III. Reich RZM Feldflasche für die HJ und Parteiorganisationen
Die Feldflasche mit RZM-Markierung für die Hitler-Jugend (HJ) und andere Parteiorganisationen der NSDAP stellt ein charakteristisches Ausrüstungsstück der nationalsozialistischen Jugend- und Parteiorganisationen während der Zeit des Dritten Reiches (1933-1945) dar. Diese spezielle Feldflasche unterschied sich in wesentlichen Merkmalen von den regulären Feldflaschen der Wehrmacht und war ausschließlich für zivile Formationen des NS-Regimes bestimmt.
Das Reichszeugmeisterei-System (RZM) wurde 1929 etabliert und übernahm ab 1933 die zentrale Kontrolle über die Herstellung und Verteilung sämtlicher Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und Abzeichen für die NSDAP und ihre Gliederungen. Die RZM vergab Lizenzen an private Hersteller und überwachte die Qualitätsstandards sowie die Einhaltung der offiziellen Vorschriften. Jeder zugelassene Hersteller erhielt eine spezifische RZM-Nummer, die auf den produzierten Gegenständen angebracht werden musste. Die Markierung “Standfest” auf dem Deckel identifiziert den Hersteller dieses konkreten Exemplars.
Die Hitler-Jugend, 1926 gegründet und ab 1936 zur Staatsjugend erklärt, umfasste bis 1939 nahezu die gesamte deutsche Jugend zwischen 10 und 18 Jahren. Die Ausrüstung der HJ sollte die Jugendlichen auf den späteren Wehrdienst vorbereiten und gleichzeitig eine paramilitärische Struktur widerspiegeln. Zu dieser Ausrüstung gehörten neben Uniformteilen auch praktische Gegenstände wie Feldflaschen, Koppel, Brotbeutel und Zeltbahnen. Diese wurden besonders bei Geländespielen, Märschen, Zeltlagern und anderen Aktivitäten benötigt, die einen wesentlichen Teil der HJ-Erziehung ausmachten.
Die typische Feldflasche für HJ und Parteiorganisationen bestand aus Aluminium oder verzinktem Stahlblech und fasste in der Regel etwa 0,8 Liter Flüssigkeit. Der Filzbezug diente mehreren praktischen Zwecken: Er schützte den Metallkörper vor Beschädigungen, dämpfte Geräusche beim Marschieren und hielt durch seine isolierenden Eigenschaften den Inhalt länger kühl. Der Filz wurde häufig in verschiedenen Farbtönen gefertigt, wobei graue und braune Varianten am verbreitetsten waren. Die Befestigung erfolgte mittels eines Lederriemens, der durch Ösen am Flaschenkörper gezogen und an der Koppel oder über der Schulter getragen werden konnte.
Im Gegensatz zu den Wehrmacht-Feldflaschen, die üblicherweise mit einem Bakelit-Becher ausgestattet waren, verfügten die HJ-Modelle meist nur über einen einfachen Schraubverschluss mit Kette oder Lederband. Die Konstruktion war robuster und für den häufigen Gebrauch unter Feldbedingungen konzipiert. Die Qualität der RZM-überwachten Produkte variierte je nach Herstellungsjahr und Hersteller, wobei frühere Modelle aus den 1930er Jahren oft eine solidere Verarbeitung aufwiesen als spätere Kriegsproduktionen.
Neben der Hitler-Jugend verwendeten auch andere NS-Organisationen ähnliche Feldflaschen, darunter der Reichsarbeitsdienst (RAD), das Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps (NSKK), die Sturmabteilung (SA) und verschiedene politische Leiterformationen. Jede Organisation hatte teilweise spezifische Varianten oder Kennzeichnungen, wobei das Grunddesign weitgehend standardisiert blieb.
Der erwähnte Mottenschaden am Filzbezug ist ein typisches Merkmal für authentische, über Jahrzehnte gelagerte Stücke. Filz aus Naturwolle war besonders anfällig für Insektenbefall. Die Flickstelle deutet darauf hin, dass die Feldflasche tatsächlich im Dienst verwendet und repariert wurde, was ihre historische Authentizität unterstreicht. Solche Gebrauchsspuren sind für Sammler und Historiker oft wertvoller als unbenutzte Exemplare, da sie die tatsächliche Verwendung dokumentieren.
Nach 1945 wurden viele dieser Ausrüstungsgegenstände vernichtet oder von Besatzungsmächten konfisziert. Überlebende Exemplare fanden sich oft in Privathaushalten, wo sie jahrzehntelang vergessen wurden. Heute sind sie Objekte militärhistorischer Sammlungen und dienen der wissenschaftlichen Dokumentation eines dunklen Kapitels deutscher Geschichte. Die Erforschung solcher Alltagsgegenstände ermöglicht Einblicke in die Organisationsstrukturen, Produktionsmethoden und die alltägliche Realität der NS-Herrschaft jenseits der politischen und militärischen Großereignisse.