Wehrmacht Heer (WH) Extrasäbel für Berittene .

Leicht gekrümmte Klinge mit gut erhaltener Vernickelung und Handgravur "3. Reiter Regiment Nr. 1 (Lith. Ulanen Regiment Nr. 12, Insterburg Ostpr." und auf dem Parierlappen "O.K- 1936/38", Herstellerzeichen von "WKC", Stahlgefäß mit einfachem Parierbügel, die Vernickelung ist hier schon ermattet, schwarzer Kunststoffgriff mit Drahtwicklung, die Stahlscheide schwarz nachlackiert und verbeult, eine Mundblechschraube fehlt. Zustand 2-
475222
450,00

Wehrmacht Heer (WH) Extrasäbel für Berittene .

Der Wehrmacht Heer Extrasäbel für Berittene repräsentiert eine bedeutende Übergangsperiode in der deutschen Militärgeschichte zwischen der Kaiserzeit und dem Dritten Reich. Dieses spezielle Exemplar trägt die Gravur “3. Reiter Regiment Nr. 1 (Lith. Ulanen Regiment Nr. 12, Insterburg Ostpr.)” und verbindet damit die traditionsreiche Geschichte eines preußischen Kavallerieregiments mit der Reorganisation der Wehrmacht in den 1930er Jahren.

Das Litthauische Ulanen-Regiment Nr. 12 wurde ursprünglich 1717 als Dragonerregiment gegründet und hatte seine Garnison in Insterburg in Ostpreußen. Nach dem Ersten Weltkrieg und den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde die deutsche Kavallerie drastisch reduziert. Die Reichswehr durfte nur 18 Kavallerieregimenter unterhalten, und viele traditionsreiche Einheiten wurden aufgelöst oder zusammengelegt.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und der anschließenden Wiederaufrüstung begann die Wiederbelebung alter Regimentstraditionen. Die Datierung “O.K- 1936/38” auf dem Parierlappen deutet auf die Zeit der intensiven Expansion der Wehrmacht hin. Im Jahr 1936 wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt und die Wehrmacht massiv vergrößert. Die Jahre 1936 bis 1938 waren eine Phase intensiver militärischer Reorganisation und Aufrüstung.

Der Säbel wurde von WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Cie) aus Solingen hergestellt, einem der renommiertesten deutschen Hersteller von Blankwaffen. Die Firma WKC bestand von 1883 bis in die 1930er Jahre und fusionierte später mit anderen Solinger Herstellern. WKC-Säbel waren bekannt für ihre hohe Qualität und wurden sowohl für militärische als auch zeremonielle Zwecke verwendet.

Die Vernickelung der Klinge war typisch für Säbel dieser Periode und diente sowohl ästhetischen als auch praktischen Zwecken. Sie schützte die Klinge vor Korrosion und verlieh ihr ein repräsentatives Aussehen. Die Handgravur mit Regimentsbezeichnung war eine Praxis, die aus der Kaiserzeit übernommen wurde und den Stolz auf die Regimentstradition zum Ausdruck brachte.

Der Extrasäbel war keine standardmäßige Dienstwaffe, sondern wurde von Offizieren und Unteroffizieren auf eigene Kosten erworben. Diese Säbel waren oft qualitativ hochwertiger und individueller gestaltet als die Standardausgaben. Sie dienten primär repräsentativen Zwecken bei Paraden, Zeremonien und offiziellen Anlässen.

Die Konstruktion mit dem einfachen Parierbügel und dem schwarzen Kunststoffgriff mit Drahtwicklung entspricht den Gestaltungsrichtlinien der 1930er Jahre. Der Übergang von traditionellen Materialien wie Holz und Leder zu moderneren Kunststoffen war charakteristisch für diese Zeit. Die Drahtwicklung bot einen sicheren Griff und war gleichzeitig dekorativ.

Die schwarze Stahlscheide war typisch für Kavalleriesäbel dieser Periode. Schwarz lackierte Scheiden waren praktisch und unauffällig, im Gegensatz zu den glänzenden Metallscheiden früherer Epochen. Die Beschädigungen und die fehlende Mundblechschraube zeugen von der tatsächlichen Verwendung des Säbels.

Die berittene Kavallerie spielte in den 1930er Jahren noch eine wichtige Rolle in der militärischen Planung, obwohl ihre Bedeutung zunehmend durch motorisierte und mechanisierte Einheiten in Frage gestellt wurde. Dennoch hielt die Wehrmacht an der Tradition der Kavallerie fest, und Reiterregimenter existierten bis in die frühen Kriegsjahre hinein.

Das 3. Reiter-Regiment, das die Traditionen des Ulanen-Regiments Nr. 12 fortführte, war Teil dieser Wiederbelebung alter preußischer Militärtraditionen. Die Nationalsozialisten nutzten diese Traditionen geschickt, um eine Verbindung zur glorreichen preußisch-deutschen Militärgeschichte herzustellen und gleichzeitig ihre eigene militärische Expansion zu legitimieren.

Solche Säbel sind heute wichtige historische Artefakte, die nicht nur die handwerkliche Qualität der Solinger Klingenindustrie dokumentieren, sondern auch Zeugnis ablegen von der komplexen Geschichte der deutschen Streitkräfte in der Zwischenkriegszeit. Sie erinnern an eine Epoche, in der traditionelle militärische Werte und moderne Kriegsführung miteinander im Konflikt standen.