NSFK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " NSFK Wertungsplatz im Deutschlandflug 1938 - Die Technikumstadt Mittweida "
Die vorliegende Teilnehmerplakette dokumentiert die Beteiligung der Stadt Mittweida am Deutschlandflug 1938, einer der bedeutendsten fliegerischen Veranstaltungen des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) in der Vorkriegszeit. Diese bronzierte Leichtmetallplakette mit den Maßen 50 x 55 mm repräsentiert nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern auch die intensive Verbindung zwischen technischer Ausbildung, Luftfahrtbegeisterung und staatlicher Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland.
Das NSFK wurde am 17. April 1937 als Nachfolgeorganisation des Deutschen Luftsportverbandes gegründet und unterstand direkt dem Reichsluftfahrtministerium. Seine primäre Aufgabe bestand in der fliegerischen Vorausbildung und der Förderung des Luftsportgedankens in der deutschen Bevölkerung. Unter der Leitung von NSFK-Korpsführer Friedrich Christiansen, einem Weltkriegspiloten und Träger des Pour le Mérite, entwickelte sich die Organisation zu einem wichtigen Instrument der militärischen Vorbereitung, getarnt als zivile Sportorganisation.
Der Deutschlandflug stellte einen der Höhepunkte im Jahreskalender des NSFK dar. Diese mehrtägigen Wettbewerbsflüge führten Teilnehmer quer durch das Deutsche Reich und dienten mehreren Zwecken: Sie waren sportlicher Wettkampf, Leistungsnachweis für Piloten und Flugzeuge, Propagandaveranstaltung und praktische Übung in Navigation und Orientierung zugleich. Der Deutschlandflug 1938 fand in einer Zeit statt, als Deutschland bereits intensiv aufrüstete und die Luftwaffe rapide expandierte. Das NSFK spielte dabei eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Nachwuchspiloten, die später häufig zur Luftwaffe überwechselten.
Mittweida, im Herzen Sachsens gelegen, trug den Beinamen "Technikumstadt" aufgrund der dort ansässigen Ingenieurschule, die 1867 gegründet worden war und zu den renommiertesten technischen Bildungseinrichtungen Deutschlands zählte. Die Verbindung zwischen der technischen Ausbildungsstätte und der Luftfahrt war naheliegend, da viele Ingenieure und Techniker für die aufstrebende Luftfahrtindustrie benötigt wurden. Die Beteiligung Mittweidas am Deutschlandflug unterstreicht die lokale Bedeutung der Luftfahrt und das Engagement der Stadt in der fliegerischen Bewegung.
Solche Wertungsplatzplaketten wurden an Kommunen, Organisationen oder Institutionen verliehen, die als Zwischenstopps oder Wertungsorte am Deutschlandflug teilnahmen. Sie dienten der Anerkennung und Würdigung des lokalen Engagements bei der Organisation und Durchführung dieser komplexen Flugveranstaltungen. Die Plaketten waren nicht zum Tragen bestimmt, sondern als Erinnerungs- und Ausstellungsstücke konzipiert, häufig in Vitrinen oder auf Schreibtischen präsentiert.
Die Verleihungsschachtel, in der sich die Plakette befindet, ist ein wichtiger Bestandteil der historischen Authentizität. Diese speziell angefertigten Etuis waren typisch für offizielle Auszeichnungen und Erinnerungsstücke der NS-Zeit und unterstreichen den offiziellen Charakter der Verleihung. Die Bronzierung des Leichtmetalls war eine kostengünstige Methode, um einen wertigen Eindruck zu erzeugen, während gleichzeitig kriegswichtige Materialien gespart wurden – ein Aspekt, der bereits 1938 in der deutschen Rüstungsplanung an Bedeutung gewann.
Der Deutschlandflug 1938 fand in einem bedeutsamen historischen Kontext statt: Im März hatte der Anschluss Österreichs stattgefunden, im September sollte die Sudetenkrise ihren Höhepunkt erreichen. Die Flugveranstaltungen des NSFK dienten auch dazu, die vermeintliche technische und organisatorische Überlegenheit des nationalsozialistischen Deutschlands zu demonstrieren. Gleichzeitig wurden praktische Kenntnisse über Flugplätze, Navigationspunkte und Infrastruktur gesammelt, die später militärisch relevant werden sollten.
Aus heutiger Sicht sind solche Plaketten wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Organisationen geben. Sie zeigen, wie Sport, Technik und Propaganda miteinander verwoben wurden und wie selbst kleine Städte wie Mittweida in das System eingebunden waren. Die Erhaltung in der Originalverpackung macht dieses Ensemble zu einem besonders aussagekräftigen Zeitzeugnis der Luftfahrtgeschichte und der gesellschaftlichen Verhältnisse im nationalsozialistischen Deutschland kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.