Elastolin - Heer 2 Hornisten marschierend
Die vorliegenden Elastolin-Figuren stellen zwei marschierende Hornisten der deutschen Wehrmacht-Heer dar und gehören zu den klassischen Produkten der Hausser-Elastolin-Manufaktur, die zwischen den 1930er und 1950er Jahren hergestellt wurden. Mit einer Größe von 7 cm entsprechen diese Figuren der beliebten Standardgröße (etwa 1:24 bis 1:25), die sich als Industriestandard für Spielzeug- und Sammelfiguren etabliert hatte.
Die Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg begann bereits in den 1920er Jahren mit der Produktion von Massefiguren unter der Marke Elastolin. Das Material Elastolin war eine revolutionäre Mischung aus Kasein, Leim, Kaolin, Glycerin und anderen Substanzen, die über Drahtgerüste modelliert wurde. Diese Komposition ermöglichte detailreiche, aber dennoch robuste Figuren, die im Gegensatz zu traditionellen Bleisoldaten als weniger gesundheitsgefährdend galten und eine feinere Detaillierung ermöglichten.
Die Darstellung von Hornisten in militärischen Figurenserien hatte eine besondere Bedeutung, da diese Musiker eine wichtige Funktion in der militärischen Organisation erfüllten. Seit dem 18. Jahrhundert waren Signalhornisten unverzichtbarer Bestandteil militärischer Verbände. Sie übermittelten akustische Befehle auf dem Gefechtsfeld, regelten den Tagesablauf in Kasernen und nahmen an Paraden und zeremoniellen Anlässen teil. In der Wehrmacht der 1930er und 1940er Jahre hatten Hornisten sowohl praktische als auch repräsentative Funktionen.
Die Uniform der Hornisten unterschied sich durch spezifische Details von der regulären Infanterie. Hornisten trugen häufig Schwalbennester (Flügelärmel) an den Schultern, die ihre besondere Stellung als Musiker kennzeichneten. Diese dekorativen Elemente waren bei der Wehrmacht jedoch reduzierter als in früheren preußischen oder kaiserlichen Heeren. Die Dienstgradabzeichen und Ausrüstungsgegenstände entsprachen weitgehend denen anderer Mannschaftsdienstgrade.
Elastolin-Figuren dieser Periode zeichnen sich durch charakteristische Merkmale aus: Die Figuren wurden in Handarbeit bemalt, wobei die Farbgebung den historischen Uniformvorschriften folgte. Die feldgraue Uniform der Wehrmacht, die Stahlhelm-Form M35 oder M40, sowie Details wie Koppelschloss, Brotbeutel und Gasmaskencontainer wurden mit bemerkenswerter Genauigkeit wiedergegeben. Die Hornisten halten typischerweise ein Signalhorn oder Fanfare, das als separates Metallteil gefertigt und an der Figur befestigt wurde.
Die Herstellung solcher Figuren hatte während der NS-Zeit auch eine propagandistische Dimension. Spielzeughersteller wurden ermutigt, militärische Themen zu produzieren, die das Militär verherrlichten und Kinder an militärische Strukturen heranführten. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Produktion militärischer Spielzeugfiguren zunächst unter Kritik, wurde aber in den 1950er Jahren unter veränderten Vorzeichen wieder aufgenommen.
Der Zustand 2/2- der vorliegenden Figuren deutet auf eine sehr gute bis gute Erhaltung hin. Bei Elastolin-Figuren bedeutet dies üblicherweise, dass die Bemalung weitgehend original und vollständig erhalten ist, möglicherweise mit leichten Gebrauchsspuren. Die Komposition kann im Laufe der Jahrzehnte zu Materialermüdung neigen, was sich in feinen Rissen oder Absplitterungen äußern kann.
Heute sind Elastolin-Militärfiguren begehrte Sammlerstücke, die sowohl militärhistorisch als auch kulturgeschichtlich bedeutsam sind. Sie dokumentieren nicht nur die militärischen Uniformen und Ausrüstungen ihrer Zeit, sondern auch die gesellschaftlichen Vorstellungen und die Spielzeugkultur des 20. Jahrhunderts. Sammler schätzen besonders Figuren in marschierende Haltung mit originalen Musikinstrumenten, da diese oft verloren gegangen sind.