Offizier-Stammliste des Infanterie - Regiments Pronz Friedrich der Niederlande ( 2. Westfälisches ) Nr. 15 

Berlin 1913m Verlag Eisenschmidt Gebundene Ausgabe, Ganzleineneinband, 484 Seiten, Zustand 2 +
412922
150,00

Offizier-Stammliste des Infanterie - Regiments Pronz Friedrich der Niederlande ( 2. Westfälisches ) Nr. 15 

Die Offizier-Stammliste des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15, veröffentlicht 1913 im Verlag Eisenschmidt in Berlin, repräsentiert einen bedeutenden Typus militärhistorischer Dokumentation im Deutschen Kaiserreich. Diese Stammlisten bildeten ein wesentliches Element der preußischen und deutschen Militärtradition, indem sie die personelle Geschichte einzelner Regimenter über Jahrzehnte hinweg systematisch erfassten.

Das Infanterie-Regiment Nr. 15 gehörte zu den traditionsreichen Einheiten der preußischen Armee und war in Westfalen stationiert. Die Benennung nach Prinz Friedrich der Niederlande (1797-1881), einem Mitglied des niederländischen Königshauses und preußischen Generalfeldmarschall, verweist auf die dynastischen Verbindungen innerhalb des europäischen Hochadels und die Tradition der Regimentsinhaberschaft. Diese Praxis, bei der hochrangige Persönlichkeiten als nominelle Chefs von Regimentern fungierten, war ein charakteristisches Merkmal der europäischen Militärorganisation des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Die Offizier-Stammlisten wurden in der Regel von den Regimentern selbst oder in deren Auftrag erstellt und dienten mehreren Zwecken. Primär waren sie genealogische und prosopographische Nachschlagewerke, die jeden Offizier dokumentierten, der jemals in dem betreffenden Regiment gedient hatte. Die Einträge enthielten typischerweise biografische Daten wie Geburtsdatum und -ort, soziale Herkunft, Ausbildungsweg, Dienstlaufbahn mit allen Beförderungen und Versetzungen, Teilnahme an Feldzügen und Schlachten, erhaltene Auszeichnungen und Orden sowie das Ausscheiden aus dem Dienst oder den Todeszeitpunkt.

Der Verlag Eisenschmidt in Berlin hatte sich auf militärische Fachliteratur spezialisiert und publizierte zahlreiche solcher Stammlisten für verschiedene Regimenter der kaiserlichen Armee. Diese Veröffentlichungen waren aufwendig gestaltet, meist in Ganzleinen gebunden und auf hochwertigem Papier gedruckt. Sie richteten sich an ein spezifisches Publikum: aktive und ehemalige Offiziere, Militärhistoriker, genealogisch Interessierte und die gebildete Oberschicht des Kaiserreichs, die ein ausgeprägtes Interesse an Militärgeschichte pflegte.

Das Erscheinungsjahr 1913 ist von besonderer historischer Bedeutung. Es markiert das letzte volle Friedensjahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914. Die Stammliste dokumentiert damit die Offiziersgenerationen, die das Regiment durch die deutschen Einigungskriege (1864-1871) geführt hatten, sowie jene, die in den langen Friedensjahren von 1871 bis 1914 dienten. Viele der in dieser Ausgabe verzeichneten jüngeren Offiziere sollten nur ein Jahr später in den Materialschlachten des Weltkriegs ihr Leben verlieren oder als Kriegsversehrte zurückkehren.

Die 484 Seiten umfassende Dokumentation spiegelt die lange Geschichte des Regiments wider, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Solche Stammlisten waren mehr als bloße Personenverzeichnisse; sie bildeten das kollektive Gedächtnis einer militärischen Einheit und trugen zur Identitätsstiftung und Traditionspflege bei. Die Regimentsgeschichte war integraler Bestandteil der preußisch-deutschen Militärkultur, in der Ehre, Tradition und historische Kontinuität zentrale Werte darstellten.

Die Struktur solcher Stammlisten folgte einem standardisierten Schema. Nach einem historischen Abriss der Regimentsgeschichte, der die Aufstellung, bedeutende Schlachten und organisatorische Veränderungen beschrieb, folgte der alphabetische oder chronologische Katalog der Offiziere. Ergänzt wurde dies häufig durch Anlagen wie Uniformdarstellungen, Lagepläne bedeutender Gefechte, Statistiken über Verluste in verschiedenen Kriegen und Verzeichnisse von Orden und Ehrenzeichen.

Für die heutige militärhistorische Forschung sind diese Stammlisten unverzichtbare Quellen. Sie ermöglichen prosopographische Studien über die soziale Zusammensetzung des Offizierskorps, die Karrierewege in der Armee, regionale Rekrutierungsmuster und die Professionalisierung des Militärs. Genealogen nutzen sie zur Erforschung von Familiengeschichten, während Regionalhistoriker aus ihnen Informationen über die Garnisonsstandorte und deren Integration in das lokale gesellschaftliche Leben gewinnen können.

Die Erhaltung solcher Dokumente in gutem Zustand ist für Archive, Bibliotheken und Sammler von großer Bedeutung. Exemplare wie diese Ausgabe von 1913 werden heute in wissenschaftlichen Bibliotheken, Militärmuseen und Privatsammlungen aufbewahrt und dienen der historischen Forschung und Erinnerungskultur. Sie repräsentieren eine Epoche, in der das Militär eine zentrale gesellschaftliche Institution darstellte und die Offizierskarriere für den Adel und das gehobene Bürgertum einen prestigeträchtigen Lebensweg bedeutete.