Reichsnährstand Landesbauernschaft Rheinland Hauptabteilung II
Die vorliegende Medaille aus dem Jahr 1936 dokumentiert die Verbindung zwischen der nationalsozialistischen Agrarpolitik und der traditionellen Pferdezucht im Rheinland. Mit einem Durchmesser von 50 mm und in hohler, versilberter Ausführung repräsentiert sie einen typischen Ausstellungspreis der NS-Zeit.
Der Reichsnährstand wurde am 13. September 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz gegründet und stellte die zentrale Organisation der deutschen Land- und Forstwirtschaft im Dritten Reich dar. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der als Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft fungierte, sollte der Reichsnährstand die “Blut und Boden”-Ideologie der Nationalsozialisten umsetzen. Die Organisation gliederte sich in Landesbauernschaften, die auf Provinzebene agierten, wobei die Landesbauernschaft Rheinland eine der bedeutendsten war.
Die Provinzial-Pferde-Ausstellung 1936 fand in einem Jahr statt, das für das NS-Regime von besonderer propagandistischer Bedeutung war - dem Jahr der Olympischen Spiele in Berlin. Pferdeausstellungen dieser Art dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die Qualität der deutschen Pferdezucht fördern, die für militärische und landwirtschaftliche Zwecke essentiell war, und gleichzeitig die nationalsozialistische Agrarpolitik glorifizieren.
Die Hauptabteilung II des Reichsnährstandes war typischerweise für spezifische Fachbereiche zuständig, wobei die Organisationsstruktur hierarchisch aufgebaut war. Pferdezucht hatte im Dritten Reich einen hohen Stellenwert, da Pferde trotz zunehmender Motorisierung noch unverzichtbar für die Landwirtschaft und die Wehrmacht waren. Die Remontierung, also die Versorgung der Armee mit Pferden, war ein strategisches Anliegen des Regimes.
Solche Medaillen wurden bei landwirtschaftlichen Ausstellungen als Preise für herausragende Zuchterfolge verliehen. Die Gestaltung folgte meist klassischen Vorbildern mit landwirtschaftlichen Motiven, Hakenkreuzen oder NS-Symbolik. Die hohle Prägung war eine kostensparende Herstellungsmethode, die bei größeren Medaillen häufig angewandt wurde. Die Versilberung verlieh dem Objekt dennoch einen repräsentativen Charakter.
Das Rheinland als Preußische Rheinprovinz hatte eine lange Tradition in der Pferdezucht. Besonders bekannt waren rheinische Kaltblüter und Warmblutpferde. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten diese regionalen Traditionen für ihre Zwecke und integrierten sie in die reichsweite Agrarpolitik. Bauernschaften organisierten regelmäßig Ausstellungen, Zuchtschauen und Leistungsprüfungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Reichsnährstand aufgelöst, und solche Medaillen blieben als historische Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte erhalten. Für Sammler und Historiker sind sie heute wichtige Quellen zur Erforschung der NS-Agrarpolitik und des ländlichen Lebens im Dritten Reich.