Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )
Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Volksgemeinschaft Westmark (DVG) stellt ein bedeutendes historisches Zeugnis der nationalsozialistischen Organisationsstruktur in Elsass-Lothringen während der Zeit von 1940 bis 1945 dar. Dieses Abzeichen, hergestellt von W. Redo aus Saarlauten, verkörpert die ideologischen Bestrebungen des NS-Regimes, die annektierten Gebiete des ehemaligen Reichslandes Elsass-Lothringen wieder ins Deutsche Reich zu integrieren.
Nach dem schnellen militärischen Sieg über Frankreich im Juni 1940 annektierte das Deutsche Reich de facto die Regionen Elsass und Lothringen. Diese Gebiete, die nach dem Ersten Weltkrieg gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 an Frankreich zurückgefallen waren, sollten nun erneut “germanisiert” werden. Die NSDAP richtete zwei neue Verwaltungseinheiten ein: den Gau Baden-Elsass unter Gauleiter Robert Wagner und den Gau Westmark (auch Saarpfalz genannt) unter Gauleiter Josef Bürckel, der später von Willi Stöhr abgelöst wurde.
Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark war eine nationalsozialistische Organisation, die speziell für das lothringische Gebiet geschaffen wurde. Ihr Hauptziel bestand darin, die französischsprachige oder zweisprachige Bevölkerung Lothringens in die nationalsozialistische “Volksgemeinschaft” einzubinden. Die Organisation fungierte als Ersatz für eine formelle NSDAP-Mitgliedschaft für jene Bewohner, deren “deutsche Gesinnung” erst noch unter Beweis gestellt werden musste. Dies war Teil einer umfassenden Eindeutschungspolitik, die auch die Umbenennung französischer Ortsnamen, das Verbot der französischen Sprache und die Einführung deutscher Verwaltungsstrukturen umfasste.
Das Mitgliedsabzeichen selbst war ein sichtbares Symbol der Zugehörigkeit zu dieser Organisation. Solche Abzeichen dienten im nationalsozialistischen Herrschaftssystem mehreren Zwecken: Sie demonstrierten öffentlich die politische Loyalität des Trägers, schufen ein Gefühl der Zugehörigkeit zur “Volksgemeinschaft” und ermöglichten gleichzeitig die soziale Kontrolle und Identifikation von Mitgliedern. Das Tragen derartiger Abzeichen war oft mit praktischen Vorteilen verbunden, während das Nichttragen mit Nachteilen oder gar Verfolgung einhergehen konnte.
Der Hersteller W. Redo aus Saarlauten (das heutige Saarlouis) war einer von mehreren Betrieben, die im Auftrag der NSDAP und ihrer Gliederungen Abzeichen, Orden und andere Insignien produzierten. Die Qualität und Ausführung solcher Stücke variierte je nach Hersteller und Produktionszeitpunkt. Das Saarland und die angrenzenden Regionen bildeten ein Zentrum für die Herstellung solcher nationalsozialistischer Devotionalien.
Die historische Einordnung dieser Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung. Einerseits sind sie materielle Überreste eines verbrecherischen Regimes und seiner Ideologie. Die Zwangsgermanisierung Lothringens ging mit schweren Menschenrechtsverletzungen einher: Französischsprachige wurden deportiert, Tausende junge Männer wurden zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen (die sogenannten “Malgré-nous” - “Gegen unseren Willen”), und politische Gegner wurden verfolgt. Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark war Teil dieses Unterdrückungsapparates.
Andererseits besitzen solche Objekte heute einen wichtigen dokumentarischen Wert für die historische Forschung und Bildung. Sie ermöglichen es, die Mechanismen nationalsozialistischer Herrschaft, Propaganda und sozialer Kontrolle zu studieren und zu verstehen. Museen und Bildungseinrichtungen nutzen derartige Artefakte, um über die NS-Zeit aufzuklären und vor den Gefahren totalitärer Ideologien zu warnen.
Nach der Befreiung durch alliierte Truppen im Jahr 1944/45 kehrte Elsass-Lothringen endgültig zu Frankreich zurück. Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark wurde aufgelöst, ihre Symbole und Abzeichen verloren jegliche offizielle Bedeutung. In der Nachkriegszeit war der Besitz solcher Objekte in vielen Fällen problematisch, und viele wurden vernichtet oder versteckt.
Heute unterliegt der Handel mit NS-Devotionalien in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern strengen rechtlichen Regelungen. Nach §86a StGB ist das öffentliche Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafbar, wobei Ausnahmen für Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre und Berichterstattung gelten. Sammler und Händler müssen diese rechtlichen Rahmenbedingungen strikt beachten.
Das vorliegende Mitgliedsabzeichen der DVG Westmark ist somit mehr als nur ein Metallstück - es ist ein stummer Zeuge einer dunklen Periode europäischer Geschichte, der zur Erinnerung und Mahnung dienen sollte.