Kriegsmarine dunkelblaues Schiffchen für Marinebeamte im Offiziersrang

um 1940. Schiffchen aus dunkelblauem Tuch, komplett mit Metallfaden handgesticktem Hoheitsadler und Kokarde, umlaufend mit silberner Paspelierung. Innen schwarzes Seidenfutter, Größe ca. 57, Zustand 2.
507022
950,00

Kriegsmarine dunkelblaues Schiffchen für Marinebeamte im Offiziersrang

Das vorliegende Schiffchen der Kriegsmarine repräsentiert einen wichtigen Bestandteil der Uniformierung von Marinebeamten im Offiziersrang während des Zweiten Weltkriegs. Diese spezielle Form der Kopfbedeckung verkörpert die strenge hierarchische Ordnung und die detaillierten Bekleidungsvorschriften der deutschen Kriegsmarine zwischen 1935 und 1945.

Die Kriegsmarine, offiziell am 1. Juni 1935 gegründet, war die Seestreitmacht des Deutschen Reiches und löste die Reichsmarine der Weimarer Republik ab. Mit der Einführung neuer Uniformbestimmungen unter Großadmiral Erich Raeder und später Karl Dönitz wurde ein umfassendes System von Dienstgraden, Abzeichen und Kopfbedeckungen etabliert, das sich an traditionellen maritimen Konventionen orientierte, aber gleichzeitig die nationalsozialistische Symbolik integrierte.

Das Schiffchen (auch als Bordmütze oder Lagermütze bezeichnet) stellte eine praktische Alternative zur steiferen Schirmmütze dar und wurde besonders in beengten Räumen an Bord von Kriegsschiffen, U-Booten und bei bestimmten Dienstverrichtungen getragen. Die dunkelblaue Ausführung für Offiziersränge unterschied sich deutlich von den Modellen für Mannschaften und Unteroffiziere.

Die silberne Paspelierung, die das gesamte Schiffchen umlaufend einfasste, war ein charakteristisches Merkmal für Marinebeamte im Offiziersrang. Diese Beamten bildeten eine besondere Kategorie innerhalb der Kriegsmarine und umfassten Spezialisten wie Marineingenieure, Marinezahlmeister, Marinerichter und Marineärzte. Sie trugen zwar Offiziersränge, unterschieden sich aber in ihrer Laufbahn und ihren Abzeichen von den regulären Seeoffizieren.

Der Hoheitsadler und die Kokarde waren vorgeschriebene Hoheitszeichen gemäß den Anzugsordnungen der Kriegsmarine. Der Adler, nach nationalsozialistischer Ikonographie gestaltet und mit gespreizten Schwingen über einem Hakenkreuz, wurde in Metallfaden handgestickt – ein Hinweis auf die höhere Qualität der Offiziersausführungen im Gegensatz zu den maschinell gefertigten oder aufgedruckten Emblemen der Mannschaftsränge. Die Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot befand sich traditionell auf der linken Seite des Schiffchens.

Die Fertigung solcher Uniformstücke erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenhersteller, die nach strengen Vorgaben der Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) arbeiteten. Die Verwendung von dunkelblauem Tuch entsprach der maritimen Tradition und den praktischen Anforderungen des Seedienstes. Das schwarze Seidenfutter war typisch für Offiziersqualitäten und unterschied sich vom einfacheren Baumwollfutter der Mannschaftsausgaben.

Die Datierung um 1940 ordnet dieses Stück in die Phase der größten Expansion der Kriegsmarine ein. Nach den erfolgreichen Norwegen- und Frankreichfeldzügen 1940 erlebte die deutsche Marine eine Phase der Aufstockung, wobei der Bestand an Marinebeamten erheblich erweitert wurde, um den komplexen technischen und administrativen Anforderungen einer modernen Kriegsflotte gerecht zu werden.

Die angegebene Größe 57 entspricht dem kontinentaleuropäischen Größensystem für Kopfbedeckungen und deutet auf einen Kopfumfang von etwa 57 Zentimetern hin. Solche Maßangaben wurden oft im Futter eingestempelt oder eingenäht, zusammen mit Herstellermarkierungen und gelegentlich Abnahme- oder Qualitätsstempeln.

Historisch betrachtet dokumentieren solche Uniformteile nicht nur die materiellen Aspekte der Militärgeschichte, sondern auch die soziale Hierarchie und Organisationsstruktur der Wehrmacht. Die detaillierten Unterscheidungen in Ausführung, Material und Verzierung spiegelten das komplexe Rangsystem wider und dienten der unmittelbaren Erkennbarkeit von Dienstgrad und Zugehörigkeit.

Nach dem Kriegsende 1945 wurden die meisten dieser Uniformstücke vernichtet, eingelagert oder in Privatbesitz überführt. Heute sind sie wichtige Studienobjekte für die Militärgeschichtsforschung und dokumentieren die Uniformierungspraxis der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs. Sie ermöglichen Einblicke in Herstellungstechniken, Materialverwendung und die Bedeutung von Symbolik und Hierarchie in totalitären Militärorganisationen.