Sachsen-Weimar Kartuschkasten für Offiziere der Kavallerie

Um 1860. Der Korpus aus mit schwarzem Lackleder bezogenem Eisenblech mit teils vergoldeten Messing-Beschlägen, auf dem Deckel aufgelegt Messing-Stern mit dem gekrönten Wappen Sachsen-Weimars mit dem Lorbeerkranz. Das Leder auf der Rückseite fehlt. Sonst in sehr schönem Zustand. Zustand 2.

Sehr selten! Sachsen-Weimar stellte für das Bundesheer nur eine kleine Husarenabteilung für Ordonnanz- und Gendarmerieaufgaben, welche ähnlich uniformiert war wie die preußischen Zieten-Husaren.
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1.650,00

Sachsen-Weimar Kartuschkasten für Offiziere der Kavallerie

Der Kartuschkasten oder Patronentasche gehörte zur unverzichtbaren Ausrüstung eines Kavallerieoffiziers im 19. Jahrhundert. Das vorliegende Exemplar aus dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach stammt aus der Zeit um 1860 und repräsentiert eine faszinierende Epoche der deutschen Militärgeschichte, in der die kleinen Kontingente der Mittelstaaten im Deutschen Bund ihre eigene militärische Identität pflegten.

Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war einer der kulturell bedeutendsten, militärisch jedoch eher bescheidenen deutschen Bundesstaaten. Anders als die größeren Königreiche wie Preußen, Bayern oder Sachsen unterhielt Sachsen-Weimar nur ein kleines Militärkontingent. Für das Bundesheer, das nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses von 1815 als gemeinsame Verteidigungsorganisation der deutschen Staaten diente, stellte Sachsen-Weimar lediglich eine Husarenabteilung mit spezialisierten Aufgaben.

Diese Einheit war primär für Ordonnanz- und Gendarmeriedienste vorgesehen, also für Meldedienste, Eskortierungen und polizeiliche Aufgaben. Die Uniformierung orientierte sich eng an den berühmten preußischen Zieten-Husaren (Husaren-Regiment Nr. 2), benannt nach dem legendären preußischen Husarengeneral Hans Joachim von Zieten (1699-1786), einem der bedeutendsten Kavallerieführer Friedrichs des Großen.

Der Kartuschkasten selbst zeigt die typische Konstruktionsweise der Mitte des 19. Jahrhunderts: Ein Korpus aus Eisenblech, der mit schwarzem Lackleder bezogen wurde, bot sowohl Schutz für die Munition als auch eine repräsentative äußere Erscheinung. Die Messingbeschläge, teilweise vergoldet, dienten nicht nur der Funktionalität, sondern auch der Rangkennung und dem Prestige des Offiziersstandes.

Besonders bemerkenswert ist das Deckelsymbol: ein Messingstern mit dem gekrönten Wappen Sachsen-Weimars, umgeben von einem Lorbeerkranz. Der Lorbeerkranz war seit der Antike ein Symbol für Ruhm, Sieg und Ehre und wurde in der Militärsymbolik des 19. Jahrhunderts vielfach verwendet. Das Wappen selbst zeigte die charakteristischen Elemente des weimarischen Staatswappens, das sich aus verschiedenen historischen Herrschaftsgebieten zusammensetzte.

Die Zeit um 1860 war für die deutschen Militärs eine Phase des Übergangs. Die Perkussionswaffen hatten sich durchgesetzt, doch stand bereits die Revolution der Hinterlader bevor, die in den 1860er Jahren die Kriegsführung grundlegend verändern sollte. Der Kartuschkasten als Ausrüstungsgegenstand hatte seinen Höhepunkt bereits überschritten, blieb aber noch ein wichtiger Teil der Offiziersausrüstung, insbesondere bei Paraden und zeremoniellen Anlässen.

Für Offiziere der Kavallerie galt eine besondere Ausstattungspflicht. Anders als die Mannschaften mussten Offiziere ihre Ausrüstung in der Regel selbst beschaffen und finanzieren, was zu einer großen Variationsbreite in Qualität und Ausführung führte. Das vorliegende Stück mit seinen vergoldeten Beschlägen deutet auf einen Offizier hin, der Wert auf eine hochwertige und repräsentative Ausrüstung legte.

Die Seltenheit solcher Stücke aus Sachsen-Weimar erklärt sich aus der geringen Größe des Kontingents. Während Preußen, Bayern oder Württemberg große Kavallerieverbände unterhielten und entsprechend viele Ausrüstungsstücke produziert wurden, blieb die Stückzahl aus Sachsen-Weimar naturgemäß sehr begrenzt. Viele dieser Objekte gingen zudem in den Kriegen von 1866 und 1870/71 verloren oder wurden nach der Reichsgründung 1871 und der Vereinheitlichung der deutschen Armee obsolet.

Der Kartuschkasten verkörpert somit nicht nur ein militärisches Gebrauchsobjekt, sondern auch ein Stück der Identität eines kleinen deutschen Staates, der zwischen Tradition und Moderne, zwischen eigenständiger Identität und Integration in größere militärische Strukturen stand. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurden die Kontingente der Einzelstaaten zunehmend in die preußisch dominierte Reichsarmee integriert, wobei die kleinen Staaten wie Sachsen-Weimar ihre militärische Eigenständigkeit weitgehend verloren.