Hessen-Darmstadt Artillerie Extrasäbel in Luxusausführung mit Damastklinge für einen Einjährig-Freiwilligen im 2. Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 61
Gesamtlänge 93 cm.
Dieser prachtvolle Artillerie-Extrasäbel in Luxusausführung ist ein bemerkenswertes Zeugnis der militärischen Tradition des Großherzogtums Hessen-Darmstadt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Als privat beschafftes Erinnerungsstück eines Einjährig-Freiwilligen verbindet er die persönliche Dienstgeschichte seines Besitzers mit der Gründungsphase eines der jüngsten Artillerieregimenter des Deutschen Kaiserreichs.
Das 2. Großherzoglich Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 61 wurde am 1. Oktober 1899 aufgestellt, gemäß der Allerhöchsten Kabinettsorder (AKO) vom 25. März 1899. Die Formierung erfolgte aus den Batterien 6./25 und III./25 sowie einer neu aufgestellten Batterie. Das Regiment war in Darmstadt und Babenhausen garnisoniert. Der Bau der Kaserne in Babenhausen begann im Jahr 1900 mit einer Grundsteinlegung am 3. Juli. Fünfzehn Monate später waren 21 Gebäude und ein Wasserturm fertiggestellt, und die II. Abteilung des 61. Feldartillerie-Regiments war die erste Einheit, die am 1. Oktober 1901 einzog.
Nach der Reichsgründung von 1871 war das Großherzogtum Hessen-Darmstadt ein Bundesstaat geworden, dessen Heer weitgehend nach preußischen Vorschriften organisiert war. Die Großherzoglich Hessische (25.) Division wurde dem XVIII. Armeekorps unterstellt, als dieses im Jahr 1899 gebildet wurde.
Das Einjährig-Freiwilligen-System wurde erstmals 1814 in Preußen eingeführt und vom Deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1918 übernommen. Es ermöglichte Abiturienten, nur ein Jahr anstelle der regulären zwei- oder dreijährigen Wehrpflicht zu dienen. Im Gegenzug waren sie verpflichtet, sich auf eigene Kosten auszurüsten und zu unterhalten. Ziel war es, diese gebildeten Freiwilligen zu Reserveoffizieren auszubilden, sofern sie sich als geeignet erwiesen, oder andernfalls zu Reserve-Unteroffizieren. Der Besitzer dieses Säbels diente von 1899 bis 1900 – also in der Gründungsphase des Regiments – und erwarb diese Waffe als persönliches Erinnerungsstück an seine Dienstzeit.
Der Säbel wurde von Weyersberg, Kirschbaum & Co. (WKC) in Solingen gefertigt, wie die Herstellerbezeichnung auf der Fehlschärfe belegt. Das Unternehmen entstand 1883 durch den Zusammenschluss von Gebr. Weyersberg und W.R. Kirschbaum & Co. und entwickelte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der größten Blankwaffenhersteller des Deutschen Kaiserreichs, der jährlich über 100.000 Säbelklingen produzierte und zahlreiche andere Firmen belieferte.
Bei diesem Stück handelt es sich um eine Variante des deutschen Artillerie-Offizierssäbels, allgemein als “Blücher-Säbel” bekannt, benannt nach dem preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher. Als Extrasäbel in Luxusausführung zeichnet er sich durch besonders aufwendige dekorative Gestaltung aus, darunter die geätzte Damastmusterklinge sowie Vergoldung und Bläuung. Die leicht gekrümmte Steckrückenklinge mit Schör trägt terzseitig die Inschrift “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit beim 2. Großh. hess. Feld-Artillerie Rgt. o61. 1899-1900”. Die Rückseite ist mit Wappenätzungen versehen, die Waffentrophäen, einen Artilleriehelm, eine Granate, die Schulterklappen-Insignien mit flammender Granate über “61” sowie die Figur der Germania zeigen. Das vernickelte Stahlgefäß besitzt einen einfachen Parierbügel, der braun belederte Griff weist eine intakte Drahtwicklung auf, und die vernickelte Scheide ist mit zwei starren Ringen versehen.
Die Gesamtlänge beträgt 93 cm (etwa 36,6 Zoll).
Am 7. August 1914 wurde das Regiment zum Einsatz im Ersten Weltkrieg verlegt. Die Kaserne in Babenhausen diente während des Krieges als Lazarett. Nach der Niederlage des Kaiserreichs im November 1918 kehrte das Regiment kurzzeitig zurück und wurde im Dezember 1918 aufgelöst. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 kehrten die Truppen in die Heimat zurück, und die Division wurde im Januar 1919 demobilisiert und aufgelöst. Aus Teilen der Division wurde im selben Monat das Freikorps Hessen aufgestellt, das am 1. Juni 1919 in die Kleine Reichswehr-Brigade 18 überging.
Als privat beschafftes Erinnerungsstück verblieb der Säbel beim Besitzer oder seiner Familie als persönliches Andenken an die Dienstzeit – ein stiller Zeuge einer Epoche, die mit dem Untergang des Kaiserreichs zu Ende ging.
Dieser Extrasäbel vereint mehrere Aspekte, die ihn für den Sammler besonders attraktiv machen: Er dokumentiert die Gründungsphase eines Regiments, das nur wenige Jahre nach seiner Aufstellung in den Ersten Weltkrieg ziehen sollte. Die Luxusausführung mit ihrer aufwendigen Ätzung und Vergoldung belegt den gehobenen sozialen Status seines Besitzers, der als Einjährig-Freiwilliger die Kosten seiner Ausrüstung selbst trug. Die ungewöhnlich gute Erhaltung macht dieses Stück zu einem herausragenden Beispiel kaiserlicher Blankwaffenkunst aus der Werkstatt eines der bedeutendsten deutschen Hersteller.