III. Reich - Bund der Saarvereine " Deutsch sei die Saar immerdar " - Mitgliedsabzeichen 2. Form
Das Mitgliedsabzeichen des Bundes der Saarvereine mit der Inschrift "Deutsch sei die Saar immerdar" stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der politischen Propaganda und der nationalistischen Bewegung zur Zeit der Saarabstimmung 1935 dar. Dieses Abzeichen in seiner zweiten Form repräsentiert die intensive Kampagne des Deutschen Reiches zur Rückgewinnung des Saargebiets, das nach dem Ersten Weltkrieg unter Völkerbundverwaltung gestellt worden war.
Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 wurde das Saargebiet für 15 Jahre vom Deutschen Reich getrennt und unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt, während die wirtschaftliche Ausbeutung der Kohlevorkommen Frankreich zugesprochen wurde. Diese Regelung war als Kompensation für die während des Krieges zerstörten französischen Kohlegruben gedacht. Artikel 49 des Versailler Vertrages sah vor, dass nach Ablauf dieser 15 Jahre eine Volksabstimmung über die künftige Zugehörigkeit des Gebietes stattfinden sollte.
Der Bund der Saarvereine wurde als überregionale Organisation gegründet, um die deutschen Interessen im Saargebiet zu vertreten und die Verbindung zwischen dem Reich und der Saarbevölkerung aufrechtzuerhalten. Diese Organisation koordinierte zahlreiche lokale Saarvereine, die sich in verschiedenen Städten des Deutschen Reiches gebildet hatten. Die Mitglieder dieser Vereine setzten sich aktiv für die Rückkehr der Saar zum Deutschen Reich ein und organisierten Propagandaveranstaltungen, Sammlungen und kulturelle Aktivitäten.
Das vorliegende Abzeichen trägt die rückseitige Prägung "GES.GESCH.", was für "Gesetzlich Geschützt" steht – eine übliche Markierung bei offiziell autorisierten Abzeichen und Ehrenzeichen dieser Epoche. Die Existenz einer zweiten Form deutet darauf hin, dass das Abzeichen in verschiedenen Varianten hergestellt wurde, möglicherweise von unterschiedlichen Herstellern oder zu verschiedenen Zeitpunkten der Kampagne.
Die Kampagne zur Saarabstimmung intensivierte sich besonders nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Die NS-Propaganda nutzte die Saarfrage geschickt für ihre Zwecke und stellte die Abstimmung als nationale Schicksalsfrage dar. Der Slogan "Deutsch sei die Saar immerdar" wurde zu einem zentralen Motto der Kampagne und sollte die unverbrüchliche Verbindung zwischen dem Saargebiet und Deutschland betonen.
Die Volksabstimmung am 13. Januar 1935 endete mit einem überwältigenden Ergebnis: 90,8 Prozent der Bevölkerung stimmten für die Rückkehr zum Deutschen Reich, nur 8,8 Prozent für den Status quo unter Völkerbundverwaltung und lediglich 0,4 Prozent für den Anschluss an Frankreich. Dieses Ergebnis wurde vom NS-Regime als großer propagandistischer Erfolg gefeiert und als Bestätigung der nationalsozialistischen Politik dargestellt, obwohl die Abstimmung primär Ausdruck des Wunsches nach nationaler Zugehörigkeit und wirtschaftlicher Sicherheit war.
Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende spielten eine wichtige Rolle in der Mobilisierung und Organisation der Unterstützer. Sie dienten nicht nur als Erkennungszeichen für Mitglieder des Bundes der Saarvereine, sondern auch als sichtbares Symbol der politischen Überzeugung. Das Tragen solcher Abzeichen war Ausdruck der Solidarität mit der Saarbevölkerung und der Unterstützung für die Rückkehrkampagne.
Nach der erfolgreichen Abstimmung wurde das Saargebiet am 1. März 1935 offiziell wieder in das Deutsche Reich eingegliedert. Diese Rückgliederung war einer der ersten außenpolitischen Erfolge des NS-Regimes und stärkte dessen Position sowohl im Inland als auch international. Die Saarvereine und ihre Abzeichen verloren nach diesem Zeitpunkt zunehmend an Bedeutung, da ihr primäres Ziel erreicht war.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive stellen diese Abzeichen heute wichtige Dokumente der deutschen Geschichte der Zwischenkriegszeit dar. Sie dokumentieren die komplexe politische Situation in der Region, die Auswirkungen des Versailler Vertrages und die Propaganda-Methoden der frühen NS-Zeit. Der gute Erhaltungszustand (Zustand 2) macht dieses Exemplar zu einem besonders wertvollen historischen Zeugnis.