Frankreich Säbel der Berittenen Artillerie M 29 .

Gekrümmte Klinge mit breiten Hohlkehlen, Spitze im Rücken, auf dem Klingenrücken die Herstellergravur "...Chatellerault Juine 1849", etwas fleckig und beschliffen, brünierte Stahlscheide mit einem Tragering, leichter Ansatz von Flugrost, sonst gut erhalten. Zustand 2-
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800,00

Frankreich Säbel der Berittenen Artillerie M 29 .

Der französische Säbel der berittenen Artillerie Modell 1829 repräsentiert eine bedeutende Epoche in der Entwicklung der französischen Kavallerie-Bewaffnung des 19. Jahrhunderts. Dieses Exemplar, gefertigt in der renommierten Manufaktur von Châtellerault im Juni 1849, steht stellvertretend für die Standardisierungsbemühungen des französischen Militärs in der Zeit nach den Napoleonischen Kriegen.

Die Manufacture d'Armes de Châtellerault, gegründet 1816, entwickelte sich zu einer der wichtigsten Waffenproduktionsstätten Frankreichs. Die Manufaktur war spezialisiert auf die Herstellung von Blankwaffen und Feuerwaffen für die französische Armee und Marine. Die Gravur auf dem Klingenrücken mit dem Herstellungsort und -datum war ein charakteristisches Merkmal aller französischen Militärwaffen dieser Periode und diente der Qualitätskontrolle sowie der Nachverfolgbarkeit.

Das Modell 1829 wurde durch königliche Verordnung unter König Karl X. eingeführt und ersetzte frühere Modelle, die noch aus der napoleonischen Zeit stammten. Der Säbel war spezifisch für die Artillerie à cheval (berittene Artillerie) konzipiert, eine Truppengattung, die während der Napoleonischen Kriege große Bedeutung erlangt hatte. Diese Einheiten kombinierten die Mobilität der Kavallerie mit der Feuerkraft der Artillerie und benötigten daher eine Bewaffnung, die sowohl im berittenen Kampf als auch bei der Bedienung der Geschütze praktikabel war.

Die gekrümmte Klinge mit breiten Hohlkehlen ist typisch für französische Kavalleriesäbel dieser Epoche. Die Hohlkehlen dienten mehreren Zwecken: Sie reduzierten das Gewicht der Waffe, ohne deren Stabilität wesentlich zu beeinträchtigen, und verbesserten die Balance. Die Krümmung der Klinge optimierte die Hiebwirkung vom Pferd aus, während die Spitze im Rücken – ein charakteristisches Merkmal französischer Säbel – zusätzliche Stabilität bei Stichbewegungen bot.

Die brünierte Stahlscheide war Standard bei französischen Militärsäbeln und bot Schutz vor Korrosion. Das Brünieren, ein chemischer Oxidationsprozess, erzeugte eine dunkle, schützende Oberfläche auf dem Stahl. Der einzelne Tragering an der Scheide ermöglichte die Befestigung am Wehrgehänge des Soldaten und war so konstruiert, dass der Säbel beim Reiten nicht störte, aber dennoch schnell gezogen werden konnte.

Das Jahr 1849, in dem dieser Säbel gefertigt wurde, war eine politisch turbulente Zeit in Frankreich. Nach der Revolution von 1848 war die Zweite Republik etabliert worden, und Louis-Napoléon Bonaparte, der spätere Kaiser Napoleon III., war gerade zum Präsidenten gewählt worden. Die französische Armee befand sich in einer Phase der Reorganisation und Modernisierung. Dennoch blieb das Modell 1829 noch viele Jahre im Dienst, da es sich als robuste und zuverlässige Waffe erwiesen hatte.

Die berittene Artillerie spielte in den militärischen Konflikten der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle, insbesondere während des Krimkrieges (1853-1856) und der Italienischen Einigungskriege (1859-1861). Französische Artillerieeinheiten, ausgerüstet mit Säbeln des Modells 1829, waren an allen wichtigen Schlachten dieser Periode beteiligt.

Die Konstruktion des Säbels spiegelt die französische Militärdoktrin wider, die großen Wert auf Vielseitigkeit legte. Anders als reine Kavalleriesäbel musste die Waffe der Artilleristen auch praktisch zu handhaben sein, wenn diese zu Fuß kämpften oder ihre Geschütze bedienten. Das Gewicht und die Balance waren daher sorgfältig austariert.

Im Laufe der 1850er und 1860er Jahre begann die Bedeutung von Blankwaffen allmählich zu schwinden, da Feuerwaffen immer effektiver wurden. Dennoch blieb der Säbel ein wichtiges Symbol militärischer Autorität und wurde noch lange Zeit von Offizieren und berittenen Einheiten getragen. Das Modell 1829 wurde schließlich in den 1880er Jahren durch modernere Designs ersetzt, doch viele Exemplare blieben noch bis ins frühe 20. Jahrhundert in Gebrauch, insbesondere bei Reserveeinheiten.

Heute sind diese Säbel wichtige Sammlerstücke und historische Dokumente, die Einblick in die Militärgeschichte Frankreichs im 19. Jahrhundert bieten. Der Erhaltungszustand dieses Exemplars – mit originaler Scheide und lesbarer Herstellergravur – macht es zu einem wertvollen Zeugnis französischer Waffenschmiedekunst und Militärgeschichte.