Deutsche Rote Kreuz erfuhr nach 1933 eine vollständige Gleichschaltung. Bereits im Januar 1934 wurde es der NSDAP unterstellt, und alle jüdischen Mitglieder wurden ausgeschlossen, was einen eklatanten Bruch mit den Genfer Konventionen darstellte. Die Zusammenarbeit zwischen DRK und WHW war institutionalisiert, wobei DRK-Mitglieder regelmäßig bei Sammlungsaktionen eingesetzt wurden.
Die WHW-Abzeichen des Jahres 1936 sind besonders interessant, da dieses Jahr für das NS-Regime von enormer propagandistischer Bedeutung war. Die Olympischen Spiele in Berlin im August 1936 sollten das “neue Deutschland” der Welt präsentieren. Die WHW-Kampagne 1936/37 war entsprechend aufwendig gestaltet und umfasste verschiedene Abzeichenserien aus unterschiedlichen Materialien.
Eisenblechabzeichen wie das vorliegende gehörten zu den kostengünstigeren Varianten der WHW-Plaketten. Sie wurden in Massenproduktion hergestellt und gegen eine Mindestspende von typischerweise 10 bis 50 Pfennig ausgegeben. Die Verwendung von Eisenblech war praktisch und preiswert, konnte aber auch symbolisch als Anspielung auf das “Eiserne Kreuz” und militärische Tugenden verstanden werden, besonders bei Abzeichen in Verbindung mit Veteranenverbänden.
Die regionale Spezifizierung auf den Landesverband Kurpfalz zeigt die föderale Struktur der WHW-Organisation. Während zentrale Themenabzeichen reichsweit ausgegeben wurden, existierten auch regionale und lokale Sonderprägungen, die spezifische Organisationen oder Gebiete repräsentierten. Diese regionalisierten Abzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie stärkten die lokale Identifikation mit der Sammelaktion, ermöglichten die Zuordnung von Spendenerträgen und banden regionale Organisationen enger in das NS-System ein.
Die Trageweise solcher Abzeichen war gesellschaftlich bedeutsam. Das öffentliche Tragen eines WHW-Abzeichens signalisierte die Teilnahme an der “Volksgemeinschaft” und die Erfüllung der erwarteten Spendenbereitschaft. Wer kein Abzeichen trug, setzte sich dem Verdacht aus, nicht gespendet zu haben, was soziale Ächtung und manchmal auch behördliche Konsequenzen nach sich ziehen konnte. Der Spendendruck war erheblich, und die Freiwilligkeit der Gaben war oft nur nominell.
Die erhaltene Nadel zur Befestigung an der Kleidung ist typisch für diese Art von Abzeichen. Die Zustandsangabe “2” nach dem gängigen Bewertungssystem für militärische und historische Objekte deutet auf einen gut erhaltenen Zustand mit geringen Gebrauchsspuren hin.
Heute sind solche WHW-Abzeichen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie illustrieren die Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Organisationen, die Mechanismen sozialer Kontrolle und die Instrumentalisierung von Wohltätigkeit für politische Zwecke. Die Verbindung von DRK, Kyffhäuserbund und WHW in einem einzigen Abzeichen zeigt exemplarisch die Vernetzung verschiedener Organisationen im NS-Staat und die Vereinnahmung traditioneller Verbände für die Ziele des Regimes.